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Helicobacter pylori

28.11.1997 - (idw) Universität Ulm

28.11.1997

Helicobacter pylori besiedelt die Haelfte der Weltbevoelkerung Forschungspreis fuer weltweit groesste Helicobacter-pylori-Studie

Seit australische Forscher ihm 1983 im menschlichen Magen begegneten, hat Helicobacter pylori "weite Bereiche der Medizin geradezu revolutioniert" urteilt Prof. Dr. Hermann Brenner, Leiter der Abteilung Epidemiologie der Universitaet Ulm, gemeinsam mit Dr. Dietrich Rothenbacher (Abteilung Epidemiologie), PD Dr. Guenter Bode (Abteilung Innere Medizin I) und Prof. Dr. Guido Adler (AErztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin I) am 13. November 1997 von der Deutschen Gesellschaft fuer paediatrische Infektiologie mit deren Forschungspreis 1997 ausgezeichnet. Praemiiert wurde damit eine Studie, die zur Epidemiologie dieses Bakteriums wichtige, teilweise ueberraschende Erkenntnisse beigetragen hat.

H. pylori haust im Magen, der bis zu des Bakteriums Entdeckung als keimfrei galt. Zudem entpuppte es sich im Zuge der forschenden Ermittlungen als wichtigste Ursache von Magen- und Zwoelffingerdarmgeschwueren mit Option auf Beteiligung an der Genese von Magenkrebs. Auch hat es Einfluss auf weitere chronische Erkrankungen, unter anderem des Herz-Kreislauf-Systems.

Im Kindessalter erworben

Mehr als die Haelfte der Weltbevoelkerung, schaetzen die Epidemiologen, ist mit H. pylori infiziert, wobei die Erkrankungsraten im internationalen Vergleich stark divergieren. Vieles spricht dafuer, dass die Infektion ueberwiegend im Kindesalter erworben wird. Was die Verbreitung des Magenkeims in Deutschland betrifft, so lagen kaum gesicherte Daten vor, bis Brenner und Kollegen 1996 in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Ulm die weltweit bislang groesste Studie zu Verbreitung, Risikofaktoren, UEbertragungswegen und klinischen Folgen der Helicobacter-pylori-Infektion im Kindesalter auflegten - als Teil eines umfassenden Untersuchungsprogramms zur Verbreitung der Infektion in verschiedenen Bevoelkerungsgruppen.

Rund 80 Prozent aller Ulmer Neu-Erstklaessler (945 von 1201) wurden im Rahmen der Einschulungsuntersuchungen per Atemprobe auf H. pylori getestet. Ergaenzend beantworteten die Eltern einen standardisierten Fragebogen zu moeglichen Risikofaktoren und Infektionsquellen. Die - vollstaendig anonymisierte - Auswertung der Daten erfolgte an der Universitaet Ulm. Knapp eins unter sieben Vorschulkindern (13,4%) ist der Ulmer Studie zufolge Keimtraeger - bei erheblichen Differenzen je nach Geburtsland und Nationalitaet. Kinder, die bereits eine Antibiotika-Behandlung hinter sich hatten (z.B. wegen Mittelohrentzuendung oder anderen bakteriellen Infekten), erwiesen sich signifikant seltener als H.-pylori-positiv. Beschwerden bereitet das Bakterium im Kindesalter offenkundig nicht, im Gegenteil: mit Helicobacter infizierte Kinder klagten seltener ueber Bauchschmerzen, Durchfall oder Erbrechen als nichtinfizierte.

Vor allem die Mutter

Koenigsweg der Helicobacter-Verbreitung scheint die UEbertragung innerhalb der Familie, insbesondere von der Mutter auf das Kind, zu sein - ein Resultat, das sich mittlerweile in einer Folgestudie eindrucksvoll bestaetigte. So waren Kinder von Muettern, die an einem Magen- oder Zwoelffingerdarmgeschwuer litten (und bei denen nach derzeitigem Kenntnisstand fast immer eine H.-pylori-Infektion vorliegt), fast zwoelfmal haeufiger infiziert als andere. Haustiere dagegen tragen, entgegen verbreiteter, in der Literatur haeufig begegnender Vermutung, zur Ausbreitung des Keims zumindest hierzulande offenbar nicht bei. Auch auf ein erhoehtes Ansteckungsrisiko im Kinderhort oder Kindergarten ergaben sich keine Hinweise.

Den Erfolg ihrer aufschlussreichen Studie, betonen die preisgekroenten Forscher, schulden sie wesentlich der ausgezeichneten Kooperation des Gesundheitsamtes Ulm und der aktiven Mitwirkungsbereitschaft der Ulmer Vorschulkinder und ihrer Eltern.


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