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Globalisierung als Ultimatum-Spiel

17.12.1997 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

125 Jahre Staatswissenschaftliches Seminar zu Halle an der Saale

Exemplarisch fuer die Themenvielfalt der Veranstaltung seien die Vortraege und Korreferate zu ,Globalisierung, Verhaltensnormen und wirtschaftlichem Wohlstand" (Prof. Dr. Alois Wenig, Halle, und Prof. Dr. Gerhard Schwoediauer, Magdeburg) und ueber ,Normen in Verhandlungsexperimenten" (Prof. Dr. Dr. Marlies Klemisch-Ahlert, Halle, und Prof. Dr. Joachim Weimann, Magdeburg) genannt. Es koenne konstatiert werden, dass heutzutage nicht nur das Reisen einfacher geworden sei, sondern auch Informationswege, Waren- und Geldstroeme ohne Zeitverzug die entlegensten Orte der Welt verbinden. Deshalb seien, vor allem im Hinblick auf Allokation und Verteilung, die Spielregeln wichtig. Dabei bliebe es sekundaer, ob diese kodifiziert sind oder nicht. Viel wichtiger sei es, ob sie eingehalten werden. Das werde z. B. deutlich am Durchbrechen scheinbar unumgaenglicher Budgetrestriktionen oder an Akzeptanz/Ignoranz gegenueber sozialen Signalen. Man kann Regeln oft nur durch Regelverstoesse aendern. Das erfordert Mut zum Risiko und die Faehigkeit, Erfolgschancen richtig einzuschaetzen. Auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft haengen diese ausserdem wesentlich von der eigenen Spezialisierung ab. Wer Risiken scheut, nur Standard zu bieten hat und sich gegen alle Unwaegbarkeiten der Zukunft versichern will, wird schnell auf der Verliererseite sein. Ein nur scheinbar anderes Problem: spieltheoretische Modelle und oekonomisches Kalkuel beim ,Ultimatum-Spiel". Dabei reichen monetaere Anreize allein nicht aus, das Verhalten der Spieler zu erklaeren. Psychologie, Alter, Erfahrung und Geschlecht, doch ebenso ihr soziales und kulturelles Umfeld sind von Belang. Interessant ist der Einfluss der Hoehe des zu erwartenden Auszahlungsbetrages auf das Spielergebnis. Je hoeher die Auszahlung sein wuerde, um so naeher kommen die Spieler einer spieltheoretisch logischen Loesung. Und das ist die Verbindung zur wirtschaftlichen Praxis: Auch bei Verhandlungen ueber Loehne und Gehaelter, Materialpreise, Lieferbedingungen, Firmenzusammenschluesse und unzaehlige andere Details des oekonomischen Alltags wird letzendlich dieses Spiel gespielt: wer wen, auf wessen Kosten und zu welchem Preis?

Die Wurzeln des Staatsrechtlichen Seminars reichen bis in das Jahr 1727. In Halle (Peter Simon Gasser) und Frankfurt (Oder) gab es Lehrstuehle fuer ,Cameralia Oeconomica" und ,Policeywissenschaft", deren vornehmste Aufgabe in der Ausbildung von ,Staatsdienern" bestand. 1872 loeste Johannes Conrad aus Jena Gustav Schmoller in Halle ab, der hier schon 1865 einen Lehrstuhl fuer Staatwissenschaften und den ,Verein fuer Sozialpolitik" begruendet hatte. Die zunehmende Bedeutung der Wirtschaftswissenschaften fuer die mitteldeutsche Region stand in unmittelbarem Zusammenhang mit Zuckerruebenanbau und -verarbeitung, Braunkohleabbau und Entwicklung des Maschinenbaus. Halle wuchs und wandelte sich im 19. Jahrhundert von der Schulstadt zur Industriemetropole. In der gleichen Traditionslinie stand 1911 die Gruendung des Instituts fuer Genossenschaftswesen. Dieses Institut koennte, das deutete der Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultaet an, eventuell gemeinsam mit der Landwirtschaftlichen Fakultaet wiederbelebt werden.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Gunter Steinmann, Institut fuer Volkswirtschaftslehre und Bevoelkerungsoekonomie, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultaet der Martin-Luther-Universitaet Halle-Wittenberg, Tel.:(0345) 552 33 20 e-mail: STEINMANN@mluwiws4.wiwi.uni-halle.de

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