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Auswirkungen massiver Stressbelastungen im Mutterleib

29.07.2004 - (idw) Universität Trier

Trierer Wissenschaftler untersuchen junge Erwachsene,
deren Mütter während der Schwangerschaft unter starkem Stress litten.

"Die Lebenszeit im Mutterleib ist der Ursprung von Gesundheit und Krankheit" - so beschreibt der US-Physiologe Peter Nathanielsz ein Phänomen, das Mediziner und Psychologen zunehmend fasziniert: "Fetal Programming". Bereits im Mutterleib könnten - möglicherweise unter dem Einfluss mütterlicher Hormone - die Weichen für die körperliche und psychische Gesundheit des Kindes gestellt werden. Eine Studie der Universität Trier untersucht nun die Auswirkungen massiver psychischer Belastungen im Mutterleib auf die Stressreaktion bei jungen Erwachsenen.

Um die Zusammenhänge zwischen Stress im Mutterleib und späteren stressbezogenen Erkrankungen weiter zu erforschen, sollen in einer aktuellen Studie der Abteilung Psychobiologie der Universität Trier Erwachsene untersucht werden, deren Mütter während der Schwangerschaft einer massiven psychischen Belastung ausgesetzt waren. Dazu zählen Verlust oder schwere Erkrankung eines nahen Angehörigen, Trennungs- und Scheidungserfahrungen sowie Ablehnung der Vaterschaft aber auch Ereignisse wie Unfälle, Überschwemmungen, Brände, Katastrophen oder die Flucht vor einem Bürgerkrieg. Teilnehmen können Erwachsene aus ganz Deutschland, deren Mütter während der Schwangerschaft einer massiven Stressbelastung ausgesetzt waren. Die Erhebung der Daten erfolgt rein postalisch und umfasst das Ausfüllen von Fragebögen und die Bestimmung des Stresshormons Cortisol durch Entnahme von Speichelproben. Als Gegenleistung können wir eine detaillierte Auswertung der Daten bieten.

Immer mehr Forschungsbefunde deuten darauf hin, dass einschneidende Belastungen während der Schwangerschaft bleibende Spuren im Gehirn des Ungeborenen hinterlassen können. So fanden niederländische Wissenschaftler, dass deutsche Panzer, die im Zweiten Weltkrieg die Niederlande überrollten, noch Jahrzehnte später ungeahnte Auswirkungen zeigten - und zwar bei denen, die sich im Mai 1940 im Mutterleib befanden. Die zur Zeit der Blitzinvasion noch ungeborenen Babies erkrankten in ihrem späteren Leben weit häufiger an Diabetes, Bluthochdruck und Schizophrenie.

Aus Tierstudien weiß man schon lange, dass starke Stressbelastungen während der Schwangerschaft dazu führen können, dass die Nachkommen zu früh oder zu klein geboren werden. Auch beim Menschen konnte gezeigt werden, dass starke Ängste während der Schwangerschaft mit einem niedrigeren Geburtsgewicht und einer verkürzten Schwangerschaftsdauer einhergehen. Diese ungünstigen Geburtsmerkmale wiederum werden mit einer Reihe von Erkrankungen und Entwicklungsverzögerungen in Verbindung gebracht. Forscher der Universität Edinburgh fanden heraus, dass Stresshormone der Mutter, die in belastenden Situationen ausgeschüttet werden, in den Stoffwechsel des Föten gelangen können und das sich entwickelnde Gehirn des Ungeborenen beeinflussen. Nicht ohne Folgen: der pränatale Stress kann die Stressregulation des Körpers dauerhaft beeinträchtigen.

Interessenten können sich in der Abteilung für Psychobiologie bei der zuständigen Studienleiterin, Dipl. Psych. Sonja Entringer, unter der Telefonnummer 0651/2013739 oder per E-Mail unter entr1301@uni-trier.de melden.
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