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Forschung im Wüstenbereich der Regenwälder

12.11.1997 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Wuerzburger Botaniker untersuchen Epiphyten

Mit dem Begriff "Regenwald" verbinden die meisten Menschen in unseren Breiten die Vorstellung einer "gruenen Hoelle" mit schweisstreibender Schwuele und gewaltigen Regenfaellen. Erstaunlicherweise gibt es aber selbst in den regenreichsten Waeldern der Tropen einen Lebensraum, der klimatisch eher einer Wueste gleicht: der Kronenbereich der Urwaldriesen.

Dort leben Aufsitzerpflanzen, im Fachjargon Epiphyten genannt. Die relative Trockenheit dieses Lebensraums ruehrt daher, dass die epiphytischen Orchideen, Farne oder Ananasgewaechse keinen Zugang zu den Wasserreserven des Waldbodens haben und schon kurze, niederschlagsfreie Perioden zu Wasserstress fuehren. Da sie anders als Misteln ihre Wirtsbaeume nur zum Festheften benutzen, leiden die Aufsitzerpflanzen meist auch an Naehrstoffmangel. Wachstum und UEberleben sind fuer sie nur mit speziellen physiologischen Anpassungen moeglich.

In den vergangenen Jahren wurde dazu eine Reihe von Untersuchungen im Labor und am natuerlichen Standort durchgefuehrt. Allerdings schenkte man kleineren Pflanzen kaum Beachtung - Dr. Gerhard Zotz vom Julius von Sachs-Institut fuer Biowissenschaften der Universitaet Wuerzburg will das aendern. Warum es wichtig ist, auch kleine Pflanzen in physiologische Untersuchungen einzubeziehen? Epiphyten wachsen ausgesprochen langsam und die Sterblichkeit kleiner Pflanzen ist aeusserst hoch. "Ganz offensichtlich sollte man also in erster Linie bei noch kleinen Individuen nach den Anpassungen suchen, die das UEberleben in den Baumkronen sichern, und weniger bei den ausgewachsenen Individuen", sagt Dr. Zotz. Zu einem umfassenden Verstaendnis dieser bemerkenswerten Pflanzen muessten aber natuerlich sowohl kleine als auch grosse Pflanzen vergleichend untersucht werden.

Erste Ergebnisse von Dr. Zotz belegen, abhaengig von der Groesse der Pflanzen, teilweise dramatische Unterschiede wichtiger physiologischer Parameter: So wurden bis zu zehnfache Unterschiede in den Photosyntheseraten verschieden grosser Individuen einer Art nachgewiesen. Jetzt wird erforscht, ob sich noch andere physiologische Eigenschaften regelhaft mit der Groesse einer Pflanze aendern.

Dieses Ergebnis ist erstaunlich, weil Pflanzen im allgemeinen als modulare Organismen angesehen werden, also als Lebewesen, die aus austauschbaren, in etwa gleichwertigen Einzelelementen aufgebaut sind. Folgt man dieser Betrachtungsweise, dann sollten sich bei vergleichbaren Rahmenbedingungen die physiologischen Parameter kleiner und grosser Individuen kaum unterscheiden. Warum dies bei Epiphyten anders zu sein scheint, will Dr. Zotz in den kommenden drei Jahren umfassend analysieren. Seine Arbeit wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefoerdert.

Kontakt: Dr. Gerhard Zotz, Telefon (0931) 888-6223, e-mail: zotz@botanik.uni-wuerzburg.de

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