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Sport als Therapie

07.05.1997 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

upm-Pressemitteilung der Universitaet Muenster 129/97 - 07. Mai 1997

Sport als Therapie

Neuer Direktor des Instituts fuer Sportmedizin

Wenn man ihn reden hoert, meldet sich unweigerlich das Gewissen, und man schwoert, endlich die Jogginghose wieder hervorzukramen. Es sei denn, man gehoert bereits zu dem Zehntel der erwachsenen Bevoelkerung, die nach den Worten von Prof. Dr. Klaus Voelker mehr al szweimal in der Woche mindestens eine halbe Stunde Sport treiben. Der neue Direktor des Instituts fuer Sportmedizin der Universitaet Muenster warnt die grosse Mehrheit der koerperlich traegen Zeitgenossen mit Nachdruck vor allzu grossem Bewegungsmangel, dessen Folgen von Rueckenproblemen bis zu Stoerungen von Zucker- oder Fettstoffwechsel reichen koennen.

Die Auseinandersetzung mit dem Stellenwert koerperlicher Bewegung im Rahmen der Praevention gesundheitlicher Schaeden, aber insbesondere der Therapie bestimmter Erkrankungen, wie beispielsweise Bluthochdruck und (Alters-)Diabetes, stehen im Zentrum seines wissenschaftlichen Interesses. In nur 100 Jahren habe sich, so Voelker, ein drastischer Wandel vollzogen: Der Mensch, von seiner Konstruktion her ein "Bewegungswesen mit nervaler Steuerung", habe sich zu einem "Kopfwesen mit koerperlichem Anhang" entwickelt - mit den bekannten Folgen: "Viele Zivilisationskrankheiten sind mit Bewegungsmangel induziert", betont der 48jaehrige Sportmediziner, der vor seinem Wechsel nach Muenster zunaechst an der Sporthochschule Koeln und in den letzten fuenfeinhalb Jahren an der Universitaet Dortmund taetig war.

Als Richtwert nennt er 2000 bis 3000 Kilokalorien, die moeglichst pro Woche durch koerperliche Aktivitaet verbrannt werden sollten. Das Wie spiele dabei im Rahmen der Primaerpraevention keine grosse Rolle. Erreicht werden koennte dieser Sollwert etwa zur Haelfte durch zwei- bis dreimalige gezielte sportliche Aktivitaet von jeweils 30 bis 40 Minuten, und zum Rest durch Aktivitaet im Alltag - also zum Beispiel das Auto stehen lassen und mit dem Rad zur Arbeit fahren, um den Fahrstuhl einen grossen Bogen machen und die Treppe zum Buero im dritten Geschoss zu Fuss erklimmen. Hinsichtlich von Nutzen und Schaden bestimmter Sportarten moechte sich Prof. Voelker nicht festlegen. Wenngleich Ausdauersportarten wie Joggen und Schwimmen unbestritten generell besonders guenstige Effekte haetten, so sei letztlich aber auch die Freude an der einen oder anderen sportlichen Betaetigung nicht zu vernachlaessigen. Also besser mit Begeisterung Volleyball spielen als aus reiner Vernunft verdrossen durch den Wald joggen!

Ausgesprochen positiv auswirken kann sich koerperliche Bewegung aber nicht nur bei der Vorbeugung, sondern auch bei der Behandlung von Krankheiten. Sport kann hier zur wichtigen Medizin werden - vorausgesetzt sie wird richtig indiziert und dosiert. Richtig eingesetzte Bewegung koenne durchaus aehnliche Mechanismen ausloesen wie bestimmte Medikamente, also etwa die im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen so wichtigen Blutdruck- oder Fettwerte senken oder die Insulinrezeptoren bei Zuckerkranken positiv beeinflussen. Auf diese Weise koennte die Verordnung einschlaegiger Arzneimittel reduziert oder in manchen Faellen vielleicht sogar vermieden werden.

Neben bestimmten Stoffwechselprozessen und Herz-Kreislauf- Faktoren kann, wie Prof. Voelker betont, auch das Immunsystem durch Bewegung gestaerkt werden. Um dieser Wechselbeziehung naeher auf die Spur zu kommen, will der neue Institutsdirektor das bisherige sportmedizinische Spektrum in Muenster um einen immunologischen Schwerpunkt ergaenzen. So will er in Kuerze ein kleines immunologisches Labor einrichten, wo er die Auswirkungen bestimmter Bewegungsformen auf das Abwehrsystem im Detail untersuchen kann.

Dass in der aerztlichen Praxis nach wie vor zu wenig die Bedeutung wohldosierter richtiger koerperlicher Aktivitaet herausgestellt werde, liegt laut Prof. Voelker nicht zuletzt an einem grossen Defizit der derzeitigen Medizinerausbildung: "Der Medizinstudent erfaehrt fast nichts ueber Bewegung." Mit Nachdruck spricht er sich daher fuer eine Aufnahme der Sportmedizin zumindest als Wahlpflichtfach in die aerztliche Approbationsordnung aus. Darueber hinaus ist er entschiedener Befuerworter einer Facharztausbildung in diesem Bereich, die beispielsweise in Holland, Finnland und Irland seit langem etabliert sei.

Kaum ueberraschend, dass ein Sportmediziner selbst natuerlich auch nicht dem Muessiggang froent. Der ehemalige Leistungsschwimmer setzt persoenlich vor allem auf Fahrradfahren, Tennis, Joggen und natuerlich Schwimmen.


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