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Leibniz-Kolleg

20.04.1998 - (idw) Universität Potsdam

72/98 20.04.1998

Gravitationswellen: Ein neues Fenster ins Universum

Auftaktveranstaltung des Leibniz-Kolleg Potsdam am 23. April 1998

Von den Entdeckungen und Erfindungen, die dieses Jahrhundert prägen und die bahnbrechend in die Weltgeschichte der Wissenschaften eingingen, sind nicht wenige in Potsdam, z.B. bei einem Segeltörn auf dem Schwielowsee oder bei einem Spaziergang auf dem Telegraphenberg entstanden.

Daß dies auch heute so ist, zeigen in beeindruckender Weise die Initiatoren des Leibniz-Kolleg Potsdam. Getragen von einem Initiativkreis, dessen Zusammensetzung die besonderen Potentiale der Wissenschaftslandschaft unserer Region widerspiegelt, werden spannende moderne naturwissenschaftliche Forschungsthemen zum Gegenstand eines interdisziplinären Dialogs gemacht. Die zunächst jährlich mit ein bis zwei Veranstaltungen geplante Vortragsreihe will durch die Exzellenz und Originalität des Hauptvortragenden naturwissenschaftliche Forschung für einen breiteren Kreis von Zuhörern interessant und für die Öffentlichkeit wahrnehmbar machen. Die gewählten Themen greifen gerade solche Forschungsgebiete auf, in denen in allernächster Zeit für die Menschheit insgesamt bewegende Entdeckungen erwartet werden.

Prof. Kip S. Thorne trägt im Leibniz-Kolleg Potsdam vor am 23. April 1998, um 17 Uhr, im Auditorium Maximum der Universität Potsdam

Kip S. Thorne, 1940 in Logan/Utah geboren, hat den Feynman-Lehrstuhl für Theoretische Physik am California Institut of Technology inne. Das Leibniz-Kolleg Potsdam freut sich, für seine Auftaktveranstaltung mit Kip S. Thorne einen herausragenden Wissenschaftler, der zudem als Wissenschaftsautor auch in Deutschland bekannt ist, gewonnen zu haben. Genannt sei das für den "gebildeten Laien" geschriebene Buch "Gekrümmter Raum und verbogene Zeit: Einsteins Vermächtnis". Sein für den 23. April 1998 eingeladener Vortrag zum Thema: "Gravitational Waves: A New Window Onto the Universe" verspricht außergewöhnlich spannend zu werden, zieht er doch Zwischenbilanz zu einem Forschungsgebiet, zu dem in Kürze - womöglich noch vor der Jahrtausendwende - ein ganz großer Durchbruch zu erwarten ist. Zur Zeit wird an riesigen Gravitationswellen-Empfängern gebaut, deren Empfindlichkeit ausreichen sollte, die von Albert Einstein in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagten Gravitationswellen zu messen und damit überhaupt nachzuweisen. Die Potsdamer Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut), an dem Kip Thorne im Sommersemester einen Forschungsaufenthalt haben wird, sind mit theoretischen Arbeiten an diesem internationalen Großprojekt beteiligt. Damit öffnen sich völlig neue Möglichkeiten, Einblick in bisher - im wahrsten Sinne des Wortes - unsichtbare Vorgänge des Universums zu erlangen, erzeugen doch beschleunigt bewegte Massen Gravitationswellen. So lassen in sich zusammenstürzende bewegte Sterne oder Schwarze Löcher kein Licht aus dem Ereignishorizont dringen und sind damit "unsichtbar" - über die von ihnen ausgesandten Gravitationswellen jedoch sollten sie untersuchbar werden.

Die Einführungsveranstaltung zu diesem hochaktuellen Thema fand am 16. April 1998 um 15 Uhr im Großen Physikhörsaal der Universität Potsdam mit großer Resonanz statt. Am 24. April 1998 spricht Kip S. Thorne ab 10.00 Uhr im Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik im Rahmen des Forschungsseminars über "Gravitational waves - a personal perspektive".

Kip S. Thorne kommt nach Potsdam!

Und mit ihm beginnt sich die Veranstaltungsreihe unter dem programmatischen Namen "Leibniz-Kolleg Potsdam" zu etablieren, die spannende moderne naturwissenschaftliche Themen für Wissenschaftler, Studenten und wissenschaftlichen Nachwuchs zum Gegenstand eines interdisziplinären Dialogs macht. Das Leibniz-Kolleg Potsdam und der Schirmherr der Veranstaltung, Wissenschaftsminister Steffen Reiche, freuen sich, alle naturwissenschaftlich Interessierten unserer Region zu diesem Ereignis einzuladen.

Potsdam, den 17.04.1998

Für Rückfragen stehen Ihnen Dr. Barbara Schneider (Tel.: 0331/977-1844, Fax: -1654, E-mail: leibniz@rz.uni-potsdam.de) und Dr. Antje Bielfeld (Tel.: 0331/977-1696) jederzeit zur Verfügung.Zum Leben und Wirken von Prof. Dr. Kip S. Thorne

Geboren 1940 in Logan Utah, schloß Kip Thorne das Caltech 1962 mit einem B. S. ab und erhielt 1965 einen Ph. D. von der Princeton University. Nach zweijähriger Probezeit kehrte Thorne 1967 an das Caltech als Associate Professor zurück, wurde 1970 zum Professor für Theoretische Physik ernannt, erhielt 1981 die William R. Kenan, Jr. Professur und 1991 die Feynman Professur für Theoretische Physik.

Die Forschungsschwerpunkte von Kip Thorne sind Gravitationsphysik und Astrophysik und dabei insbesondere Schwarze Löcher und Gravitationswellen. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre legte er die Grundlagen für die Theorie der Pulsationen Relativistischer Sterne und der Gravitationswellen, die sie aussenden. In den 70ern und 80ern entwickelte er hauptsächlich den mathematischen Formalismus, mit dem Astrophysiker die Entstehung von Gravitaitonswellen analysieren, und er arbeitete eng zusammen mit Wissenschaftlern, die neue technische Ideen und Vorstellungen für die Entdeckung der Gravitationswellen entwickelten. Er ist der Mitbegründer (mit R. Weiss und R. W. P. Drever) des LIGO Projekts (Laser Interferometer Gravitational Wave Observatory), seit Mitte der 80er Jahre haben er und seine Forschungsgruppe die theoretische Basis dafür geliefert. Mit Carlton M. Caves erfand Thorne den rückreaktionsvermeidenden Zugang zu störungsfreien Quantenmessungen. Mit Anna Zytkow sagte er die Existenz von Roten Überriesen mit Neutronensternkernen ("Thorne-Zytkow Objekte" oder "TZOs") voraus. Gemeinsam mit Studenten und Kollegen entwickelte er das Membranparadigma für Schwarze Löcher und nutze es, um den Mechanismus zu erklären, mit dem Schwarze Löcher Quasare mit Energie versorgen können. Er hat zudem neuartige Gedankenexperimente in die Theoretische Physik eingeführt, die danach fragen, "welche Grenzen die Gesetze der Physik den Aktivitäten einer beliebig (hoch)entwickelten Zivilisation setzen?". Zusammen mit Kollegen hat er ein solches Gedankenexperiment genutzt, um falschverstandene Besonderheiten physikalischer Gesetze, die bestimmen, ob die Natur klassische Wurmlöcher und Zeitmaschinen erlaubt, zu identifizieren. Er hat aufgezeigt, wie diese Fragen mißverstandene Gesetze der Quantengravitation erhellen können und hat einen universellen physikalischen Mechanismus (explosives Wachstum der Vakuumpolarisierung von Quantenfeldern) herausgefunden, der rückwärtsgerichtete Zeitreisen stets verhindern kann.

Thorne hat über 30 Doktoranden betreut, von denen später viele führend in der Welt in ihrem Forschungsgebiet geworden sind. Thorne hat gemeinsam mit John A. Wheeler und Charles W. Misner 1973 das Lehrbuch Gravitation, aus dem die heutige Wissenschaftsgeneration die allgemeine Relativitätstheorie lernt, geschrieben. Er ist auch Co-Autor von Gravitation Theory and Gravitational Collapse (1965) und Black Holes: The Membrane Paradigm (1986) sowie Autor von Black Holes and Time Warps: Einstein's Outrageous Legacy (1994, auch in deutsch unter dem Titel "Gekrümmter Raum und verbogene Zeit: Einsteins Vermächtnis" erschienen). Thorne wurde 1972 in die American Academy of Arts and Sciences und 1973 in die National Academy of Sciences aufgenommen. Er erhielt 1981 die Ehrendoktorwürde der Moskauer Staatlichen Universität (UdSSR) und errang den Lilienfeld Preis der American Physical Society (1996), die Karl Schwarzschild Medaille der Deutschen Astronomischen Gesellschaft (1996), zweimal: 1969 und 1994, den American Institute of Physics Science Writing Award in Physics and Astronomy und den Phi Beta Kappa Science Award (1994). Er war Woodrow Wilson Fellow, Danforth Foundation Fellow, Fulbright Fellow und Guggenheim Fellow; und er arbeitete im International Committee on General Relativity and Gravitation mit, dem Komitee für US-UdSSR Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Physik und dem National Academy of Science's Space Science Board, der die NASA und den Kongreß zu Fragen der Weltraumwissenschaftspolitik beraten hat.


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