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ICDP International Continental Drilling Program

26.02.1996 - (idw) GeoForschungsZentrum Potsdam

Abenteuer Bohrung: Start eines neuen internationalen Projekts der Geowissenschaften in Tokyo

GFZ Potsdam - Der Startschuss fuer das "International Continental Scientific Drilling Program" (ICDP) wird am 26. Februar 1996 in der Residenz des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland in Tokyo gegeben. Das Ereignis findet am Rande des "Internationalen Symposiums zur Erforschung der kontinentalen Erdkruste durch Bohrungen", statt, das am selben Tag im etwa 80 km entfernten Tsukuba beginnt. Im Beisein des deutschen Botschafters in Japan, Dr. Heinrich-Dietrich Dieckmann, unterzeichnen am 26. Februar 1996 Prof. Rolf Emmermann, der Wissenschaftliche Vorstand des GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) fuer Deutschland, Dr. Robert Corell, stellvertretender Direktor der National Science Foundation (NSF), fuer die USA und Prof. Min Zhi, Abteilungsleiter im Ministerium fuer Geologie und mineralische Rohstoffe, fuer die VR China ein "Memorandum of Understanding on Implementation, Management and Operation of the ICDP", mit dem dieses internationale Bohrprogramm in die Wege geleitet wird. Gleichzeitig unterzeichnen Dr. Corell und der Vertreter des deutschen Bundesministeriums fuer Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, Dr. Christian Patermann, ein begleitendes Manteldokument zur Einbindung des neuen Programms in den bestehenden wissenschaftlichen Zusammenarbeitsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den USA.

Prof. Emmermann fuehrte in einer Stellungnahme zum ICDP aus: "Das neue Internationale Kontinentale Bohrprogramm (ICDP) will die in verschiedenen Laendern durchgefuehrten nationalen Programme buendeln und, analog zu dem sehr erfolgreichen Ocean Drilling Program (ODP), globale geowissenschaftliche Fragestellungen an den dafuer am besten geeigneten Lokationen untersuchen. Ein zentrales Anliegen ist es dabei, neben den geowissenschaftlichen Grundlagen und Erkenntnissen, Beitraege zu gesellschaftsrelevanten Problemstellungen zu erarbeiten. Die explosionsartig wachsende Weltbevoelkerung benoetigt zunehmend mehr Energie, mehr Wasser und mehr mineralische Rohstoffe, die groesstenteils aus den obersten Kilometern der kontinentalen Erdkruste gewonnen werden muessen. Auch erweisen sich die grossen Ballungsraeume und die Industriegesellschaften als immer anfaelliger gegenueber Naturkatastrophen oder gegenueber den Folgen kurzfristiger Klimaveraenderungen. Fuer den verantwortungsbewussten Umgang mit den Ressourcen und der Umwelt im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ist das Wissen ueber die Zusammensetzung, die Struktur und die Evolution der Erdkruste und der in ihr ablaufenden Prozesse unumgaenglich. Als Entscheidungsgrundlage adaequaten Handelns beduerfen wir genauerer Kenntnisse der Wechselwirkungen zwischen der Lithosphaere, der Hydrosphaere und der Atmosphaere sowie deren Auswirkungen auf die Biosphaere."

Die Ergebnisse wissenschaftlicher Bohrprogramme haben das geowissenschaftliche Bild der inneren Dynamik unseres Planeten revolutioniert. Das ODP sowie das Kontinentale Tiefbohrprogramm der Bundesrepublik Deutschland (KTB), das vom Bundesministerium fuer Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie finanziert wurde, sind dafuer ueberzeugende Beispiele. Hier zeigte sich allerdings auch der grundsaetzliche Unterschied zwischen der ozeanischen Erdkruste und den viel aelteren Kontinenten, dem eigentlichen Lebensraum des Menschen. Dieser soll mit dem jetzt begonnenen ICDP auf der Basis eines weiten thematischen Spektrums vernetzter Ressourcen-, Klima-, Umwelt- und Grundlagenforschung systematisch untersucht werden. Wissenschaftliche Bohrungen sind dazu ein unverzichtbares Instrument. Sie erlauben direkte Einsicht in geologische, geophysikalische und geochemische Prozesse. Aus diesen Kenntnissen koennen wesentliche Beitraege unter anderem zu folgenden angewandten Fragestellungen geleistet werden:

* Ursachen von Erdbeben und Vulkanausbruechen und Massnahmen zur Schadensminderung

* Entstehung und Vorkommen von geothermischen, mineralischen und Kohlenwasserstoff-Lagerstaetten

* sichere Deponierung gefaehrlicher Abfaelle

* Abschaetzung des menschlichen Einflusses auf Aenderungen des Klimas und der Umwelt

* Auswirkungen von Meteoriteneinschlaegen auf das Leben und die Umwelt.

Insbesondere durch das KTB haben deutsche Bohrtechnologie und deutsches Know-how in kontinentalen Bohrprojekten weltweite Anerkennung gefunden. Daher werden das KTB und das jetzt in seinen beiden Bohrloechern (4.000 m und 9. 101 m) installierte Tiefenobservatorium als Kapital unmittelbar in das neue internationals Bohrprogramm einfliessen.

Es existieren bereits in mehreren Laendern konkrete Plaene fuer neue Bohrprojekte. Durch die Initiative des GFZ zur Formulierung des ICDP ist es gelungen, wichtige Management- und Wissenschaftsaufgaben dieses zukunftsorientierten Programms in die Bundesrepublik zu holen. Die Unterzeichnung des ICDP durch deutsche, amerikanische und chinesische Wissenschaftsmanager ist der erste Schritt. Wissenschaftler weiterer Laender, unter ihnen auch Japan, haben bereits starkes Interesse an der Mitarbeit bekundet.

Am 5. Maerz wird die UNESCO in Paris mit dem GFZ ein Rahmenabkommen unterzeichnen, das auch die ICDP-Aktivitaeten umfasst.

Naehere Informationen zum ICDP, verfuegbare Dokumente und Abbildungen finden sich im Internet unter folgender Adresse (URL): http://www.gfz-potsdam.de/icdp

Nachdruck, auch auszugsweise, frei. Belegexemplar erbeten: GeoForschungsZentrum Potsdam, Oeffentlichkeitsarbeit, Telegrafenberg A17, D-14473 Potsdam, Tel. 0331 - 288 1040, Fax 0331 - 288 1044

Kontakt: Franz Ossing


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