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FDG-PET bei malignen Lymphomen

16.12.1997 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin

FDG-PET macht die Therapiekontrolle bei malignen Lymphomen zuverlaessiger

Hans-Creutzig-Preis fuer Dr. Uwe Cremerius, Aachen

Fuer eine Arbeit ueber die "klinische Wertigkeit der Positronen-Emissions-Tomographie mit 18-Fluor-Deoxyglukose (FDG-PET, siehe Anhang 1) zur Therapiekontrolle bei malignen Lymphomen³ ist kuerzlich Dr. Uwe Cremerius (Klinik fuer Nuklearmedizin des Universitaetsklinikums der RWTH Aachen, Arbeitsgruppe Prof. Dr. Udalrich Buell) mit dem Hans-Creutzig-Preis 1997 (siehe Anhang 2) ausgezeichnet worden. Der Nuklearmediziner konnte mit dieser Arbeit nachweisen, dass die FDG-PET bei der Diagnose von Resttumoren (Rezidiven) nach einer Chemo- oder Radiotherapie anderen bildgebenden Verfahren eindeutig ueberlegen ist.

Die Prognosen fuer die Therapie von malignen Lymphomen sind in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden. Bei Morbus Hodgkin liegt die sogenannte 5-Jahres-Ueberlebensrate inzwischen bei bis zu 90 Prozent. Neben dem Stadium der Erkrankung und verschiedenen Risikofaktoren spielt dabei auch die weitere Kontrolle nach Therapieabschluss eine entscheidende Rolle.

Restbefunde, die sich mit Hilfe von morphologisch orientierten, bildgebenden Verfahren wie Roentgen-Computertomographie (Roentgen-CT), Kernspintomographie (MRT) oder Sonographie sichtbar machen lassen, entsprechen jedoch keinesfalls immer einer nach der Therapie "zurueckgebliebenen³ Tumoraktivitaet: Bei bis zu 64 Prozent der Morbus-Hodgkin-Patienten ist ein solcher Restbefund zu sehen und nur bei rund 19 Prozent handelt es sich dabei tatsaechlich um ein Rezidiv (noch vitales Tumorgewebe). Bei mehr als zwei Dritteln der "suspekten Faelle³ waere eine weitere, mit erheblichen Nebenwirkungen und Kosten verbundene Therapie nicht notwendig.

Die FDG-PET kann, wie die Ergebnisse von Dr. Cremerius zeigen, die fuer die Differenzierung zwischen aktiven Tumorresten und nekrotischem, also vollstaendig abgestorbenem, benoetigten Zusatzinformationen liefern. Denn mit Hilfe dieses, in der klinischen Anwendung relativ neuen Untersuchungsverfahrens kann nicht nur wie mit konventionellen, radiologischen Verfahren die Struktur des suspekten Gewebes, sondern in erster Linie seine Stoffwechselaktivitaet sichtbar gemacht werden. Da diese bei Tumorzellen deutlich erhoeht ist, reichern sie verstaerkt die dem Patienten vorab in geringer Menge injizierte, mit einem Positronenstrahler markierte Glukose (FDG) an. Ein etwaiger Resttumor hebt sich daher im PET-Bild deutlich vom umliegenden Gewebe ab.

Entscheidend ist bei den Ergebnissen von Dr. Cremerius, dass sich ­ nach der Optimierung der PET-Methodik ­ in einem Untersuchungszeitraum von vier Jahren nicht ein einziger von 24 negativen FDG-PET-Befunden als falsch herausgestellt hat. In keinem Fall konnte innerhalb der naechsten sechs Monate ein Rezidiv nachgewiesen werden. Auf eine weitere Therapie koennte demnach verzichtet werden, wenn die FDG-PET keine Tumoraktivitaet im suspekten Gewebe zeigt.

Als weniger eindeutig haben sich positive FDG-PET-Befunde erwiesen. In sechs von 27 Faellen handelte es sich beim suspekten Gewebe nicht um ein Rezidiv, obwohl die FDG-PET eine erhoehte Stoffwechselaktivitaet zeigte. Solche falsch positiven Ergebnisse koennen beispielsweise durch Entzuendungen oder starke Muskelanspannung hervorgerufene werden, die ebenfalls zu einer erhoehten Stoffwechselaktivitaet fuehren. Bei einem solchen Befund kann eine Vergleich mit anderen, bildgebenden Verfahren wie CT oder MRT oder eine Gewebeprobe der in der FDG-PET suspekten Region endgueltige Klarheit schaffen.

Alles in allem zeigen die Ergebnisse von Dr. Cremerius, dass die FDG-PET gut geeignet ist, bei Lymphom-Patienten nach Therapie Rezidive rechtzeitig zu entdecken beziehungsweise auszuschliessen. Hierbei ist sie der Roentgen-CT deutlich ueberlegen. Insbesondere beim Nachweis einer kompletten Rueckbildung der Lymphomerkrankung ist die FDG-PET sehr zuverlaessig.

Weitere Informationen:

Dr. Uwe Cremerius, Klinik fuer Nuklearmedizin der Med. Fakultaet der RWTH Aachen, Pauwelsstrasse, 52057 Aachen Tel. 0241/8088742 Fax 0241/8888424

oder

Heike Jordan, Pressereferentin DGN/BDN Im Hassel 40, 37077 Goettingen Tel. 0551/376447 Fax 0551/376453

Fuer die Zusendung eines Belegexemplars oder einen Veroeffentlichungshinweis waeren wir sehr dankbar.

Anhang 1:

Positronen-Emissions-Tomographie mit 18-Fluor-Deoxyglukose (FDG-PET)

Bei der Positronen-Emissions-Tomographie mit 18-Fluor-Deoxyglukose (FDG-PET) werden dem Patienten geringe Mengen eines mit einem Positronenstrahler markierten Glukosemolekuels (FDG) injiziert, dessen Verteilung im Koerper mit speziellen PET-Kameras aufgezeichnet werden kann. Da FDG praktisch auf die gleiche Weise vom Koerper aufgenommen wird wie "normale³ Glukose (Traubenzucker), gibt seine unterschiedliche Anreicherung in verschiedenen Geweben Aufschluss ueber deren Stoffwechselaktivität.

In der Krebsdiagnostik macht man sich dabei zunutze, dass Tumorzellen in der Regel erheblich mehr Glukose umsetzen, als gesunde Zellen. Als Folge reichert sich FDG gerade im entarteten Gewebe stark an, so daSS sich der Tumor im späteren PET-Bild gut sichtbar von seiner Umgebung abhebt. Da diese erhoehte Stoffwechselaktivität ein typisches Merkmal von Krebszellen darstellt, ist es in einigen Fällen mit Hilfe der FDG-PET moeglich, Tumoren zu identifizieren, die beispielsweise in der Roentgen-CT aufgrund ihrer noch zu geringen Groesse nicht erkannt werden.

Diese "funktionellen³ Informationen haben auch bei der Therapiekontrolle entscheidende Vorteile gegenueber rein morphologischen Informationen, wie sie etwa Roentgen-CT, Kernspintomographie (MRT) oder Sonographie liefern. Wird bei einer Krebserkrankung eine Chemo- oder Radiotherapie durchgefuehrt, so nimmt in der Regel die pathologisch erhoehte Stoffwechselaktivität im erkrankten Gewebe ab, bevor sich auch das Tumorvolumen sichtbar verringert. Dadurch ist es bereits in einem frueheren Stadium der Therapie moeglich, ihren Erfolg zu ueberpruefen (und im negativen Fall die Therapie umzustellen).

Diese Kontrollmoeglichkeit spielt aber auch nach Abschluss einer Chemo- oder Radiotherapie eine wichtige Rolle. Beispielsweise beim malignen Lymphom bleibt häufig eine Gewebeanormalität im Bereich des ehemaligen Tumors sichtbar (etwa im Roentgen-CT oder MRT), bei der es sich jedoch nicht notwendigerweise um ein Rezidiv, also um Krebsgewebe, handeln muss. Wichtig fuer die Entscheidung, ob sich eine weitere Therapie anschliessen muss oder nicht, ist wiederum die Untersuchung der Stoffwechselaktivität des suspekten Gewebes.

Und nach Operationen ermoeglicht die FDG-PET auf diese Weise die Unterscheidung zwischen harmlosen Narbengewebe (niedrige Stoffwechselaktivität) und einer Tumorneubildung.

Ein weiterer Vorteil der PET ist, dass sie aufgrund der aeusserst geringen Mengen an Positronenstrahlern pro Untersuchung (nicht zu verwechseln mit Kontrastmitteln, die ja in hohen Dosen verabreicht werden muessen) ein praktisch nebenwirkungsfreies Diagnoseverfahren mit einer im Vergleich zur Roentgen-CT geringeren bis vergleichbaren Strahlenexposition darstellt.

Der Hans-Creutzig-Preis (Anhang 2)

Hans Creutzig, Ordinarius fuer Nuklearmedizin in Essen, verstarb 1987 im Alter von nur 42 Jahren an Krebs. Seither wird ihm zu Ehren auf jeder Jahrestagung der Rheinisch-Westfaelischen Gesellschaft fuer Nuklearmedizin der mit 5000 Mark dotierte Hans-Creutzig Preis an einen Nachwuchswissenschaftler verliehen, der sich mit einer aktuellen Arbeit um neue nuklearmedizinische Verfahren und Ansaetze in der onkologischen Diagnostik verdient gemacht hat. Das Preisgeld wird von der Firma CIS Diagnostik GmbH zur Verfuegung gestellt.


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