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Innovationen in der Ingenieurausbildung

31.10.1995 - (idw) Fachhochschule Bielefeld

Workshop: Lernen fur Europa

FH Bielefeld und IZHD stellen Innovationen in der Ingenieurausbildung in Bielefeld vor

Neue Anforderungen an die Absolventinnen und Absolventen technischer Studiengange und sinkende Studienanfangerzahlen bewirken eine Neuauflage der Diskussion um eine Studienreform der Ingenieurstudiengange. Nach einer Studie der HIS-GmbH in Hannover fuhlt sich knapp die Halfte aller Universitatsabsolventen und mehr als ein Drittel der FH-Absolventen durch ihr Ingenieurstudium schlecht auf den Arbeitsalltag vorbereitet. Bei ihrem Berufseinstieg fehlte es an den bereits zu Studienbeginn wenig trainierten kommunikativen und sozialen Kompetenzen sowie an der Fahigkeit zu fachubergreifendem Denken.

Europaweit sind inzwischen Konzepte fur Ingenieurstudiengange entwickelt worden, in denen mit neuen Lehr- und Lernmodellen versucht wird, die sogenannten Schlüsselqualifikationen in das Studium einzubinden. Interdisziplinarität, Sozialkompetenz, systemisches und vernetztes Denken und ganzheitliche Ansätze in der Ingenieurausbildung sollen insbesondere in Form von Projekt- und Gruppenarbeit gelehrt und gelernt werden. Neu ist auch das Interesse, durch die aktuelle Studienreform verstarkt Frauen fur die Ingenieurstudiengänge der Zukunft einzuwerben.

Ein von der Fachhochschule (FH) Bielefeld gemeinsam mit dem Interdisziplinären Zentrum fur Hochschuldidaktik (IZHD) der Universität Bielefeld veranstalteter Workshop wird am Freitag, dem 03. November 1995, Gelegenheit geben, einige dieser neuen Ansatze kennenzulernen. Lehrende und Studierende aus Danemark, Deutschland, England, Osterreich und Schweden stellen in 13 Beitragen und Referaten ihre Untersuchungsergebnisse und innovativen Studiengangkonzepte vor.

Nach der Eroffnung durch den Rektor der FH Bielefeld, Professor Dr. Heinrich Ostholt, wird die Vorsitzende des nordrhein-westfalischen Landtagsausschusses fur Wissenschaft und Forschung, Ingrid Fitzek, die Anforderungen der Politik an eine innovative Ingenieurausbildung ben ennen. Dr. Steffani Engler (Universitat Munster, Wissenschaftliche Begleitforschung fur den Modellversuch Technik entdecken der Technischen Universitat Hamburg-Harburg und der Fachhochschule Hamburg) berichtet dann aus den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung des Hamburger Modellversuchs Technik entdecken uber die Anforderungen von Studentinnen und Studenten an ein lustvolles Ingenieurstudium. Einen Ansatz des hochschuldidaktischen Zentrums der RWTH Aachen fur neue Lehrveranstaltungskonzepte im Fach Maschinenbau und seine moglichen Auswirkungen auf das Studium von Frauen stellt Susanne Ihsen M.A. (RWTH Aachen, Hochschuldidaktisches Zentrum) vor, gefolgt von einem Praxisbeispiel aus der Ingenieurhochschule Kopenhagen. Professor Wolfgang Schroder und drei Studentinnen, Pernille Sehstedt, Bjarna Lindrank, Annegrethe Hansen, informieren uber den erfolgreich etablierten interdisziplinaren Studiengang Exportingenieurwesen; einem Studiengang, der nicht nur in erheblichem Umfang Studentinnen anspricht, sondern auch positive Berufschancen eroffnet.

Im zweiten Teil des Vormittags geben Dr. Bengt Eriksson (Universitat Karlstadt/Schweden) und Peter Jansson (Technische Universitat Chalmers, Goteburg/Schweden) einen Uberblick uber die funf schwedischen Hochschulprojekte zur Einwerbung von Frauen fur ein Ingenieurstudium und zeigen am Beispiel der Universitaten Karlstadt und Chalmers, welche konkreten Schritte zur Veranderung des Studiums unternommen wurden. Pennie Ottley, BA Msc, Leiterin des Zentrums fur Frauen in Technik, Design und Fertigung an der Universitat Lancashie/ Grossbritannien, wird nicht nur auf die englischen Ansatze zu einer Veranderung des Ingenieurcurriculums eingehen, sondern auch uber Initiativen in Australien und den USA berichten. Nach der Mittagspause beginnt Dr. Gabriele Schade (Technische Universitat Ilmenau) mit einem Referat uber die Ergebnisse eines Projekts der Technischen Universitat Ilmenau, in dem die Auswirkungen der Studieninhalte und Praxisanforderungen eines Ingenieurstudiums auf die Situation von Ingenieurstudentinnen untersucht wurden. Mit einem kritischen Blick betrachten dann Dipl. Phys. Hans-Peter Voss und Professor Rainer Roos von der Fachhochschule Karlsruhe eine der traditionellen Lehrformen des Ingenieurstudiums/des FH-Studiums - die Vorlesung. Hat die Vorlesung ausgedient? Mussen nicht gerade fur die Motivationskiller" im Grundstudium - die naturwissenschaftlichen Grundlagenfacher - neue Aktivierungsstrategien fur die Studierenden erarbeitet werden? Zuruck zu den neuen Inhalten fuhren dann zwei Referate aus den sudlichen Regionen: Dr.-Ing. Guntram Feurstein, Fachbereichsleiter Maschinenbau des Technikums Vorarlberg/ Osterreich, stellt ein innovatives osterreichisches Konzept fur einen FH-Studiengang vor. Professor Dr. Hans-Joachim Geisweid (FH Munchen, Fachbereich Elektrotechnik) zeigt am Beispiel des Postgraduiertenstudiums Systems Engineering, ein Kooperationsprojekt zwischen Wirtschaft und Hochschule, welche zusatzlichen Qualifikationen Hochschulabsolventinnen und -absolventen erwerben sollten. Den mehr praktisch orientierten Bereich des Ingenieurstudiums sprechen die beiden Parallelangebote zum Abschluss des Workshops an: wahrend Professor Dr.-Ing. Hans-Georg Bruchmuller von der Fachhochschule Ulm u.a. am Beispiel der Labordidaktik vorfuhrt, dass das erfahrungsorientierte Lehren und Lernen verstarkt Einzug in das Ingenieurstudium halten sollte, zeigt Dr. Wolff-Dietrich Webler vom Interdisziplinaren Zentrum fur Hochschuldidaktik der Universitat Bielefeld, welche Anforderungen ein Praxissemester in der Industrie an Lehrende und Lernende stellt.

Referate und Beitrage des Workshops konnen nach Abschluss der Veranstaltung angefordert werden: Fachhochschule Bielefeld, Modellversuch Frauen im Ingenieurstudium an Fachhochschulen, Kurt-Schumacher-Strasse 6, 33615 Bielefeld, Telefon 0521/106-2373/5, Fax 0521/106-2323, E-Mail schwarze@fhzpcs3.fh-bielefeld.de.


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