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Schmerzlinderung durch Bewusstseinsänderung

16.11.1995 - (idw) Universität zu Köln

Wirkung von Akupunktur bei Zahnschmerzen

Die Erfahrung von Schmerz ist vom Bewusstsein abhaengig. Durch bewusstseinsveraendernde Massnahmen wie Hypnose, Suggestion und Placebo kann die Schmerzerfahrung beeinflusst und Schmerz vermindert werden. Akupunktur kann, aehnlich wie Suggestion und Placebo, das Bewusstsein veraendern und schmerzlindernd wirken. Zu diesem Ergebnis gelangt Dr. Michael H.C. Coenen von der Klinik fuer Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universitaet zu Koeln in einer Untersuchung ueber die Schmerzausschaltung durch Bewusstseinsveraenderung bei Zahnschmerzen. Ausgangspunkt seiner Studie ist die Feststellung, dass die Schmerzempfindung nicht nur durch individuelle Faktoren, sondern auch durch kulturelle Einfluesse bestimmt wird.

Waehrend die Anzahl pharmazeutischer Mittel zur Schmerzstillung gewachsen ist, hat die Schmerzempfindlichkeit der Bevoelkerung zugenommen. Der Mensch von heute ist weniger in der Lage, koerperlichen Schmerz zu ertragen. Aus diesem Grunde haelt Coenen es fuer sinnvoll, alternative Methoden aus dem psychologischen Bereich auf ihre Wirksamkeit und ihre Anwendbarkeit hin zu untersuchen. Sein besonderes Interesse gilt der Akupunktur und der Frage, auf welche Weise sie das Schmerzempfinden beeinflussen kann. In China spielten theoretische medizinische Vorstellungen kaum eine Rolle. Die Akupunktur hat sich aus der Erfahrung entwickelt, dass einige Hautstellen bei bestimmten Erkrankungen druckempfindlich sind. Spaeter wurden die Heilungserfolge als erfolgreiche Austreibung boeser Geister - "Daemonen"- gedeutet. Auch die westliche Medizin bestaetigt, dass Druck an bestimmmten Stellen eine anhaltende Schmerzlinderung zur Folge hat. Der Untersuchung nach besteht aber darueber hinaus ein wesentlicher Zusammenhang zwischen Akupunkturwirkung und einer AEnderung des Bewusstseins. So sind hypno-suggestive Effekte wahrscheinlich, ein Placeboeffekt ohne jeden Zweifel an der schmerzmindernden Wirkung der Akupunktur beteiligt. Durch das Setzen der Nadel wird zum einem die Aufmerksamkeit des Erkrankten von der schmerzenden Stelle abgelenkt. Darueber hinaus ist es nicht moeglich, zwei Schmerzen gleichzeitig zu erleben. Der urspruengliche Schmerzreiz wird durch den Stich der Nadel ueberdeckt. Weil der Nadelstich als notwendiges Mittel zur Heilung verstanden wird, wird er vom Patienten leichter ertragen als der urspruengliche Schmerzreiz, dem sich der Patient hilflos ausgeliefert fuehlt. An der schmerzlindernden Wirkung von Akupunktur sind auch Placeboeffekte beteiligt. Allein schon das Gefuehl, dass etwas gegen den Schmerz unternommen wird, traegt zur Schmerzminderung bei. Entscheidend fuer den Erfolg der Behandlung ist, dass der Patient eine Linderung seiner Schmerzen erwartet und dem Arzt vertraut. Dieser Placeboeffekt kommt bei jeder aerztlichen Handlung zum Tragen und wird sehr stark von der Persoenlichkeit des Arztes, des Patienten und der therapeutischen Situation beeinflusst.

Coenen kommt zu dem Schluss, dass Akupunktur als aerztliche Therapie keinesfalls als unwissenschaftlich abgetan werden sollte, weil sie in einem ungewohnten historischen und kulturellen Kontext stehe. Die westliche Medizin neige dazu, Schmerz zu unterdruecken, wenn sie seine Ursache nicht ergruenden koenne. Dagegen koennte die chinesische Medizin in der gleichen Lage vielleicht nicht die Ursache, wohl aber die bedingenden Faktoren des Schmerzerlebnisses bestimmen und direkt beeinflussen.

Fuer Rueckfragen steht Ihnen Professor Dr. Rudolf Voss am Donnerstag, den 16. November 1995 von 14.00 bis 17.00 Uhr unter der Telefonnummer 0221/492300 zur Verfuegung.

UEber die Zusendung eines Belegexemplares wuerden wir uns freuen.


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