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Kasseler Uni setzt auf Schwerpunkte und internationale Attraktivität

31.10.1997 - (idw) Universität Kassel

Pressemitteilung der GhK Nr. 109/97, 31. Oktober 1997

Start ins Wintersemester 1997/98 Kasseler Uni setzt auf Schwerpunkte und internationale Attraktivität

Kassel. Im Zeichen wissenschaftlicher Schwerpunktbildung und des Ausbaus ihrer internationalen Attraktivität hat an der Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) das Wintersemester 1997/98 begonnen. Unter den jetzt 17.800 eingeschriebenen Studie-renden sind über 2.400 neu nach Kassel gekommen. Gegenüber dem Vorjahr (18.006 bzw. 2.581) hat sich damit - wie bundesweit - die hohe Frage nach Studienplätzen leicht verringert - "besorgniserregend", so GhK-Präsident Prof. Dr. Hans Brinckmann gegenüber der Presse, vor allem in den Ingenieurwissenschaften. Für die GhK hingegen erfreulich: Entgegen den bundesweiten Trends stieg der Anteil internationaler Studenten bei den Anfängerzahlen in Kassel auf jetzt fast 15 Prozent und erreichte bei den Gesamtzahlen bereits fast zehn Prozent. Brinckmann: "Wir erklären das mit der internationalen Attraktivität unserer gestuften Studienangebote und unseren gezielten Bemühungen um internationale Studenten. Außer in Kassel ist für sie die Möglichkeit, entweder mit deutschen Diplomen oder mit den weltweit üblichen Graden eines Bachelor oder Master abzuschließen, in Deutschland noch nicht sehr verbreitet".

Die weitere internationale Orientierung der Kasseler Studienangebote werde deshalb auch im kommenden Semester einer der Schwerpunkte sein. So gehöre die GhK zu den bundesweit nur acht ausgewählten Hochschulen, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in dessen Förderung international ausgerichteter Master-Programme aufgenommen wurden. Das im Fachbereich Elektrotechnik entwickelte, teils englischsprachige MasterProgramm in "Electrical Communication Engineering" werde bereits im kommenden April starten (siehe auch Pressemitteilung 108/97 vom 31. Oktober 1997). Nachdem gestufte Studienangebote wie an der GhK und die Ein-führung von Bachelor- und Master-Graden nun auch im neuen Hochschulrahmengesetz (HRG) und im künftigen Hessischen Hochschulgesetz (HHG) unterstützt würden, so der GhK-Präsident, biete es sich für die Kasseler Uni geradezu an, in ihren gestuften Studienangeboten neben dem Diplom-Abschluss auch diese internationalen Grade zu verleihen und weitere spezifische Master-Programme zu entwickeln.

Die weitere Internationalisierung gehöre zu den profilbildenden Schwerpunkten, die die GhK im vergangenen Semester mit ihrem neuen Hochschulentwicklungskonzept "Zukunft durch Konzentration" beschlossen hat. Dieses Konzept werde derzeit mit dem hessischen Wissenschaftsministerium abgestimmt, wobei es auch um die ab-schließende Klärung der Einstellung von Studiengängen gehe. Zugleich werde im kom-menden Semester mit den gezielten Ausbaumaßnahmen und Schwerpunktbildungen begonnen, z.B. in der weiteren Professionalisierung der Ingenieurausbildung, neuen Schwerpunkten im Maschinenbau oder in der Schulforschung.

Die GhK gehe mit dieser Schwerpunktbildung entschlossen ihre noch aus der Grün-dungsgeschichte verbliebenen Probleme an, um im wissenschaftlichen Wettbewerb aufzuholen und künftig auch in der Einwerbung von Forschungsfördermitteln erfolgreicher zu werden. Sie sei damit bereits auf dem Weg, so Brinckmann, um von dem ver-gleichsweise schlechten Platz in der jüngst veröffentlichten Ranking-Liste der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wegzukommen. Schon jetzt ergebe sich ein etwas positiveres Bild für die GhK, wenn man die DFG-Statistik um diejenigen Hochschulbereiche der GhK bereinige, die - wie die künstlerischen Fachbereiche - für eine DFG-Förderung gar nicht einschlägig seien.

Ein wichtiger Entwicklungsschub für die Naturwissenschaften an der GhK, so Prof. Dr. Brinckmann, werde am 13. November sichtbar, wenn Ministerpräsident Hans Eichel der Universität zwei neue Baukomplexe (Baukosten insgesamt ca. 50 Mio DM), übergeben werde: das Institutsgebäude für Biologie und Chemie (IBC) und das Institutsgebäude für Mikrostrukturtechnologie und Analytik (IMA) . Mit der Besetzung von zwei neuen Fachgebieten der Chemie - der Metallorganischen Chemie und der Makromoleku-laren Chemie - im Fachbereich Physik würden zugleich die ersten Schritte zur künftigen Ausrichtung dieses Fachs eingeleitet, deren Perspektiven an der Kasseler Uni mit der Entwicklung eines neuen interdisziplinären Forschungsschwerpunkts Nanostrukturwis-senschaft verbunden würden. Von den naturwissenschaftlichen Fachbereichen der GhK gemeinsam konzipiert und mit dem Ministerium bereits abgestimmt werde es in der Zusammenarbeit von Physik, Biologie und Chemie sowie den Verbindungen zur Mikroelektronik und den Werkstoffwissenschaften hochmoderne Forschungsfelder erschließen, so der GhK-Präsident. Die Neuorientierung der künftigen chemischen Fachgebiete solle dabei - auch auf der Grundlage eines von der GhK eingeholten exter-nen Gutachtens - so erfolgen, daß Chemie in Forschung und Lehre die natur- und in-genieurwissenschaftlichen Studiengänge profiliere und Chemie auch in der Lehramts-ausbildung (L1, L2, L3) weiterhin in Kassel studiert werden könne. Dagegen seien in den bisherigen Diplom-Studiengang Chemie in diesem Semester erstmals keine Anfänger mehr aufgenommen worden.

Auch die wissenschaftliche Schwerpunktbildung "Nachhaltige Landnutzung und Regio-nalentwicklung" am GhK-Standort Witzenhausen wurde vom hessischen Wissenschaftsministerium bereits akzeptiert und erste Realisierungsschritte genehmigt, wie Brinckmann mitteilte. Seit Ende September liege die genehmigte Prüfungsordnung für den gestuften Diplomstudiengang Ökologische Landwirtschaft vor, der dort zum vergangenen Wintersemester eingerichtet worden sei und entsprechend dem "Kasseler Modell" ein erstes und zweites Diplom als Agraringenieur, die entsprechenden internationalen Grade eines Bachelor und Master sowie die Promotion ermögliche. Für vier neue Professuren seien die Berufungsverfahren derzeit im Gange. Bereits zum Wintersemester 1998/99 werde die GhK dort zwei weitere Studienprogramme als Vertiefungsrichtungen anbieten: Nachhaltige Regionalentwicklung und Landschaftsökologie/Umweltsicherung. Die Ausschreibung von vier Professuren dafür werde in den nächsten Wochen erfolgen.

Weitere Schritte bei der Umsetzung des neuen Hochschulentwicklungskonzepts, so der GhK-Präsident, stünden nun mit der konkreten Strukturplanung für die Kunsthochschule der Universität an. Eine von den drei künstlerischen Fachbereichen gebildete Kom-mission werde dazu innerhalb der nächsten Monate Vorschläge entwickeln. Diese Kommission habe auch seinen Vorschlag aufgegriffen, sich dabei von einem externen Berater und Moderator unterstützen zu lassen und den ehemaligen Bundesbildungsmi-nister und schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Björn Engholm gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen. Engholm, der mit dem Kasseler Kunsthochschulbereich seit vielen Jahren auch persönlich verbunden sei, habe inzwischen zugesagt und werde diesen Planungsprozess ein Jahr lang begleiten.

"Mit all diesen Schritten wollen wir die Wettbewerbsfähigkeit der GhK ausbauen, unse-re Stärken vertiefen und unsere Leistungsfähigkeit in Lehre und Forschung steigern", so Präsident Brinckmann. Wohl als erste deutsche Universität werde die GhK im kommenden Semester deshalb auch ein "Leitbild zum beruflichen Selbstverständnis" ihrer Professorinnen und Professoren verabschieden, das im Entwurf bereits vorliege und derzeit in den Fachbereichen diskutiert werde. "Wir möchten damit selbst die kritische öffentliche Diskussion über die Leistungen der Hochschullehrer aufgreifen und hoch-schulintern wie gegenüber der Öffentlichkeit zu Transparenz und zu einer klaren Orien-tierung beitragen". Mißverständnisse, Vorurteile oder Mißgunst könnten nur dann vermieden werden, wenn die komplexe Tätigkeit von Professoren als Hochschullehrer, Forscher, Manager und Projektpartner durchsichtig und der Öffentlichkeit einsichtig sei. Brinckmann. "Wir werden damit erstmals gemeinsam erarbeitete und klar formulierte Erwartungen benennen, denen die Professorinnen und Professoren entsprechen wollen, an denen sie aber auch gemessen sein wollen".

Nicht zuletzt wird das kommende Wintersemester an der GhK von wesentlichen Ver-änderungen in den Finanzen geprägt sein. Bereits seit 1995 nimmt die GhK wie die Technische Universität Darmstadt am hessischen Modellversuch "Globalhaushalt" teil. Wie der Kanzler der GhK, Dr. Hans Gädeke, mitteilte, habe sie sich nun bereit erklärt, ab 1998 diesen Versuch fortzuentwickeln: d.h. mit einem fest zugewiesenen Budget zu arbeiten, das dann auch die Personalmittel einbezieht, und zugleich auf kaufmännische Buchführung, Kosten- und Leistungsrechnung sowie Controlling überzugehen. Gädeke: "Das sind für eine staatliche Universität völlig neue Wege, von denen wir uns mehr Effizienz und mehr eigene Gestaltungsmöglichkeiten versprechen". Als Preis dafür habe die GhK eine sogenannte "Effizienzdividende" von 2 Prozent der veranschlagten Personalmittel und drei Prozent der veranschlagten Sachmittel zu erwirtschaften. "Da die GhK allerdings schon bislang Haushaltskürzungen ähnlichen Umfangs ausgesetzt war, denen dann künftig vorgebeugt ist, ist dieser Preis vertretbar und verschafft uns wenigstens Planungssicherheit", so der Kanzler.

Trotz ihrer finanziellenEngpässe will die GhK im neuen Semester auch für die breite Öffentlichkeit wieder eine Offene Hochschule sein, wie Präsident Brinckmann unterstrich. "High lights" im öffentlichen Programm der Universität seien insbesondere zwei Veranstaltungsreihen, deren Ankündigung schon im Vorfeld auf enorme Resonanz gestoßen sei: Eine Vorlesungsreihe - immer dienstags ab 17.15 Uhr - zum Thema Evolution habe am 28. Oktober begonnen. Die andere begleite - jeweils mittwochs um 18.30 Uhr - die Inszenierung von Wagners Ring am Kasseler Staatstheater und beginne am 12. November. "Einblicke" in die GhK werde eine gleichnamige Ausstellung ab 3. November im Kasseler Rathaus geben. Und auch vor Ort bestehe Gelegenheit, sich von der GhK ein eigenes Bild zu machen, so am 5. November bei einem Tag der Offenen Tür im Fachbereich Elektrotechnik und am 16. November beim Tag der Forschung in den na-turwissenschaftlichen Fachbereichen der GhK. bar

Infos zum Thema: Dr. Armbruster, T: (0561) 804-2217


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