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Wirtschaftliche Transformation in Ostmitteleuropa

27.08.1997 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Neues Forschungsprojekt zur wirtschaftlichen Transformation in Ostmitteleuropa Verkehrspolitik in den Visegrád-Staaten

Am Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum der Friedrich-Alexander-Universitaet in Nuernberg laeuft seit April 1997 ein Forschungsprojekt zum Thema "Regulierungs- und Deregulierungspolitik im wirtschaftlichen Transformationsprozess. Das Beispiel der Verkehrspolitik in den Visegrád-Staaten." Ziel ist es, die wirtschaftliche Transformation in Ostmitteleuropa am Beispiel der Verkehrspolitik in den Visegrád-Staaten Polen, Ungarn, Tschechische und Slowakische Republik zu untersuchen. Finanziert wird das auf zwei Jahre angelegte Projekt mit 250.000 Mark aus Mitteln der Volkswagen-Stiftung, Hannover. Die Leitung des Projektes liegt bei Prof. Dr. Roland Sturm.

In den neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas ist die wirtschaftliche Transformation an einem Scheidepunkt angelangt. Wird das alte Muster des keynesianischen Wohlfahrtsstaates imitiert, oder entwickelt sich, wie in Tschechien teilweise sichtbar, eine Art "Wild-West-Kapitalismus", eine "Marktwirtschaft ohne Attribute" (der tschechische Ministerpraesident Vaclav Klaus), die an den "Nachtwaechterstaat" des 19. Jahrhunderts erinnert? Vielleicht koennen wir im Moment aber auch etwas ganz anderes beobachten.

Die Finanzkrise westeuropaeischer und nordamerikanischer Staaten hat gezeigt, dass staatliche Politik durch Redistribution von Ressourcen heute an ihre Grenzen stoesst. Die Sozialprogramme der sechziger und siebziger Jahre sind kaum noch finanzierbar. Ein neuer Typus staatlichen Handelns ist also gefragt. Einige westliche Staaten haben aus dieser Entwicklung die Konsequenzen gezogen und sind dazu uebergegangen, Politikziele mittels regulativer Eingriffe statt redistributiver Massnahmen umzusetzen. Das hat, etwa im Falle Grossbritanniens, zu teilweise erheblichen Veraenderungen im Staatsaufbau gefuehrt.

In den Visegrád-Staaten Polen, Ungarn, Tschechische und Slowakische Republik stellt sich das Problem der Finanzkrise noch viel staerker als im Westen. Die Option auf einen Wohlfahrtsstaat keynesianistischer Praegung scheint damit ausgeschlossen. So bleibt noch die Wahl zwischen dem weitgehenden Rueckzug des Staates und dem neuen, westlichen Modell des regulativen Staates, der den geschichtlichen und sozio-kulturellen Traditionen Ostmitteleuropas eher entspricht.

In welcher Weise etabliert sich dieser neue regulative Staat in Ostmitteleuropa? Wer sind die Akteure und Entscheidungstraeger, die diese Entwicklung vorantreiben? Welche Bereiche sind erfasst?

Jede Volkswirtschaft kennt in der einen oder anderen Form Ausnahmebereiche, die von vornherein als nur eingeschraenkt oder gar nicht wettbewerbsfaehig gelten. Zu diesen gehoert vor allem der Verkehrssektor, die Energiewirtschaft und die Telekommunikation. Dieses Forschungsprojekt wendet das theoretische Forschungsdesign des regulativen Staates auf einen dieser Sektoren, den Verkehr, an. Das Transportsystem nimmt in allen Volkswirtschaften eine Schluesselstellung ein, schafft in vielen Faellen ueberhaupt erst einen regulierungsbeduerftigen Markt und eignet sich deshalb besonders fuer eine exemplarische Darstellung.

Das seit April 1997 am Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum in Nuernberg laufende, auf zwei Jahre angelegte Forschungsprojekt widmet sich dieser Thematik. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln der Volkswagen-Stiftung, Hannover. Die Leitung des Projektes liegt bei Prof. Dr. Roland Sturm. Die Laenderstudien werden von Juergen Dieringer (Ungarn), Jana Voláková (Tschechische und Slowakische Republik) und Gabriele Dautermann (Polen) erstellt. Markus M. Mueller bearbeitet die theoretischen Grundlagen und ist als Koordinator verantwortlich fuer die Einheitlichkeit der Laenderstudien. Juergen Dieringer und Markus M. Mueller betrachten ausserdem die Auswirkungen der EU-Integration auf die jeweilige nationale Politik.

Ein erster Zwischenbericht wird voraussichtlich im Februar 1998 der Oeffentlichkeit vorgestellt. Weiterhin ist eine wissenschafliche Konferenz in Visegrád (Ungarn) fuer Herbst 1998 geplant. Hier soll die Thematik von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen Laendern aus Ost und West diskutiert werden.

Kontakt: Sozialwissenschaftliches Forschungszentrum der Universitaet Erlangen-Nuernberg, REVIS-Projekt Leitung: Prof. Dr. Roland Sturm Wissenschaftliche Mitarbeit: Juergen Dieringer, Jana Voláková, Gabriele Dautermann, Markus M. Mueller Findelgasse 7/9, 90402 Nuernberg, Tel.: 0911/5302 -669, Fax: 0911/5302 -637


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