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Jahresbericht d. Präsidenten

21.07.1997 - (idw) Universität Bayreuth

Medienmitteilung der Uni Bayreuth, Nr. 41/97, 21. Juli 1997

Bayreuths Uni-Praesident gab seinen letzten Jahresbericht

BEDROHUNG DER STRUKTUREN UND DIE NOTWENDIGKEIT, SICH DARAUF VORZUBEREITEN

Uni bei Drittmitteleinwerbung weit vorn - 'Guetesiegel in Gefahr'

Bayreuth (UBT). Deutliche Kritik - 'Bedrohung der Strukturen' - an den kommenden gesetzlichen Vorgaben fuer die Hochschulen, aber auch mit dem fast schon beschwoerenden Hinweis an die Mitglieder seiner Universitaet, diese Aenderungen ernst zu nehmen und sich auf strukturelle Diskussionen vorzubereiten, hat jetzt der Bayreuther Universitaetspraesident Professor Dr. Helmut Buettner vor der Versammlung seiner Hochschule seinen sechsten und damit letzten Jahresbericht waehrend seiner Amtszeit abgegeben.

Staerken-Schwaechen-Analyse empfohlen

'Offensichtlich ist das Bewusstsein, wie problematisch die Lage der Universitaet ist, noch nicht zu allen Mitgliedern durchgedrungen', sagte Buettner und verwies darauf, dass in Baden- Wuerttemberg ein Solidarpakt zwischen Hochschule und Landesregierung geschlossen wurde, bei dem die Hochschulen in 10 Jahren 10 % ihrer Stellen einsparen muessten. Ein Drittel dieser Stellenwerte koennten die Universitaeten als Geld zurueckbekommen, ein weiteres Drittel sei fuer Strukturmassnahmen vorgesehen, das letzte Drittel fuer immer verloren. Buettner: 'Dies sehen die Universitaeten in Baden-Wuerttemberg als einen Gewinn an.' Fuer Bayreuth wuerde ein aehnliches Modell bedeuten, 'dass wir pro Jahr 10 Stellen einsparen muessen.' Zwar sei dies in dem Masse nicht zu erwarten, aber, so unterstrich der Universitaetspraesident, man habe sich vorzubereiten auf strukturelle Diskussionen. Er empfahl seiner Hochschule eine 'ehrliche' Staerken-Schwaechen-Analyse, um die 'kommenden schwierigen Zeiten' zu ueberstehen.

Griffige Argumentation

Nur durch 'extrem griffige Argumentationen des Senats' sei man bisher darum herumgekommen, in den letzten fuenf Jahren unter den Bedingungen des bayerischen Haushaltsgesetzes 'mehr Stellen zu opfern, weil ganz deutlich war, Einsparungen in diesem Ausmass gehen nur mit strukturellen Veraenderungen'.

Der Bayreuther Universitaetspraesident erinnerte daran, dass der Bayerische Oberste Rechnungshof die katholischen Fakultaeten im Lande unter die Lupe genommen habe und zu dem Ergebnis gekommen sei, drei davon koennten eingespart werden. Das einzige Argument sei dabei die sogenannte Auslastung in der Lehre. 'Es wird also die Perversion betrieben, dass man die Kapazitaetsverordnung hernimmt, die allein dazu erfunden wurde, Ueberlasten zuzuweisen und die jetzt mit den selben Zahlen hergenommen wird, eine zu geringe Auslastung in der Lehre festzustellen', kritisierte Professor Buettner und weiter: 'Einziges Argument des Rechnungshofes ist: Da ist zu viel Lehrkapazitaet, also weg damit!' Der Stellenwert der Forschung werde in dem fuenfseitigen Bericht allerdings nur mit einer Dreiviertel Seite beruecksichtigt.

Dieses alles bedeute aber, warnte der Universitaetspraesident seine Hochschule, 'dass wir Studenten in verschiedenen Faechern gewinnen muessen, mit welchen Massnahmen auch immer'. Man werde attraktiv sein muessen, durch schnelle Studienzeiten und mit Ausbildungsleistungen, die den Absolventen 'gut ins Berufsfeld helfen'. Dass in einigen Bereichen der Bayreuther Universitaet die Studienzeiten 'exorbitant gestiegen sind', sei zwar keine Sache der Universitaet allein, sondern haenge wesentlich mit der Arbeitsmarktsituation zusammen, 'aber das wird uns in Zukunft angelastet werden'.

Schiefes DFG-Bild korrigiert

Bezueglich der Forschung bilanzierte Professor Buettner ein positives Ergebnis. Zusammen mit anderen Universitaeten sei es gelungen, das schiefe Bild, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vor einiger Zeit dadurch gezeichnet habe, die groessten Universitaeten im Lande deswegen zu den forschungsstaerksten zu erklaeren, weil man die absoluten Zahlen der Drittmitteleinwerbungen addiert hatte, sei zurechtgerueckt worden. Die DFG habe inzwischen eine Liste erstellt, bei der die Drittmitteleinwerbung bezogen auf das wissenschaftliche Personal berechnet werde und dort sei die Universitaet Bayreuth nach vier technischen Universitaeten und zwei weiteren an siebter Stelle gefuehrt. Er wundere sich, dass diese Liste nicht veroeffentlicht werde, sagte Professor Buettner weiter und wies darauf hin, dass es schwer sein werde, dies Plazierung zu erhalten. Denn: 'Wenn der Staat nach solchen eingeworbenen Mitteln sein Geld verteilt, wird der Run auf solche Gelder groesser werden.'

Auch sah er 'ein besonderes Guetesiegel' in Gefahr, wenn die Zahl der Studenten und Absolventen ungewichtet als Masszahl fuer Mittelzuwendungen verwendet wird. Denn die Zahl der Wegberufungen sei in Bayreuth fast doppelt so hoch wie an vielen anderen Universitaeten. Professor Buettner: 'Und dafuer sollen wir bestraft werden.'

Der Bayreuther Universitaetspraesident, der seine Amtszeit mit Ablauf des Sommersemesters zum 30. September beendet, verwies darauf, dass waehrend seiner Amtszeit 45 Berufungen vorgenommen wurden, was knapp 30 % aller Bayreuther Professoren bedeute. Diese neuen Hochschullehrer muesse man auch dadurch integrieren, dass man ihnen mehr Verantwortung zuweise. Im gleichen Zeitraum habe er 25 Bleibeverhandlungen fuer C 4-Professoren fuehren muessen, mit einem knapp positiven Ergebnis, denn nur 12 Hochschullehrer habe man ziehen lassen muessen. Buettner: 'Wenn man sich die Zahlen genauer anguckt, sieht man, dass hier eine dramatische Strukturschwaeche liegt. Denn von zehn Bleibeverhandlungen bei den Geisteswissenschaften ist nicht eine erfolgreich gewesen.' Eine attraktive Universitaet habe ueberhaupt das Problem, wie diese Zahlen belegten, dass sie bei Schwaechen in der Ausstattung nicht in der Lage seien, den attraktiven Angeboten anderer, vor allem alter, gut ausgestatteter Universitaeten, etwas entgegenzuhalten.

Weitere Attraktionen

Zu den weiteren Attraktionen seiner Hochschule zaehlte der Bayreuther Universitaetspraesident die Zahl der Humboldt- Stipendiaten und Humboldt-Preistraeger, deren Anzahl von 1995 auf 1996 von 21 auf 30 gestiegen sei. Hier gelte es, sagte Professor Buettner, 'der oberflaechlichen Attraktivitaet anderer Universitaeten eine gute Betreuung dieser Gaeste entgegenzusetzen.'

Professor Buettner, der einraeumte, dass in verschiedenen Faechern 'durchaus Schwaechen bei den Habilitationen zu erkennen seien, andererseits sich die Lage bei den Promotionen stabilisiert habe und besonders durch die Arbeitsmarktsituation angestiegen sei, aeusserte sich zufrieden darueber, dass nach den Oekonomen nun auch die Juristen eine foermliche Abschiedsfeier vornehmen und damit 'rund 40 % unserer Absolventen in solcher feierlicher Form' verabschiedet werden. Er empfahl seiner Hochschule die Ueberlegung, ob man dies nicht auch fuer die Promotionen vorsehen sollte.

Der Uni-Praesident verwies in seinem Bericht auch darauf, dass die Zahl der Studienanfaenger deutlich zunehmen werde, andererseits 'in Zeiten hoher Ausbildungslast' an eine Verbesserung der Ausstattung der Hochschulen aufgrund mangelnder Finanzen nicht zu denken sei. Diese Situation werde nun fortgeschrieben, obwohl in den letzten 15 Jahren die Studienzahlen um 70 % gestiegen sei, waehrend sich die Ausstattung gerade mal um knapp 10 % erhoeht habe. Professor Buettner: 'Das zeigt die ganze Dramatik des Gesetzentwurfes, der natuerlich versucht effizientere Strukturen hinzukriegen'.

Experimentierklausel nutzen

Er habe aber Zweifel, ob diese Strukturverbesserungen alleine ausreichten, 'um dieser auf uns zukommende Ueberlast vernuenftig und qualitaetsvoll zu begegnen'. Mit der sogenannten 'Experimentierklausel' im Gesetzentwurf sei allerdings ein Instrument vorhanden, das er seiner Hochschule empfahl anzuwenden, damit 'die Universitaet Bayreuth ihre spezifischen Besonderheiten darstellen kann'. Er empfahl der Universitaet weiter ihren Schwung auch in das 24. Jahr ihrer Existenz und darueber hinaus zu retten und prognostizierte, man werde bei 'dieser Bedrohung der Strukturen nur weiterkommen, wenn man mit der richtigen Gelassenheit, aber auch mit dem richtigen Aerger zur richtigen Zeit reagiert'.


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