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Multimedia-Regionen im Vergleich

16.10.1997 - (idw) Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg

Internationaler Multimedia-Vergleich:

Mittelfeldplatz für Region Stuttgart

Noch leisten Multimedia-Unternehmen nur kleine Beiträge, was Beschäftigungseffekte angeht. Dies gilt sowohl für fortgeschrittene High-Tech-Gebiete wie Kalifornien, als auch für Regionen mit eher traditionellen Industrien wie Baden-Württemberg. So existieren in der Region Stuttgart zur Zeit etwa 50 Unternehmen (Region München: rund 120 Firmen) mit durchschnittlich 12 Mitarbeitern, die sich ausschließlich mit Multimedia-Anwendungen beschäftigen.

Dennoch können gerade Regionen, die wie der Mittlere Neckarraum von traditionellen Industriebranchen geprägt sind, hochspezialisierte Multimediaprodukte entwickeln. So hat zum Beispiel die hiesige Automobilindustrie aufgrund ihres profunden Know-how beste Voraussetzungen, etwa Telematikanwendungen für den Straßenverkehr zu entwickeln, während der gut entwickelte Verlagsbereich sich stärker im Electronic-Publishing-Markt für Fachpublikationen engagieren könnte.

Über 30 internationale Experten verglichen jetzt auf Einladung der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg (Stuttgart) die Entwicklungschancen der Multimedia-Industrie in 15 Regionen der Welt - darunter Kalifornien, Wales, die Niederlande, Kanada und Singapur. Insgesamt attestieren die internationalen Forscher der Region Stuttgart einen guten Mittelfeldplatz unter den verglichenen Regionen.

Empfohlen wird der Region Stuttgart jedoch, sich auf solche Inhalte zu konzentrieren, die multimedial verfügbar gemacht werden können, etwa im Verlagswesen und in der Aus- und Weiterbildung. Zum anderen sollte gerade kleineren Unternehmen der Zugang zum Markt erleichtert werden - etwa durch ein Multimedia-Gründerzentrum. Auch in Baden-Württemberg könnten gerade mehr kleinere Unternehmen, die sich zum Beispiel auf die Programmierung von Internet-Seiten oder CD-ROM`s spezialisieren, die Multimediabranche ähnlich wie im Raum Köln stabilisieren.

Eine dynamische Multimediabranche setzt dabei nicht nur die finanzielle Förderung junger Unternehmen mit öffentlichen Mitteln voraus. Über Erfolg oder Mißerfolg entscheidet auch die regionale Infrastruktur, also der Austausch mit bereits existierenden Unternehmen und Organisationen vor Ort - wenn sich zum Beispiel Multimediaanwendungen in das Leistungsspektrum von Handwerkern, Maschinenbauproduzenten oder Ausbildungsinstitutionen vor Ort einbauen lassen. In erfolgreichen Multimedia-Regionen wie in Kalifornien arbeiten Produzenten (z.B. die Computerindustrie im Silicon Valley) und Anwender von Multimedia (z.B. die Filmbranche in Hollywood) eng zusammen. Weniger bedeutend ist dabei, ob die regionale Infrastruktur eher informellen Charakter hat oder aus öffentlich geförderten Netzwerken, Gründerzentren oder Berufsvereinigungen besteht.

Den Ausschlag dafür, ob Multimedia tatsächlich die Wachstumsbranche der Zukunft wird, hängt nach Auffassung der Forscher dabei nicht allein von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Auch kulturelle Aspekte spielen eine entscheidende Rolle: So gruppieren sich kanadische Multimedia-Unternehmen vor allem in städtischen Ballungszentren mit Museen, Galerien, Theater- und Konzerthäusern. Und am Multimediaboom in Wales hat die Nachfrage der Bürger nach Produkten in walisischer Sprache entscheidenden Anteil.

Kontakt: Dr. Gerhard Fuchs, Tel.: 0711/9063-199 Fax: 0711/9063-299

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