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Zusammenfassung der Reden bei der Jahresversammlung der DFG

04.07.2002 - (idw) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Bericht von Professor Winnacker
Grußworte von Ministerialdirektor Hans Friedrich, BMBF, Gabriele Behler, Ministerin NRW, Professor Dagmar Schipanski, Präsidentin der Ständigen Konferenz der Kultusminister

DFG-Präsident: Allein Internationalität schafft wissenschaftliche Excellenz

In den Mittelpunkt seines Berichts vor der Jahresversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in der Aula der Universität Bonn stellte DFG-Präsident Professor Ernst-Ludwig Winnacker das Thema Internationalität der Wissenschaft. Er erinnerte an die völkerverbindende Kraft der Wissenschaft und in diesem Zusammenhang auch an die trilateralen Projekte der Deutschen Forschungsgemeinschaft zwischen israelischen, palästinensischen und deutschen Wissenschaftlern, die seit 1995 gefördert werden. Trotz der gegenwärtigen politischen Situation befinden sich 21 dieser Projekte derzeit in der Förderung. Winnacker stellte die Frage, warum in vielen anderen Ländern, vorrangig den Vereinigten Staaten, die Doktoranden nach Abschluss ihrer Promotion im Lande verblieben bzw. in ihre Heimat zurückkehrten, während in Deutschland ein gegenteiliger Trend festzustellen sei. Als Beispiel führte er die Marie-Curie-Stipendiaten der Europäischen Union an, von denen im Jahre 2000 fast ein Drittel im Vereinigten Königsreich, knapp 20% in Frankreich und nur gut 10% in Deutschland arbeiten wollten, obwohl Deutschland knapp ein Viertel der Kosten des Programms trage.

Zu einem forschungsfreundlichen Umfeld, so der DFG-Präsident, gehörten auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen wie die Stammzellgesetzgebung und Tierschutz. Winnacker kritisierte mit deutlichen Worten die Verschärfung des Stammzellimportgesetzes durch die Strafbewehrung für deutsche Wissenschaftler, die einer internationalen Vernetzung dieses Forschungsgebietes massiv im Wege stehe. Er führte aus, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft Rechtsgutachten in Auftrag gegeben habe, um deutschen Wissenschaftlern ein rechtliches Geleit für die Art und Weise ihrer Zusammenarbeit mit ausländischen Institutionen an die Hand zu geben. Winnacker wörtlich: "Es ist derzeit nicht leicht, den in jeder Festrede gepriesenen, internationalen Charakter der Wissenschaft vor dem Hintergrund einer derart provinziellen Praxis bundesdeutscher Parlamentsarbeit zu leben".

Auch zur Tierschutzgesetzgebung fand der DFG-Präsident deutlich kritische Worte: "Diejenigen Bereiche, die hiermit angeblich getroffen werden sollen und müssen, die Massentierhaltung und

die Tiertransporte, bleiben außen vor, die Schächtung ist letztlich eine Lappalie, so dass die Wissenschaft als einzig Geschädigte übrig bleiben wird". Winnacker betonte, dass kein Zweifel daran bestehe, dass es seit langem ein Tierschutzgesetz gebe, das in der Güterabwägung zwischen den Ansprüchen der Forschung und denen der Versuchstiere einen angemessenen Ausgleich gefunden habe. Vor dem Hintergrund der Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz als Staatsziel wäre die Wissenschaft nicht überrascht, wenn nunmehr aus Tierschutzkreisen Rechtsmittel gegen genehmigte Tierversuche eingelegt würden, insbesondere im Bereich der kognitiven Neurowissenschaften. Übrig bleibe der schale Geschmack der Forschungsfeindlichkeit, der wieder einmal die Standortsituation belaste.

Zur Diskussion um die Neuregelung und Veränderung beim Hochschulrahmengesetz betonte Winnacker, dass die Regelungen des öffentlichen Dienstes im Hochschul- und Forschungsbereich nicht adäquat seien. Er plädierte für ein Wissenschaftstarifsystem, das Rücksicht auf die Anforderungen dieses Umfeldes nehme. Dies habe etwas mit der Autonomie des Individuums und der Berufsfreiheit zu tun.

Eine positive Bilanz zog Winnacker mit Blick auf die Entwicklung der ersten drei DFG-Forschungszentren, die zum 1. Juli 2001 eingerichtet wurden. Bremen, Karlsruhe und Würzburg seien auf einem sehr guten Wege. Trotz des außerordentlich harten Wettbewerbs um die Forschungszentren, die zu hohen Enttäuschungen bei denjenigen führten, die qualitativ hoch bewertet wurden und eigentlich gefördert werden müssten, aber dennoch in den Endrunden nicht zum Zuge kamen und der Notwendigkeit, nach Auslauf der Sonderförderung dieses Programm in den normalen Haushalt der DFG integrieren zu müssen, zeigte sich Winnacker von dem neuen Förderinstrument überzeugt, weil es auch einen Weg zeige, unsere Universitäten international noch sichtbarer zu machen als bisher.

Zur Reform des Begutachtungssystems der DFG, die von der Mitgliederversammlung gebilligt wurde, erinnerte Winnacker an die internationale Kommission zur Systemevaluation der DFG, die mehr Transparenz und mehr Internationalität für das Begutachtungssystem gefordert hatte. Er betonte, dass nach langer Beratung nun eine Struktur vorgelegt worden sei, die unter Beibehaltung bewährter Elemente wie etwa der Wahl von Gutachtern dennoch modernen Anforderungen gerecht werden könne. Entscheidend für das neue Verfahren sei seine Aufteilung in drei Schritte, nämlich die Begutachtung, die Bewertung und die Entscheidung.

Professor Hans R. Friedrich: Wissenschaft ist zu einer Art Pfadfinderin geworden
Der für die Deutsche Forschungsgemeinschaft zuständige Hochschulabteilungsleiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Ministerialdirektor Professor Hans Rainer Friedrich, der für Bundesministerin Edelgard Bulmahn das Grußwort des Bundes sprach, hob die Rolle der Wissenschaft als "Pfadfinderin" hervor, die der Gesellschaft mögliche Wege in die Zukunft mit ihren Chancen und Risiken aufzeige. Das Bekenntnis zur Freiheit von Wissenschaft und Forschung sei zugleich das Bekenntnis zu gesellschaftlicher Verantwortung, Transparenz und Diskursfähigkeit. Dies Bekenntnis verbinde sich für die Bundesregierung unmittelbar mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die als zentrale Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft auch in Zukunft unterstützt werden solle. In diesem Zusammenhang appellierte Friedrich auch an die Geisteswissenschaften und führte wörtlich aus: "Wer sonst als die Geisteswissenschaften kann uns helfen, diese neuen Fragen im Spannungsverhältnis zwischen dem technischen Fortschritt und den ethischen Grundlagen unserer Gesellschaft zu beantworten?". Dies erfordere aber auch neue Organisationsformen im Wissenschaftsmanagement, neue Förderverfahren des Staates oder der DFG. Friedrich führte weiter aus, dass gerade wegen des demographischen Wandels in unserem Lande Deutschland nicht weniger sondern mehr Investitionen in Bildung und Forschung brauche. Zwar sei der Etat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in der zu Ende gehenden Legislaturperiode um 21,5% auf 8,8 Milliarden Euro gestiegen, und damit seien erhebliche Summen vom Bund in die Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit unseres Landes investiert worden, aber wir seien noch nicht am Ziel.

Friedrich forderte für die Bundesregierung darüber hinaus eine Hochschul- und Wissenschaftslandschaft, die Kreativität so früh wie möglich fördere. Die Leistungsfähigkeit von Hochschulen sei auf Dauer nur zu sichern, wenn sie auf dem Fundament eines leistungsfähigen Schul- und Bildungssystems aufbaue. In den Hochschulen werde ein nachwuchsfreundliches Klima gebraucht und genau an dieser Stelle setze die Dienstrechtsreform an.


Behler: Unterstützung für die DFG in den kommenden Jahren sicher

Die nordrhein-westfälische Ministerin für Schule, Wissenschaft und Forschung, Gabriele Behler, die in Vertretung des verhinderten Ministerpräsidenten Wolfgang Clement das Grußwort sprach, betonte, dass Nordrhein-Westfalen sein Möglichstes tun werde, der DFG für ihre Arbeit auch in den kommenden Jahren so viel Mittel wir irgend möglich zukommen zu lassen. Trotz der angespannten Haushaltslage in Nordrhein-Westfalen flössen mehr als 10% des Landeshaushaltes inzwischen in die Wissenschaft. An nordrhein-westfälischen Hochschulen studierten 28% aller Studierenden der Bundesrepublik Deutschland.

Nordrhein-Westfalen sei darüber hinaus ein Importland für Studierende. Insgesamt 38 staatliche und 20 staatlich anerkannte private Hochschulen in Nordrhein-Westfalen bildeten eine außerordentlich dichte und leistungsfähige Infrastruktur, die von zahlreichen weiteren Einrichtungen ergänzt werde. Damit sei eine gute Voraussetzung gegeben um einen Spitzenplatz der Forschung nicht nur in der deutschen sondern auch in der internationalen Forschungslandschaft einnehmen zu können, was durch die Förderung der DFG wesentlich unterstützt werde.

Ministerin Behler dankte der Deutschen Forschungsgemeinschaft für ihre Arbeit in den vergangenen Jahren, insbesondere für ihre Rolle in der Diskussion in der Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen. Bei aller Heftigkeit der Diskussion sei es der Wissenschaft gelungen, eine differenzierte und problembewusste Sicht der Dinge zu bewahren. Die DFG habe bei dieser öffentlichen Meinungsbildung eine orientierende Rolle gespielt.

Schipanski: Akzeptanz für Wissenschaft in der Gesellschaft suchen

Die Präsidentin der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Freistaates Thüringen, Frau Professor Dr.-Ing. Dagmar Schipanski, betonte in ihrem Grußwort die Notwendigkeit, Akzeptanz für Wissenschaft in der Gesellschaft zu sichern. Dies werde gerade in Zeiten der Globalisierung und der Entwicklung zur Wissensgesellschaft immer wichtiger. Die DFG habe diese Notwendigkeit der Vermittlung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit schnell erkannt und zum Beispiel durch die Ausschreibung des Communicator-Preises und die maßgebliche Beteiligung an der Gemeinschaftsinitiative Wissenschaft im Dialog frühzeitig gehandelt.

Die Überlegungen zur Doktorandenausbildung im künftigen europäischen Hochschulraum könnten wesentlich von den Erfahrungen, die die DFG mit dieser besonderen Form der Nachwuchsförderung gemacht habe, profitieren. Bund und Länder seien sich einig, dass die Bologna-Nachfolgekonferenz in Berlin 2003 unter anderem Vorschläge für die zukünftige Doktorandenausbildung in Europa unterbreiten sollte. Schipanski begrüßte darüber hinaus ausdrücklich, dass die DFG über die Förderung von Projekten der empirischen Bildungsforschung hinaus nun die ergänzende Initiative "Forschergruppen in der empirischen Bildungsforschung" einrichten wolle. Die Kultusministerkonferenz stimme mit der DFG überein, dass die Entscheidung über die Profilbildung bei den Hochschulen liege. In den gemeinsamen Gesprächen von KMK und DFG solle nun aber nach Wegen gesucht werden, wie in Zusammenarbeit von Politik und Wissenschaft eine zeitnahe Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Schulpraxis vorstellbar werde.

Für die gastgebende Hochschule, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sprach ihr Rektor Professor Dr.-Ing. Klaus Borchard das Grußwort.

Den Festvortrag hielt der neugewählte Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin, Professor Dr. Hermann Parzinger, zum Thema "Archäologische Forschung in der sibirischen Steppe: das skythische Fürstengrab von Ar~an". Manuskripte können im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG angefordert werden.

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