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Alzheimer-Krankheit: Nicht nur medikamentös, sondern auch psychologisch helfen

19.08.1997 - (idw) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

18.08.1997

Alzheimer-Krankheit: Nicht nur medikamentoes, sondern auch psychologisch helfen

Organon Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft fuer Biologische Psychiatrie fuer Professor Bauer und Dr. Huell

Nach den Ergebnissen einer an der Universitaet Freiburg durchgefuehrten Studie fuehlen sich Alzheimer-Kranke im Fruehstadium der Erkrankung in hohem Masse seelisch belastet und empfinden eine fundamentale persoenliche Verunsicherung. Nach den Beobachtungen der Arbeitsgruppe um Professor Joachim Bauer hat dies bei vielen Kranken zur olge, dass sie sich in weitaus staerkerem Masse von der Teilnahme am normalen Alltagsleben zurueckgezogen haben als tatsaechlich notwendig gewesen waere. Nach Beobachtungen der Freiburger Aerzte werden Alzheimer-Kran-ke vielfach - in gutgemeinter Absicht - von Angehoerigen in einem Uebermass behuetet und kontrolliert, und damit letztlich inaktiviert. Die Freiburger Aerzte sind daher der Auffassung, dass die Behandlung Alzheimer-Kranker sich nicht auf die medikamentoese Behandlung beschraenken sollte. Alzheimer-Patienten sollten nach Bauers Worten sowohl spielerisch-sportlich als auch mental aktiviert werden. Erste Erfahrungen der Freiburger Arbeitsgruppe sprechen dafuer, dass Alzheimer-Kranke im Fruehstadium der Erkrankung von psychotherapeutischen Gespraechen ueberraschend gut profitieren koennen.

Ein Rueckgang der geistigen Spannkraft und des Gedaechtnisses zaehlt zu den normalen Begleitveraenderungen des Alters. Wenn der Abbau geistiger Faehigkeiten jedoch dazu fuehrt, dass ein koerperlich ruestiger Mensch fruehzeitig hilflos und betreuungsbeduerftig wird, dann liegt eine sogannte Demenz-Erkankung vor. Professor Bauer erforscht Ursachen und Therapiemoeglichkeiten dieser Erkrankung. Demenzen koennen in seltenen Faellen bereits jenseits des 40. Lebensjahres auftreten, bei den ueber 65-jaehrigen sind jedoch bereits 5% betroffen. Haeufigste Ursache der Demenz in den westlichen Laendern ist die Alzheimer-Krankheit, die durch eine schwere Funktionsstoerung von Nervenzellen der Hirnrinde verursacht wird. Nicht jede Demenz ist jedoch durch die Alzheimer-Krankheit bedingt. Nach Bauer sind Fehldiagnosen, bei denen Symptome einer Depression oder einer Arterienverkalkung mit einer Alzheimer-Krankheit verwechselt werden, immer noch haeufig anzutreffen.

Er weist daher darauf hin, dass die Unterscheidung zwischen normaler Altervergesslichkeit und einer beginnenden Erkrankung nur aufgrund einer Untersuchung durch fachlich qualifizierte Aerzte getroffen werden kann. Die Ursachen der Alzheimer-Krankheit werden derzeit von zahlreichen Forschungsgruppen erforscht. Aloys Alzheimer hatte im Jahre 1906 entdeckt, dass bei der spaeter nach ihm benannten Krankheit innerhalb der Nervenzellen der Gehirnrinde krankhafte Fasern (sogenannte Neurofibrillen) auftreten. Bereits 1898 hatte der juedische Wiener Neuropathologe Emil Redlich entdeckt, dass es bei derselben Erkrankung auch ausserhalb von Nervenzellen zu Veraenderungen kommt, naemlich zu Ablagerungen von sogenannten Plaques, die Amyloidprotein enthalten.

Eine Arbeitsgruppe um Professor Joachim Bauer und Dr. Michael Huell an der Universitaet Freiburg gehoerte zu den ersten, welche herausfanden, dass auch ein versteckter entzuendlicher Prozess an den krankhaften Vorgaengen im Gehirn Alzheimer-Kranken beteiligt ist. Fuer ihre Arbeiten, in denen sie in Gehirnen von Alzheimer-tienten erstmals Botenstoffe des Immunsystems nachweisen konnten, erhielten die Freiburger Forscher kuerzlich den Organon Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft fuer Biologische Psychiatrie verliehen. Auf dem Boden der Beobachtungen der Freiburger Forscher werden derzeit neue medikamentoese Behandlungsmoeglichkeiten der Alzheimer-Krankheit erforscht. Aehnlich wie verschiedene Zentren in den USA hat auch die Freiburger Psychiatrische Klinik vor, Alzheimer-Patienten mit antientzuendlichen Medikamtenten zu behandeln.

Moegliche genetische Ursachen der Alzheimer-Krankheit werden nach Ansicht von Professor Joachim Bauer derzeit voellig ueberschaetzt. Wirklich erblich bedingte Formen der Alzheimer-Krankheit finden sich nach Untersuchungen der Freiburger Arbeitsgruppe bei lediglich 1% aller Alzheimer-Patienten. Ursache dieser sehr selten Form sind Mutationen (Keimbahn-Veraenderun-gen) bei einem von 3 Genen die den Namen Presenilin-1 (Chromosom 14), Presenilin-2 (Chromosom 1) und APP (Chromosom 21) tragen. In Zusammenarbeit mit der Heidelberger Arbeitsgruppe um Professor Konrad Beyreuther hat die Freiburger Arbeitsgruppe innerhalb ihres Freiburger Patienten-Kollektivs einen einzigen Alzheimer-Fall mit einer Presenilin-1-Mutation identifizieren koennen. Wie Bauer betonte, sind diese erblichen Alzheimer-Faelle sehr seltene Ausnahmen.

Kontakt: Prof. Dr. Joachim Bauer Psychiatrische Universitaetsklinik Freiburg Tel.: 0761 / 270-6501, Fax: 0761 / 270-6619


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