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Mitten in Leipzig: Kornblumen, Mohn und Getreide

27.07.2004 - (idw) Universität Leipzig

Ein Stück Wildnis vor dem Institut für Botanik demonstriert Artenvielfalt


Prof. Morawetz auf seiner Wiese In der Leipziger Johannisallee 21 bis 23 nahe dem Ostplatz, direkt vor dem Institut für Botanik der Universität, schießt das Kraut gen Himmel. Kleingärtner und Ordnungsfanatiker mögen die Nase rümpfen ob dieses ungebremsten Wucherns - für Naturliebhaber ist dieses Fleckchen ein Stück vom Paradies. Und für Prof. Dr. Wilfried Morawetz, den Direktor des Botanischen Gartens der Universität Leipzig, ist es eine neue Möglichkeit für Forschung, Lehre und Öffentlichkeitsarbeit.

Während der Sanierung des Institutsgebäudes in den vergangenen Jahren stand auch dessen "Vorgarten" zur Debatte. Natürlich hätte es der übliche "gepflegte Rasen" sein können mit ein paar säuberlich verschnittenen Sträuchern. "Aber diese Künstlichkeit hatte nicht zu unserem Institut gepasst", erläutert Prof. Morawetz die Überlegungen, die zur jetzigen Gestaltung geführt haben. "Es ging darum, zu zeigen, wie Biodiversität, also Artenreichtum, sinnvoll eingesetzt werden kann. Mal ganz unabhängig davon, dass unsere blühenden Wiesen schöner ausschauen als ein glatt geschorener Rasen, sie bieten auch ganz einleuchtende Vorteile. Die wesentlich größere Oberfläche all dieser hoch wachsenden Pflanzen ist nützlich für unsere Umwelt: Es wird mehr Staub gefangen, das bodennahe giftige Ozon kann besser abgebaut werden und letztlich kann solch eine bewachsene Fläche auch die Funktion als biologischer Puffer besser erfüllen. Denken Sie nur an Exkremente von Hunden, ein Problem aller Städte. Die werden auf solch einem von Artenvielfalt geprägten Areal besser toleriert. All das wollen wir unseren Studenten und den Leipzigern vor Augen führen."

Der Rahmen für diese Abteilung des Botanischen Gartens, eine kniehohe Steinmauer, schuf das Grünflächenamt der Stadt Leipzig. Dann wurde den sieben Beeten der Boden bereitet - aus sehr unterschiedlichen Erden und Steinen. Im Frühling 2004 ging es dann an die Saat. In diesem Sommer ist Getreide das Thema, von dem auf den verschiedenen Flächen erzählt wird. Neben aktuellen Sorten wie Roggen, Weizen, Gerste und Hafer wurden auch alte wie Buchweizen, Dinkel und Emmer angebaut.

"Doch wir wollten nicht Landwirtschaft betreiben, sondern die Eigendynamik der Natur demonstrieren. Also haben wir zwischen die Getreidesorten auch noch die üblichen Ackerunkräuter gesät", so Morawetz. "In den Roggen kamen unter anderem Kornblumen und Acker-Stiefmütterchen, in die Gerste Klatschmohn oder in den Dinkel Hasenohr und Venuskamm. Einige dieser Unkräuter, die im Hafer stehende lila blühende Kornrade beispielsweise, ist in der freien Natur kaum noch zu finden. Auf unsere Beete - und das war gewollt - haben Wind und Tiere dann noch viele andere Samen gestreut, Römische Kamille zum Beispiel, Sonnenblumen, Klee, Melde oder die Kompasspflanze."

Alles zusammen brachte ein üppiges Grünen und Blühen und sogar einen kräftigen Sommerduft in die Johannisallee. Auch unter den Insekten hat sich diese neue reichhaltige Nahrungsquelle längst herumgesprochen und so tun sie bereitwillig ihren Job bei der Demonstration von Biodiversität. Wissenschaftliche Nutznießer dieser Mini-Äcker sind die Studenten der Botanik, die nun direkt vor ihrer Haustür ein Stück Wildnis beobachten, einzelne Pflanzen pflücken und zum Präparieren mitnehmen können.

Im August wird das "Uni-Feld" gemäht und als Stoppelacker überwintern. "Ob wir 2005 noch einmal das Thema Getreide wählen oder vielleicht einheimische Wiesenarten darstellen, ist noch nicht entschieden", so Morawetz. "Doch letztlich werden die ausgefallenen Samen des einen Jahres im darauffolgenden Frühling wieder keimen, so dass - weil bei uns natürlich niemand 'Unkraut' rupft - der vergangenen Sommer immer wieder zitiert wird."

Marlis Heinz



weitere Informationen:
Prof. Dr. Wilfried Morawetz
Telefon: 0341 97-38590
E-Mail: morawetz@uni-leipzig.de

Matthias Schwieger
Telefon: 0341 97-36850
E-Mail: schwieger@uni-leipzig.de
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