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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 21. Oktober 2019 

Neue Ausgabe des DISKURS: Jugendliche Körper - Identitäten und Kulturen

30.07.2004 - (idw) Deutsches Jugendinstitut e.V.

In einer Zeit, in der in den Sozialwissenschaften ehemals klare oder klar zu sein scheinende Sachverhalte wie Arbeit und Famile, Geschlecht und Generation unter den Metaphern "Entgrenzung" und "Verflüssigung" verhandelt werden (s. DISKURS 3/2002), muss - so scheint es - auch das Konzept Jugend Federn lassen. Die durch Politik und Ökonomie jeweils bewirkten unterschiedlichen Ausgangsbedingungen fürs Aufwachsen und Zurechtkommen in der Gesellschaft machen es zunehmend schwieriger, die Grenzen dessen, was Jugend ausmacht, sein kann oder sein soll, eindeutig abzustecken. So sorgen Ungleichheit und Unterschiede in den von den einzelnen erreichbaren materiellen und sozialen Ressourcen, Bildungsqualifikationen und kulturellen wie sozialen Kompetenzen regelmäßig dafür, dass diese Lebensphase - sowohl ihrer Dauer wie auch ihrem Inhalt nach - zu einem recht uneinheitlichem Projekt mit ungewissen Ausgang wird.
Angesichts dieser zwischen Kindheit und Erwachsensein ständig neu zu vermessenden Statuspassage liegt es nahe, sich in Sachen Jugend bei allem Wandel "doch noch" über einige Sicherheiten und Konstanten zu verständigen. So rar diese generell sein mögen und so schwer sie auch gegenwärtig zu haben sind: Vielleicht gibt es - wenn schon keine ausgewiesenen Wegweiser - ein paar Vermutungen oder gar Hinweise auf markante Markenzeichen, die es erlauben, die sich wohl auch weiterhin ausdifferenzierende Jugendphase ein wenig nachhaltiger zu erschließen: die jugendlichen Körper.

DISKURS 3/2003

Bärbel Kracke
Erwachsen werden - eine biopsychosozialer Blick auf die Entwicklung männlicher Jugendlicher

Die entwicklungspsychologische Jugendforschung der letzten vier Jahrzehnte hat sich ausführlich mit dem Erleben und Verhalten von Jugendlichen in unterschiedlichen Entwicklungskontexten während des Übergangs von der Kindheit zur Jugendphase und zum Erwachsenenalter beschäftigt. Bislang ist jedoch unter den Bedingungen, die zur erheblichen Divergenz dieser psychosozialen Entwicklung beitragen können, die psychologische Bedeutung der pubertären Entwicklungsprozesse zu wenig beachtet worden. An diesem Defizit setzt der vorliegende Beitrag an. Nach einem kurzen Überblick über die wesentlichen körperlichen Veränderungen bei pubertierenden Jungen und der Erörterung einiger zentraler Fragen, die deren Erfassung mittels empirischer Studien betreffen, werden ausgewählte Befunde aus deutschen und internationalen Studien vorgestellt, die die psychosozialen Konsequenzen der relativen Beschleunigung der pubertären Entwicklung von Jungen im Kontext ihrer Peers betonen. Dabei zeigt sich, dass jenes Entwicklungstempo für das subjektive Erleben der Jugendphase und das darauf aufbauende Verhalten ausgesprochen wichtig ist. Abschließend werden einige Implikationen diskutiert, die daraus für die Jugendforschung, die Jugendarbeit sowie einschlägige Kriseninterventionsprogramme für männliche Jugendliche abzuleiten sind.

Horst Hackauf
Jugendliche Lebensstile als Ausdruck von körperbezogenem Risikoverhalten

Der Beitrag unternimmt den Versuch, eine Verbindung herzustellen zwischen der Entwicklung der Körper von heranwachsenden - weiblichen und männlichen - Jugendlichen und ihren kollektiven Lebensstilen. Dazu ist es wichtig, vor allem diejenigen Aspekte der Lebensstile zu verstehen, die riskante Verhaltensweisen, wie z. B. das Zigarettenrauchen und den Alkoholkonsum, umfassen. Alters- und Geschlechtbezüge spielen bei den jeweiligen Entwicklungsverläufen eine entscheidende Rolle, und ohne die Klärung des Begriffs Lebensstil im Kontext der jugendlichen Subkulturen kann auch die Vielfalt der körperlichen Selbstinszenierungen nicht angemessen beschrieben werden. So zeigen empirische Untersuchungsergebnisse zu den gesundheitsrelevanten Aspekten der jugendlichen Lebensstile deutlich, dass sich szenetypische Muster des kollektiven Risikoverhaltens herausbilden und verbreiten. Die mehr oder weniger normentsprechende körperliche Entwicklung der Jugendlichen - sei es Früh- oder Spätreife - spielt dabei im Kontext ihrer Beziehungen zu den Eltern und den Peergroups eine wichtige Rolle.


Lotte Rose
Alles anders?
Zum Wandel der Körperinszenierungen von Mädchen und Jungen im Sport

In der Auseinandersetzung zur Bedeutung des Sports in den Lebenswelten von Mädchen und Jungen dominierte lange Zeit das Ungleichheitsparadigma, das darauf verwies, dass Mädchen und Jungen nicht unter den gleichen Voraussetzungen an der Kultur des Sports teilhaben und in ihr agieren. Weniger beachtet wurden die mit den gesellschaftlichen Individualisierungsprozessen einhergehenden einschneidenden Wandlungen im Geschlechterverhältnis, die auch in der Welt des Sports viele Spuren hinterlassen haben. Der Beitrag versucht, auf dem Hintergrund des aktuell wirksamen, doch widersprüchlichen Nebeneinanders von "Doing-gender"- und "Undoing-gender"-Prozessen den Stellenwert der Körperinszenierung durch Sport in den Lebenswelten von Mädchen und Jungen in Deutschland zu bestimmen und ihn zugleich mit den Verschiebungen und Erosionen der Geschlechternormalitäten zu verbinden.

Gabriele Klein
Die Theatralität der Jugend -
Zu Praktiken der Verkörperung und Vergemeinschaftung in Clubkulturen1

Der Text thematisiert den Zusammenhang zwischen Lebensstilen und der Körperlichkeit von Jugendlichen am Beispiel städtischer Clubkulturen.2 Clubs sind die zentralen theatralen Orte für jugendliche Popkulturen.3 Sie sind jene Orte, so die zentrale These, an denen das im Zuge von Destandardisierungsprozessen brüchig gewordene Konzept Jugend über eine ritualisierte Inszenierungspraxis aktualisiert wird. Der Text knüpft an die Diskussion um die Destandardisierung von Jugend an und fragt, wie das soziale Konzept Jugend als ein wichtiges generationsspezifisches Ordnungsmuster heute zum Sprechen gebracht wird. Zum anderen greift er die seit den 1980er-Jahren schwelende Debatte um Inszenierungspraktiken von Jugendlichen auf, indem er Inszenierung - in Absetzung von Positionen, die diese vornehmlich als ein Indiz für den Übergang von Sein zu Schein, von Ernst zu Spiel, von einer Ethik zu einer Ästhetik verstehen wollen - als eine fundamentale Dimension des Handelns herausstellt.


Angst und Arbeitslosigkeit: ostdeutsch erhellt
Andreas Oehme und Wolfgang Schröer interviewen Wolfgang Engler

In der Öffentlichkeit ist Wolfgang Engler insbesondere durch seine Bücher "Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land" (Berlin 1999) und "Die Ostdeutschen als Avantgarde" (Berlin 2002) bekannt geworden. Er gilt seither als einer der bekanntesten Vertreter einer politisch engagierten Sozialwissenschaft, wie sie sich in den vergangenen Jahren in Ostdeutschland neu herausgebildet hat. Angesichts der aktuellen sozialen Entwicklungen haben wir mit Wolfgang Engler über die sozialpolitische Verarbeitung des Strukturwandels der Arbeitsgesellschaft gesprochen.
Engler plädiert in dem Interview für eine sozialwissenschaftliche Durchdringung sozialer Herausforderungen wie Jugendarbeitslosigkeit und demografische Entwicklung und sieht aus ostdeutscher Perspektive Anzeichen für eine neue sozialpolitische Aufbruchstimmung.


Werner Schneider
Diskurse zum "Wandel von Jugend" in Deutschland - Konzepte, Leitbegriffe und Veränderungen in der Jugendphase

Gemäß den gängigen Verweisen auf die zunehmende Individualisierung und Dynamisierung der Jugendphase in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kann der "Wandel von Jugend" in Deutschland als Prozess der Entwicklung von großen (politischen) Generationsgestalten über eine bunte Vielfalt jugendlicher Subkulturen bis hin zur Aufsplitterung jener Jugendkulturen in offenen Szenen umrissen werden. Der Beitrag fragt nach den diskursiven Effekten der diese Entwicklung charakterisierenden Konzepte und Leitbegriffe für den jugendforscherischen Blick: Welches Verständnis von "Jugend" in ihrem Verhältnis zum gesellschaftlichem Wandel ist jeweils darin enthalten? Und welche Konsequenzen ergeben sich aus diesem Diskurs zum "Wandel von Jugend" für die begrifflich-konzeptionelle Orientierung der Jugendsoziologie bzw. -forschung?


Anita Heiliger
Schattenseiten des neuen Sorge- und Umgangsrechts
- Folgerungen für eine kindeswohlfördernde Praxis

Der folgende Beitrag möchte Aufmerksamkeit auf ein Problem lenken, das infolge der Kindschaftsrechtsreform von 1998 entstanden ist: Das Kindeswohl ist gefährdet durch eine häufig rigide und systematische Durchsetzung von Umgangsrechten selbst für Väter, die gegen die Mutter und/oder das Kind körperliche und sexuelle Gewalt ausgeübt sowie diese psychisch drangsaliert haben. Dies folgt aus einer Rechtsauffassung, die die Gründe für die Umgangsverweigerung von Müttern nicht ernst genug nimmt und so ungewollt einer Kindeswohlgefährdung Vorschub leistet. Aufgezeigt werden u. a. die rechtlichen Mittel, die gegen Mütter angewandt werden, um entgegen deren massiven Ängsten und negativen Erfahrungen den Kontakt des Vaters mit seinem Kind zu erzwingen. Gefordert werden Veränderungen im Gesetz sowie in der Praxis von Sozialarbeit, Gutachterwesen und Justiz mit dem Ziel einer Qualifizierung der Fachbasis für einen angemessenen, opferschützenden Umgang mit Männergewalt gegen Frauen und Kinder in der Familie.


Manfred Liebel
Neue Nomaden
Jugendliche an den Grenzen Mittel- und Nordamerikas

Der Beitrag untersucht am Fall der Jugendlichen Mittelamerikas und Mexikos, wie sich ihre Lebenssituation mit der wachsenden Nötigung zur Migration verändert. Insbesondere wird gefragt, was das Leben mit Grenzen für diese Jugendlichen bedeutet und wie sie mit den diversen Grenzerfahrungen umgehen, die sich im Kontext der Migration ergeben. Zunächst wird die soziale, politische und kulturelle Geographie der Region skizziert. Anschließend wird das Profil der für sie typischen Migrationsbewegungen herausgearbeitet, indem die Erfahrungen mit den Grenzen im Süden und im Norden Mexikos nachgezeichnet werden. Schließlich wird gefragt, worin der Ertrag des neuen Nomadentums für die Jugendlichen besteht.


Studien zu Kindheit, Jugend, Familie und Gesellschaft
München: DJI Verlag, ISSN 0937-9614
drei Hefte jährlich
Jahresabo 32 Euro (zuzüglich Versandkosten)
Einzelheft 13,50 Euro

Alleinvertrieb: VS Verlag für Sozialwissenschaften / GWV Fachverlage
Bestellung: Leserservice: Tatjana Hellwig, Abraham-Lincoln-Straße 46, 65189 Wiesbaden, Tel.: 0611-7878-151, Fax: 0611-7878-423
E-Mail: tatjana.hellwig@gwv-fachverlage.de
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