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Grundsteinlegung für Fusionsexperiment Wendelstein 7-X in Greifswald

22.06.1997 - (idw) Max-Planck-Institut für Plasmaphysik

20.6.97

Grundsteinlegung fuer IPP-Teilinstitut Greifswald

Am 19. Juni 1997 wurde der Grundstein fuer die neuen Gebaeude des Greifswalder Teilinstituts des Max-Planck-Instituts fuer Plasmaphysik (IPP) in Garching gelegt. Im Beisein des Ministerpraesidenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Berndt Seite, der Kultusministerin Frau Regine Marquardt, und des Staatssekretaers beim Bundesforschungsminister, Bernd Neumann, sowie Vertretern der Europaeischen Union, der Hansestadt Greifswald und Universitaet Greifswald wurde damit das Startzeichen fuer den Bau der Institutsgebaeude gegeben. Das Teilinstitut Greifswald soll Standort der Fusionsanlage WENDELSTEIN 7-X werden. Ziel der Fusionsforschung ist es, ein Kraftwerk zu entwickeln, das - aehnlich wie die Sonne - Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen gewinnt. Hier ist WENDELSTEIN 7-X ein Schluesselexperiment: Mit Hilfe eines Modellplasmas soll die Anlage untersuchen, ob Fusionsanlagen vom Typ Stellarator in besonderem Masse zum Bau eines Kraftwerks geeignet sind.

Das IPP-Teilinstitut Greifswald wird spaeter rund 300 Mitarbeiter beschaeftigen; in vorlaeufig gemieteten Bueroraeumen in Greifswald arbeiten mittlerweile 20 Personen. Sie gehoeren hauptsaechlich zum Bereich "Stellaratortheorie", der - anders als zwei experimentelle Bereiche, die spaeter eingerichtet werden - ohne Laborausruestung und Experimentiergeraete arbeitet. Einzig noetig ist eine schnelle Datenverbindung zu den Grossrechnern im Garchinger Rechenzentrum. Zusammen mit den vorerst noch in Garching und Berlin stationierten Mitarbeitern, zu denen auch Erfahrungstraeger aus dem vorangegangenen Stellaratorprojekt zaehlen, sind inzwischen 45 Stellen des Projektes besetzt, darunter 11 neu eingestellte Mitarbeiter aus Mecklenburg-Vorpommern. Zusaetzlich ist auf indirekte Weise, durch Auftraege des Instituts an kleinere und mittelstaendische Firmen in der Region, die Entstehung neuer Arbeitsplaetze zu erwarten. Bei allen bisher fuer die Erschliessung des Baugelaendes erteilten Auftraegen - fuer Strassenbau, Erdarbeiten, Kabelverlegung, Zaunsetzung usw. - haben regionale Firmen die Auschreibungen gewonnen. Bereits seit dem vergangenen Wintersemester hat mit der Vorlesung eines IPP-Wissenschaftlers an der Ernst-Moritz-Arndt-Universitaet die Kooperation mit dem Fachbereich Physik der Universitaet Greifswald begonnen.

Das gesamte Investitionsprogramm (Experiment, Diagnostik, Gebaeude) belaeuft sich auf beinahe 600 Millionen DM. Hierzu stellt das Land Mecklenburg-Vorpommern allein rund 120 Millio-nen DM fuer die noetige Infrastruktur bereit. Von den verbleibenden etwa 480 Millionen DM traegt die Europaeische Union im Rahmen des Europaeischen Fusionsprogrammes etwa ein Drittel (fuer das eigentliche WENDELSTEIN 7-X Experiment sogar 45 Prozent). Die restlichen zwei Drittel finanzieren der Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern im Verhaeltnis 90:10.

Fusionsforschung mit WENDELSTEIN 7-X Ziel der Fusionsforschung ist es, die Energieproduktion der Sonne auf der Erde nachzuvollziehen: Da die fuer den Fusionsprozess noetigen Grundstoffe in nahezu unbegrenzter Menge vorhanden und ueber die ganze Welt verteilt sind und ein Fusionskraftwerk guenstige Sicherheits- und Umwelteigenschaften bietet, koennte die Kernfusion einen groesseren Beitrag zur Energieversorgung der Zukunft leisten. Brennstoff der Fusion ist ein duennes ionisiertes Gas, ein "Plasma" aus den Wasserstoffsorten Deuterium und Tritium. Zum Zuenden des Fusionsfeuers muss es gelingen, das Plasma waermeisoliert in Magnetfeldern einzuschliessen und auf Temperaturen ueber 100 Millionen Grad aufzuheizen.

Das Experiment WENDELSTEIN 7-X hat die Aufgabe, ein besonderes Bauprinzip fuer den Magnetfeldkaefig zu testen. Kernstueck des Experimentes ist das Spulensystem aus 50 speziell geformten, supraleitenden Magnetspulen. Mit ihrer Hilfe soll WENDELSTEIN 7-X die wesentliche Eigenschaft einer Fusionsanlage vom Typ Stellarator demonstrieren, den Dauerbetrieb. Der erzeugte Magnetfeldkaefig soll ein Plasma einschliessen, das mit Temperaturen bis 50 Millionen Grad ueberzeugende Schluesse auf die Kraftwerkseigenschaften der Stellaratoren ermoeglicht, ohne ein bereits energielieferndes Fusionsplasma herzustellen. Die Anlage wird daher auch ohne den radioaktiven Brennstoffbestandteil Tritium experimentieren. Hierfuer sind nur wesentlich groessere Anlagen geeignet. Informationen ueber das Verhalten eines brennenden Plasmas sollen insbesondere von dem in weltweiter Zusammenarbeit geplanten Internationalen Thermonuklearen Experimentalreaktor ITER gewonnen werden.

Kurzinformationen zu WENDELSTEIN 7-X:

Grosser Plasmaradius 5,5 Meter Mittlerer kleiner Plasmaradius 0,53 Meter Plasmavolumen 30 Kubikmeter Plasmamasse 0,005 bis 0,03 Gramm Entladungsdauer bis 30 Sekunden, Dauerbetrieb mit ECRH Neubau Experimentierhalle sowie Labore, Werkstaetten, Bueros und wissenschaftliche Arbeitsplaetze Bauzeit fuer die Gebaeude 1997 - 2000 Betriebswerkstaetten Mechanik, Elektrik, Elektronik Experimentierbeginn ca. 2004 Mitarbeiter rund 300


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