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Software für ESA-Weltraum-Mission

04.12.1997 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

FSU-Mediendienst

Jenaer Astrophysiker schreiben Software fuer neue ESA-Mission: FIRST soll in galaktische Kinderstuben spaehen

Jena. (4.12.) An einem Forschungsprojekt der Europaeischen Weltraumbehoerde ESA arbeiten die Astrophysiker der Universitaet Jena um Prof. Dr Thomas Henning und Dr. Wolfgang Schmitt mit. Sie entwickeln die Software fuer eine neuartige Infrarotkamera, die als Bestandteil eines Weltraumteleskops nach der Jahrtausendwende mit der Ariane 5 im Orbit ausgesetzt werden und die Kinderstuben von jungen Sternen und Galaxien ausspaehen soll.

Von dieser spektakulaeren FIRST-Mission (Far Infrared and Submillimetre Telescope) versprechen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse ueber die Entstehung von Galaxien im fruehen Universum und die Geburt von Sternen- und Planetensystemen sowie die Kometen- und Planetenatmosphaerenphysik. Die Jenaer Gruppe betreut innerhalb der FIRST-Mission ein Teilprojekt aus dem FIRGA-Programm (Far Infrared Gallium Arsenide Array), das unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts fuer extraterrestrische Physik in Garching sowie weiterer internationaler Firmen und Forschungseinrichtungen ein Detektorsystem fuer astronomische Beobachtungen der fernen Infrarotstrahlungen im Weltall entwickelt. Die Verwendung von Gallium-Arsenid-Halbleitern fuer diese Art von Infrarotkameras stellt dabei eine voellig neue Technik dar, deren physikalische Grundlagen zur Zeit noch erforscht werden. Fuer dieses Gallium-Arsenid-Array schreiben die Jenaer Astrophysiker eine spezielle Software.

Das projektierte Observatorium im All sieht einen Satelliten vor, auf dem ein Cassegrain-Teleskop mit drei Metern Durchmesser stationiert ist, so dass voraussichtlich viereinhalb Jahre lang - ungehindert von Wolken und Erdatmosphaere - in den Weltraum gespaeht werden kann. Die Infrarotstrahlung, die das Teleskop auffaengt, entschluesselt das Array so, dass die Daten digital zur Erde gefunkt werden koennen. Der Detektor besteht nicht aus einem einzelnen Photohalbleiter, sondern aus einem schachbrettartig aufgebauten System mit bis zu 1024 Photo-Halbleiterelementen.

Bei den spektroskopischen und photometrischen Messungen kommt es den Wissenschaftlern insbesondere auf den Wellenbereich hoeher als 200 Mikrometern, also den fernen infraroten Bereich, an. Aufgabe der Jenaer Software ist es dann, die Funktionsweise des Detektors zu testen, die Messdaten zu analysieren und bildlich umzusetzen. Eine Testversion der Software wird bereits an einem Prototypen des neuen Arrays in Garching erprobt. "Wenn alles gutgeht, werden wir am Ende etwas genauer darueber Bescheid wissen, wie Sterne und Galaxien entstehen - und eventuell auch, darueber, wie unsere Erde entstanden ist", beschreibt Dr. Wolfgang Schmitt die Ziele der FIRST-Mission.

Derzeit geht man davon aus, dass sich aus interstel-laren Gaswolken durch Verdichtung Protosterne entwickeln, deren umgebende Staubscheiben die "Keimzellen" fuer Planeten bilden. Nach diesem Modell koennte auch vor Jahrmillionen unser Sonnensystem entstanden sein. War die Erde einst "Brocken" in einer solchen Staubscheibe? - Nach FIRST wissen wir mehr.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Thomas Henning, Tel. 03641/947530 Dr. Wolfgang Schmitt, Tel. 03641/947518

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