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Tübinger Pfennig

27.03.1998 - (idw) Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Der "Tuebinger Pfennig" und der Silberbergbau im Schwarzwald oder die Geheimnisse orientalischer Muenzpraegung

Woher kam das Edelmetall der Muenzen frueherer Zeiten? Welche analytischen Methoden helfen bei der Beantwortung dieser Frage? Diesen Fragen gehen vom 30. Maerz bis zum 1. April etwa 30 Fachwissenschaftler in Tuebingen im Rahmen eines Symposions unter dem Titel "Bergbau, Edelmetallhandel und Muenzpraegung" nach. Sie werden nicht nur ueber neue Techniken der Analyse historischen Metalls diskutieren, sondern auch ueber Erkenntnisse zum Handel mit Silber. Die Beziehungen zwischen dem Schwarzwaelder Bergbau und Basel sollen ebenso zur Sprache kommen wie der Handel vom Hindukusch nach Skandinavien im fruehen Mittelalter. Erheblichen Anteil an der Tagung haben Tuebinger Wissenschaftler, die seit zwei Jahren im Rahmen eines von der Volkswagen-Stiftung geförderten Projekts ueber diese Zusammenhaenge forschen. Koordiniert von Dr. Lutz Ilisch hat eine kleine Gruppe von vier Numismatikern an der Forschungsstelle fuer islamische Numismatik, die zum Orientalischen Seminar der Universitaet gehoert, an den reichhaltigen Bestaenden zentralasiatischer Silbermuenzen des Mittelalters gearbeitet. Rund viertausend Stuecke wurden von Tuebingen nach Basel gebracht, wo sie mit einem leistungsfaehigen Spektrometer zerstoerungsfrei auf die Zusammensetzung des Metalls untersucht wurden. In einer Analyse der Spurenelemente im Silber zeigte sich, dass das Material zweier bedeutender Muenzstaetten des 10. Jahrhunderts ausschliesslich aus dem oertlichen Bergbau stammte, wogegen aehnliche Muenzen aus hauptstaedtischen Muenzstaetten alle Merkmale eines Recycling des Metalls aufweisen. Eine zweite Tuebinger Forschergruppe am Institut fuer Geschichtliche Landeskunde befasste sich mit der Muenzpraegung aus dem Silber des Schwarzwaldes. Im Zentrum des Interesses standen hier neben dem mittelalterlichen Freiburg und Basel auch die im Verlauf von rund anderthalb Jahrhunderten gepraegten Tuebinger Pfennige. Waren es die Tuebinger Pfalzgrafen, die den Silberbergbau um Freudenstadt und im noerdlichen Schwarzwald in Schwung brachten?

Die Basler Analyseergebnisse und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen werden nun mit internationalen Fachleuten, u.a. vom Londoner British Museum, aus New York, Stockholm und Samarkand diskutiert. Waehrend die zwanzig Vortraege des Symposions eher fuer den Fachmann verstaendlich sein duerften, wird am Montag, 30.3., 19.30 Uhr auch zu einem oeffentlichen Abendvortrag von Prof. H.-G. Bachmann aus Hanau im Hoersaal 2 der Neuen Aula zum Thema "Silbergewinnung: Von den Anfaengen bis zur Rennaissancezeit" eingeladen.

Naehere Informationen: Dr. Lutz Ilisch, Forschungsstelle fuer Islamische Numismatik, Orientalisches Seminar, Tel.: (07071) 29-75208 oder Tagungsbuero, Max-Planck-Haus, Spemannstr. 36, 72074 Tuebingen, Tel.: (07071) 601749.

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