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Mathematik-Weltkongress, 18.-27.8. in Berlin

21.01.1998 - (idw) Technische Universität Berlin

TU Berlin - Medieninformation Nr. 19 - 19. Januar 1998

Vorankuendigung:

"INTERNATIONAL CONGRESS OF MATHEMATICIANS" vom 18. bis zum 27. August 1998 in Berlin

Die groesste und wichtigste, alle vier Jahre veranstaltete mathe- matische Tagung weltweit, der "International Congress of Mathema- ticians" findet vom 18. bis zum 27. August 1998 in Berlin statt. + Rund 4000 Mathematiker werden erwartet. + Seit 94 Jahren findet der Kongress zum ersten Mal wieder in Deutschland statt. + Waehrend der Tagung - Vergabe der Fields-Medaillen, dem "Nobelpreis fuer Mathematik". + Umfangreiches Rahmenprogramm: mit Ausstellung "Mathematik zum Anfassen", mit "VideoMath"-Festival und einer Reihe populaer- wissenschaftlicher Veranstaltungen.

Im Maerz erstellen wir eine "Knueller-Liste" mit wichtigen (und vermittelbaren) mathematischen Themen aus den Plenarvortrae- gen. Hierfuer bitten wir, uns Ansprechpartner in Ihrer Redaktion zu nennen, damit wir Sie gezielt informieren koennen! Bitte rufen Sie die Pressestelle der TU Berlin (Dr. Kristina Zerges oder Janny Glaesmer) an, Tel.: (030) 314-22919 oder -23922; oder Fax: (030 314-23909) oder senden Sie uns eine E-Mail an: pressestelle@tu-berlin.de. Weitere Informationen zum Kongress finden Sie auch im WWW unter: http://elib.zib.de/ICM98.

Berlin wird im August fuer zehn Tage das Zentrum der mathemati- schen Welt sein. Vom 18. bis zum 27. August findet der Internatio- nale Mathematiker-Kongress statt, zu dem mehr als 4000 Forscher aus rund 100 Laendern erwartet werden. Der Kongress ist die groesste mathematische Tagung weltweit und gilt als eines der wichtigsten Ereignisse innerhalb der Mathematik: Alle vier Jahre veranstaltet, treffen sich dort die bedeutendsten Wissenschaftler, die einflussreichsten Verlage und Softwarehaeuser sowie Industrie- vertreter. Die Stationen der vergangenen Jahre waren Zuerich, Kyo- to, Berkeley und Warschau. Deutschland hat den Weltkongress das letzte Mal vor 94 Jahren in Heidelberg ausgerichtet.

Seine grosse Bedeutung erhaelt der Weltkongress durch die Verlei- hung der FIELDS-MEDAILLEN - eine Auszeichnung, die meist als "Nobelpreis fuer Mathematik" bezeichnet wird; einen eigenen Nobel- preis fuer Mathematik verleiht die Schwedische Akademie der Wis- senschaften naemlich nicht. Die Fields-Medaillen werden von der Mathematischen Union alle vier Jahre vergeben und gehen an jeweils zwei bis vier herausragende Mathematiker, die nicht aelter als 40 Jahre sind. Bei der Eroeffnungsveranstaltung am 18. August 1998 im Internationalen Congress Centrum (ICC) wird ausserdem der renom- mierte Nevanlinna-Preis vergeben, der an Wissenschaftler aus der Theoretischen Informatik geht.

Das HAUPTPROGRAMM, das an der Technischen Universitaet Berlin stattfindet, umfasst 180 Vortraege aus allen Bereichen der Mathe- matik - 21 davon sind sogenannte Plenarvortraege, zu denen die zur Zeit angesehensten Wissenschaftler eingeladen werden. Hier wird ueber die Fortschritte und Trends der letzten Jahre diskutiert und neue Probleme aufgeworfen. Die Auswahl der Vortragenden nimmt ein Programmkomitee vor, das von der Internationalen Mathematischen Union bestimmt wird und deren Zusammensetzung nicht oeffentlich bekannt ist.

Von oeffentlichem Interesse wird sicherlich der PLENARVORTRAG VON PETER W. SHOR von den AT&T Labs sein, der ueber die neuesten Ent- wicklungen in der Informatik berichten wird. Shor entwickelte vor wenigen Jahren ein Verfahren zur schnellen Faktorisierung grosser Zahlen auf Quantencomputern. Zwar steht die Entwicklung dieser neuen, die physikalische Quantentheorie ausnutzenden Generation von Computern noch am Anfang. Gaebe es aber Prototypen, liessen sich mit ihnen und Shors Ideen die mit heutigen Verfahren ver- schluesselten Daten aeusserst schnell lesbar machen. Ein neues Ka- pitel der elektronischen Datenverarbeitung wuerde eingeleitet. Pe- ter Shor gilt durch seine bahnbrechende Arbeit als aussichtsrei- cher Kandidat fuer den Nevanlinna-Preis.

Das wissenschaftliche Programm des Kongresses wird durch eine REIHE POPULAERWISSENSCHAFTLICHER VERANSTALTUNGEN ergaenzt, In der Berliner Urania ist die Ausstellung "Mathematik zum Anfassen" zu sehen, die wichtige Resultate der Mathematik anhand von Modellen, Grafiken und erklaerenden Texten auch dem Laien naeher bringt. Das FESTIVAL "VIDEOMATH" ist mathematischen Filmen aus aller Welt ge- widmet, die mit aufwendigen Computersimulationen die abstrakte Wissenschaft anschaulich und optisch reizvoll praesentieren.

Der Hoehepunkt des Rahmenprogramms wird der VORTRAG DES BRITISCHEN MATHEMATIKERS ANDREW WILES sein, der am 19. August 1998 ueber die Entwicklung der Zahlentheorie der letzten 20 Jahre berichten wird. Wiles, der an der Elite-Universitaet Princeton lehrt, wurde welt- bekannt, als er 1995 das sogenannte "Fermatsche Theorem" bewies - eine mathematische Aussage, die auch fuer die groessten Denker so schwer war, dass sie ueber 390 Jahre ungeloest blieb. Wiles Votrag wird wegen des zu erwartenden Publikumsandrangs nicht in der Ura- nia stattfinden, sondern in dem 1200 Plaetze zaehlenden Audimax der Technischen Universitaet Berlin.

Der diesjaehrige Internationale Mathematiker-Kongress ist fuer die deutschen Mathematiker EIN EREIGNIS ERSTEN RANGES. Nach dem zwei- ten Weltkrieg bewarben sie sich dreimal vergeblich darum, den Weltkongress ausrichten zu duerfen. 1994 schliesslich votierte die Generalversammlung der Internationalem Mathematischen Union ein- stimmig fuer Berlin - das Wahlverfahren gleicht dem der Vergabe der Olympischen Spiele. Bereits vor drei Jahren begann das 24koepfige Organisationskomitee mit den Vorbereitungen fuer den anstehenden Kongress. Praesident des Komitees ist Martin Groet- schel, Professor fuer Mathematik an der Technischen Universitaet Berlin und Vizepraesident des Konrad-Zuse-Zentrum fuer Informati- onstechnik Berlin (ZIB). Ehrenpraesident ist Friedrich Hirzebruch, frueher Direktor am Max-Planck-Institut fuer Mathematik in Bonn. Vizepraesident ist Prof. Martin Aigner von der Freien Universitaet Berlin, der auch fuer die OEffentlichkeitsarbeit des Kongresses verantwortlich zeichnet.

Die Geschichte des Weltkongresses ist eng mit der Entwicklung der Mathematik in Deutschland verbunden. Der erste Internationale Ma- thematiker-Kongress fand 1897 in Zuerich statt. Zu seinem Zustan- dekommen haben zwei deutsche Mathematiker beigetragen: Felix Klein, damals der fuehrende Geometer und Gruender der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, sowie Georg Cantor, der Begruender der Mengenlehre. Ein anderer deutscher Mathematiker hat den zweiten Weltkongress 1900 in Paris zu einem historischen Ereignis werden lassen: David Hilbert, der bereits von seinen Zeitgenossen als der groesste Mathematiker seiner Zeit bezeichnet wurde. Hilbert stell- te damals ein Liste von 23 Problemen vor, die er seinen Mathemati- ker-Kollegen zur Loesung aufgab. Die Probleme gingen als die Hil- bertschen Probleme in die Geschichte der Mathematik ein und praeg- ten nachhaltig deren Entwicklung im 20. Jahrhundert.

PROF. DR. MARTIN GROETSCHEL, PRAESIDENT DES ORGANISATIONS- KOMITEES, ZUM WELTKONGRESS: "Wir sehen es als eine ausserordentlich wichtige Aufgabe an, einen Internationalen Kongress zu organisieren, der an Attraktivitaet und Qualitaet den vorangegangenen Kongressen gleichkommt, wenn nicht uebertrifft. Doch wir wollen nicht nur den Wissenschaftlern ein ausgezeichnetes Forum bieten; der Kongress soll auch auf die OEffentlichkeit ausstrahlen. Er soll die Mathe- matik in ihren vielfaeltigen Facetten praesentieren, ihre Verbin- dungen beispielsweise mit Kunst und Musik vermitteln und ihren An- wendungsreichtum aufzeigen. Deshalb liegen uns die Ausstellungen, die Konzerte, das VideoMath-Festival und die Vortraege in der Ber- liner Urania besonders am Herzen."

Text: Vasco Alexander Schmidt, Deutsche Mathematiker-Vereinigung

Weitere Informationen erteilen Ihnen Prof. Dr. Martin Groetschel, Fachbereich Mathematik der TU Berlin und Vizepraesident Konrad- Zuse-Zentrum fuer Informationstechnik Berlin (ZIB). Tel.: (030) 314-23266 oder -23354 oder 84185-210, E-Mail: groetschel@zib.de; sowie Prof. Dr. Martin Aigner, Oeffentlichkeitsarbeit zum Kongress, Tel.: (030) 838-75443, E-Mail: aigner@math.fu-berlin.de.


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