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War die Entwicklung des Katalysators ein Fehler? Kontroverse Diskussion zum Ressourcenmanagement

28.04.1995 - (idw) Technische Universität Clausthal

Forum Clausthal diskutierte Ressourcenmanagement und Sustainability

Sind wir mit der gegenwärtigen Umweltschutzpolitik auf dem richtigen Weg? Unter dieser - verhalten, aber deutlich kontrovers diskutierten - Leitfrage stand die erste Vortrags- und Diskussionsrunde von Forum Clausthal im zweiten Teil der Vortragsreihe Sustainable Developement im Vortragssaal des CUTEC-Institutes.

Dr. Adolf von Röpenack, für den BDI als Sonderbeauftragter für Umweltschutzfragen in der Enquete-Kommission des Bundestages Schutz des Menschen und der Umwelt tätig, antwortete mit einem vorsichtigen Ja. Der Staat müsse verläszliche Rahmenbedingungen schaffen, die Wirtschaft verpflichte sich - so hoffe er - zu einem selbstverantwortlichen, freiwilligen Stoffstrommanagement. Dabei orientiere man sich an einigen Grundregeln: 1. Die Nutzungsrate erneuerbarer Ressourcen durfe deren Neubildungsrate nicht übersteigen. 2. Die Nutzungsrate nicht erneuerbarer Ressourcen sollte dank einer ständigen Aktivierung der Innovationsfähigkeit der Wirtschaft gesenkt werden 3. Die Belastbarkeitsgrenze der Natur mit Schadstoffen müsse beachtet werden. Eine Umweltschutzpolitik, die die Menschen überzeuge, sie nicht zu Verzicht und Askese nötige, könne erfolgreich sein, eine Kreislaufwirtschaft, welche die ökonomische Rentabilität und soziale Stabilität nicht aus dem Auge verliere, sei das Ziel. Professor Dr. Schmidt-Bleek vom Wuppertal Institut für Klima - Umwelt - Energie demontierte eingangs einige Vorstellungen: Es gäbe etwa 100.000 von der Chemischen Industrie geschaffene Stoffverbindungen und etwa vier Millionen Produkte auf dem Markt. Für all diese ökobilanzen in einem nichtlinearen ökologischen System erstellen zu wollen, sei nicht vorstellbar, als Kosten für ein solches Unterfangen nannte Schmidt-Bleek die Zahl 1,5 Trillionen Mark. "Die ganze Welt unter das Mikroskop legen zu wollen und sie damit zu retten?", das könne es wohl nicht sein. " Aus allen Löchern der Gesellschaft fallen Schadstoffe und es kann nicht besser werden, solange wir nicht vorne - beim Ressourcenabbau - das Eingangstor langsam runterfahren", so seine Generalthese, die Schmidt-Bleek an einem Beispiel vorführte: Beim Platinbergbau (Platin wird u.a. für Katalysatoren in Autos verwandt) werden 400.000 Tonnen Erdreich bewegt, um eine Tonne Platin zu gewinnen. Dies sei der "ökologische Rucksack" des Katalysators, er liege mit drei Tonnen auf jedem Auto, deshalb, und weil der Katalysator - krebserregende - Kohlenwasserstoffe in - den Treibhauseffekt verstärkendes - Kohlendioxid umwandle, sei die Entwicklung des Katalysators ein Fehler gewesen. Dieser Eingriff in die Natur ziehe eine nicht umkehrbare Störung des Naturgleichgewichtes nach sich. Daraus gäbe es nur eine Schluszfolgerung: Wir müszten den Ressourcenverbrauch und die Energieintensität unserer Lebensweise um 90 Prozent senken, wenn wir aus der Gefährdungszone eines ökologischen Kollapses hinaus wollten. Wie dies erzielt werden könne, illustrierte Schmidt-Bleek an Beispielen: Wenn die Absprache funktioniert, konnen sich vier Familien mit einem Auto die gleiche Mobilität leisten wie zuvor mit vier Autos, abstrakt und damit allgemeingültig gesprochen: Dematerialisierung der Lebensweise bei gleichzeitiger Verdichtung der Dienstleistungsintensität der Produkte. Dr. von Röpenack stimmte Schmidt-Bleek - der Richtung nach - zu: " Solange wir Einzelprobleme lösen, anstatt den Systemzusammenhang zu beachten, werden wir die Fragen nicht lösen. Der Katalysator war einer der gröszten Fehler, die wir machen konnten." Ein weiterer Systemaspekt schälte sich im Verlauf der Diskussion heraus: Wenn wir die Produktion in den Industrieländern auf ein Zehntel herunterfahren, kann dort nicht mehr soviel verdient werden. "Das Steueraufkommen aus der Produktion wird zu einem Rinnsal werden", so Schmidt-Bleek. " Was wird, wenn wir fünfzehn Prozent Arbeitslosigkeit haben?", warf von Röpenack ein. Der Staat müsse Signale setzen, die Arbeit verbilligen und den Ressourcenverbrauch höher besteuern, schlug Michael Jischa vor. Die Diskussion um die Arbeit werde mit kindlichen Argumenten geführt, meinte Schmidt-Bleek, über 60 Prozent der Arbeit in unserer Gesellschaft seien nicht Erwerbstätigkeit, und von Röpenack sagte, dasz die Enquete-Kommission zu diesen Fragen nicht mehr gekommen sei.


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