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Eine Treppe ins Nichts

28.07.2004 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster


Eine Treppe als Mahnmal Die eine Treppe führt nach oben zur Aula der Universität im ersten Stock des Schlosses. Die andere, unmittelbar daneben, endet nach wenigen Schritten vor einer kahlen, weißen Wand. Hier ist kein Weiterkommen, der Weg wird abrupt unterbrochen. Ähnlich abrupt wie die Karrieren und Leben jener Wissenschaftler, Mitarbeiter und Studierenden der Universität Münster, die von 1933 bis 1945 von den Nationalsozialisten entlassen oder zwangsexmatrikuliert oder denen die Doktorgrade aberkannt wurden. Ihnen, sowie den Zwangsarbeitern, die während des Krieges an der Universität Münster Zwangsdienst leisten mussten, ist das Mahnmal der Künstlerin Antonia Low im Südflügel des Schlosses zu Münster gewidmet, das am 28. Juli offiziell eingeweiht und der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Mithilfe der historischen Architektur will die Absolventin der Kunstakademie Münster symbolisieren, was in der Zeit des Nationalsozialismus geschehen ist: "Mitgliedern und Angehörigen der Universität wurde in den Jahren von 1933 bis 1945 im Namen der Universität aus rassischen und politischen Gründen ein nicht wieder gutzumachendes Unrecht zugefügt. Doktorgrade wurden entzogen und Entlassungen durchgeführt. Studierende wurden relegiert, lebensbedrohende Verfolgung eingeleitet und Zwangsarbeiter als Arbeitskräfte eingesetzt." Die humanistischen Ideale, denen sich die Universität verpflichtet fühle, seien außer Kraft gesetzt und ad absurdum geführt worden.

Auf einer dem Mahnmal gegenüberliegenden Wand erinnert ein Text an eine Erklärung des Senats der Universität aus dem Jahr 2000, in dem sich dieser "voll Scham" zur Verantwortung der Hochschule für das damalige Unrecht bekennt und erklärt, dass die Universität sich durch die Willkürmaßnahmen mitschuldig gemacht habe. Für die Künstlerin Antonia Low war diese Erklärung der Universität Anlass für ihr Kunstwerk und Mahnmal: Eine Treppe führt nach oben, die andere endet ausweglos vor der Wand. Passage und Perspektive blieben und bleiben versperrt!"

Der Rektor der Universität Münster, Prof. Dr. Jürgen Schmidt, würdigte die Arbeit der Künstlerin als "angemessenen Beitrag zur Auseinandersetzung der Universität mit dem dunkelsten Kapitel ihrer Geschichte". Es bleibe eine Verpflichtung und ein Auftrag der Universität, mit den Mitteln der historischen Forschung alle Tatsachen der eigenen Geschichte rückhaltlos offen zu legen und damit Licht in das Dunkel der Vergangenheit zu bringen: "Die Wahrheit annehmen, sich der Verantwortung stellen und für die Zukunft lernen - das sind wir den Opfern der nationalsozialistischen Diktatur schuldig".
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