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Gender Mainstreaming als Instrument der Gleichstellungspolitik

26.07.2004 - (idw) Universität Augsburg

Vorstellung eines Augsburger Projekts zur Erhöhung des Frauenanteils an den Professuren am kommenden Mittwoch, dem 28. Juli, um 17.00 Uhr im Senatssaal der Universität Augsburg ---


Die Angehörigen der Augsburger Universitätsleitung sowie die AbteilungsleiterInnen der Zentralverwaltung der Universität Augsburg werden am kommenden Mittwoch in einem vom Sozialwissenschaftlichen Institut München (SIM) organisierten und moderierten Fortbildungsworkshop das Thema "Gender Mainstreaming als Querschnittsaufgabe im universitären Kontext" diskutieren. Der Workshop ist Bestandteil eines umfassenden Projekts zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit an der Universität Augsburg. Die VertreterInnen der Medien sind herzlich eingeladen, sich das Gesamtprojekt unmittelbar im Anschluss an den Workshop detailliert vorstellen und erläutern zu lassen.

Das Gender Mainstreaming-Projekt der Universität Augsburg greift die auf der Grundlage eines entsprechenden Landtagsbeschlusses vom 9. Juli 2003 am 1. September 2003 vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst an die bayerischen Hochschulen ergangene Aufforderung auf, Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils an den Professuren in den Hochschulen des Freistaats zu ergreifen. Dem in Reaktion darauf von einer fünfköpfigen Arbeitsgruppe entworfenen Projektpapier "Gender Mainstreaming - ein Instrument der Gleichstellungspolitik und Strukturentwicklung an Hochschulen" hat der Senat der Universität Augsburg im November des vergangenen Jahres zugestimmt. Die wesentlichen Auszüge aus diesem Papier sind im Anhang wiedergegeben.

EINLADUNG ZUM PRESSEGESPRÄCH

MedienvertreterInnen, die an weitergehenden Informationen interessiert sind, sind herzlich eingeladen zu einem Pressegespräch, bei dem die Frauenbeauftragte der Universität Augsburg, Prof. Dr. Hildegard Macha, gemeinsam mit Rektor Prof. Dr. Wilfried Bottke das Gender Mainstreaming-Projekt der Universität Augsburg näher erläutern und für Fragen zur Verfügung stehen werden. Das Pressegespräch beginnt am Mittwoch, dem 28. Juli 2004, um 17.00 Uhr im Senatssaal der Universität (Rektoratsgebäude, Universitätsstraße 2, 2. Stock).
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ANHANG: PROJEKTPAPIER "GENDER MAINSTREAMING - EIN INSTRUMENT DER GLEICHSTELLUNGSPOLITIK UND STRUKTURENTWICKLUNG AN HOCHSCHULEN" (AUSZÜGE)

Arbeitshypothesen:

1. Hochschulleitung und Professoren wünschen die Beschäftigung von Frauen auf allen Ebenen des wissenschaftlichen Personals zu erhöhen.

2. Frauen zeigen sich mit Blick auf ihre Leistungsfähigkeit und Zukunftschancen in der Wissenschaft insbesondere an der Schnittstelle Examen-Assistentenstelle bei gleichem Potential häufig weniger selbstbewusst und initiativ als Männer, so dass einer gezielten Ansprache und Ermunterung Bedeutung zukommt. Gründe hierfür sind in gesellschaftlicher Diskriminierung und Effekten der weiblichen Sozialisation zu sehen.

3. Frauen sehen oder antizipieren viel stärker als Männer berufliche Engpässe durch Kinderbetreuung und berücksichtigen dies bereits bei der Entscheidung für oder gegen einen Einstieg in eine wissenschaftliche Tätigkeit. Dabei denken sie
a. an die Zeit innerhalb der Universität,
b. beziehen aber bereits auch eine erwartete berufliche Laufbahn nach der wissenschaftlichen Tätigkeit in ihr Kalkül ein.

4. Die aus 1-3 folgenden Defizite bei der Beschäftigung von Frauen auf allen Ebenen des wissenschaftlichen Personals machen Maßnahmen erforderlich, die selbst dann, wenn sie Frauen und Männern symmetrisch angeboten werden, von Frauen stärker genutzt werden und diese asymmetrisch fördern sollten.

5. Alle Maßnahmen, insbesondere solche, die Frauen asymmetrisch zugute kommen, sind an einer strikten wissenschaftlichen Qualitätsstrategie auszurichten. Die Universität Augsburg fördert Frauen nur dann, wenn dies der wissenschaftlichen Exzellenz der Hochschule dient. Diese Nebenbedingung ist auch deshalb zwingend erforderlich, da viele Frauen einen Reputationsschaden aus asymmetrischer Förderung befürchten.

Maßnahmen:

1. Förderung begabter Frauen:
Identifikation weiblicher Studierender mit wissenschaftlichem Potential:
Fakultäten sollten gezielter als bisher in einer frühen Phase des Hauptstudiums besonders leistungsfähige weibliche Studierende identifizieren, um diese Frauen gezielt ansprechen und in Informationsveranstaltungen und Beratungsgesprächen auf die verschiedenen Möglichkeiten und Rahmenbedingungen einer wissenschaftlichen Tätigkeit hinweisen zu können.

2. Workshop-Angebote in der Startphase der wissenschaftlichen Tätigkeit:
In der Frühphase der Promotion sollten Workshops zu Themen wie effizientes wissenschaftliches Arbeiten, Verbesserung der Lehre, etc. für den wissenschaftlichen Nachwuchs angeboten werden.

3. Workshop-Angebote in der Endphase der Promotion:
In der Endphase der Promotion sollten für wissenschaftlich besonders viel versprechende männliche und weibliche Mitarbeiter Workshops zu Themen wie Karriereplanung, Drittmitteleinwerbung, Bestehen im wissenschaftlichen Wettbewerb, etc. angeboten werden.

4. Mentoring-Programm:
Ein Mentoring-Programm sollte wissenschaftlich besonders viel versprechenden Mitarbeiterinnen (und nur diesen) ab Endphase Promotion angeboten werden. Mentorinnen/Mentoren sollten aus dem eigenen Fach kommen. Dies müssen nicht zwangsläufig ProfessorInnen sein. So kann z.B. eine Habilitandin sehr gut einer Doktorandin Tipps hinsichtlich Publikationsstrategie, Wettbewerb um Tagungsvorträge, weitere wissenschaftliche Karriere geben. Zu prüfen ist, ob nicht auch Gruppen im Sinne eines Peer-Mentoring unter Beteiligung einer erfahrenen Wissenschaftlerin sinnvoll sein könnten. Zentrale Bedeutung kommt den Mentorinnen/Mentoren als "role models" für die Nachwuchswissenschaftlerinnen zu. Für ihr Engagement soll den Mentorinnen als kleine Anerkennung ein Budget aus der Titelgruppe 73 zur Verfügung gestellt werden (Größenordnung: Kosten einer Tagungsteilnahme)

5. Forschungsförderung für Frauen:
Es soll eine spezielle Forschungsförderung für Frauen eingerichtet werden, die ihnen unter Wahrung höchster akademischer Standards einen relativ unbürokratischen und von Vorgesetzten unabhängigen Zugang zu Forschungsmitteln erlaubt.
* 1 Förderung von Tagungsteilnahmen für Wissenschaftlerinnen. Voraussetzung ist, dass die Wissenschaftlerin zu einer in ihrem Fach besonders renommierten internationalen Tagung (belegt z.B. durch vom Fach generierte Kriterien wie Begutachtungsverfahren und hohe Ablehnungsquote der eingereichten Arbeiten nach dem Modell der DFG) zum Vortrag eingeladen ist.
* 2 Förderung von Projekten weiblich dominierter (im Sinne von mehrheitlich Frauen) Forschungsteams. Voraussetzung ist, dass das Team bereits gute Ergebnisse vorzuweisen hat, die zur Publikation angenommen sind und/oder auf einer renommierten Tagung erfolgreich präsentiert wurden.
Für diese Art der Förderung gelten die bei externen Fördereinrichtungen (z.B. DFG) herrschenden Standards. Der Vorteil für die Nachwuchswissenschaftlerinnen liegt in den kurzen Entscheidungswegen und im unbürokratischen Verfahren. Die Universität Augsburg sieht in dieser Förderung auch ein Marketing-Argument bei der Anwerbung von jungen Wissenschaftlerinnen.

6. Kinderbetreuung vor dem Kindergartenalter:
Für das wissenschaftliche Personal soll, wenn entsprechende Nachfrage besteht, ein Kinderbetreuungsangebots bereits vor dem Kindergartenalter geschaffen werden.

7. Gender-Training:
Es soll ein Gender-Training für die Leitungsebene der Universität (Rektor, alle Prorektoren, Kanzler) und je einen männlichen/weiblichen Professor aus jeder Fakultät und einem Vertreter der Personalverwaltung (mit Zuständigkeit für das Wissenschaft stützende Personal) durchgeführt werden. Die Fakultätsvertreter stellen sich der Aufgabe, gemeinsam mit der jeweiligen Frauenbeauftragten den Prozess des Gender Mainstreaming und die Frauenförderung auf der Ebene der Fakultät voranzutreiben.

8. Zielvereinbarungen mit den Fakultäten
Diese Kollegen und die Frauenbeauftragte vereinbaren in Absprache mit der Fakultät Ziele mit der Hochschulleitung und berichten einmal jährlich an die Hochschulleitung über den Stand der Dinge.
Es wird angestrebt, dass bei Zielerreichung die Hochschulleitung den Fakultätsetat im Folgejahr einmalig um einen zuvor festgelegten Geldbetrag erhöht.

9. Gender Mainstreaming und Frauenförderung wird als Thema unmittelbar in der Hochschulleitung bei einem Prorektor angesiedelt.

10. Kommunikationspolitik:

Die Angebote und Maßnahmen werden auf der Ebene der Universität und der Fakultäten über Webseiten, Pressemitteilungen ("Uni Augsburg als Top-Standort für Nachwuchswissenschaftlerinnen"), Informationsblätter etc. systematisch kommuniziert. Dies soll der Universität Augsburg helfen, Nachwuchswissenschaftlerinnen von höchstem Potential anzuwerben bzw. an der Hochschule zu halten.

11. Wissenschaft stützendes Personal
Es wird in Kooperation mit dem Kanzler der Universität ein Projekt zum Wissenschaft stützenden Personal vorbereitet.
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