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Streik in der Öffentlichkeit positiv aufgenommen

04.03.1998 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Bochum, 04.03.1998 Nr. 48

Mit Bochum stieg die Öffentlichkeitswirkung

Positive Resonanz auf Protestaktionen

RUB-Studenten befragten Ruhrgebiets-Bevölkerung

Auch wenn so manche Einschätzung der Zustände an den Unis falsch war - der Streik der Studierenden im November und Dezember 1997 stößt in der Bevölkerung auf eine überwiegend positive Resonanz. Dies ist ein zentrales Ergebnis einer Untersuchung über die Wahrnehmung und Beurteilung des Streiks, die die Studenten Dietmar Feldmann und Michael Jentsch am Fachbereich Pädagogik der RUB initiiert und durchgeführt haben. Und: Mit dem Streikbeginn in Bochum hat die Öffentlichkeitswirkung der Protestaktionen deutlich zugenommen, bedingt durch ausführliche Berichterstattungen in Fernsehen, Zeitung und Radio.

Befragung von Passanten

Feldmann und Jentsch befragten mit Hilfe weiterer Seminarteilnehmer (Seminar ,Einführung in die empirischen Forschungsmethoden", Leitung: Dr. Jürgen Abel, Uni Münster) zwischen dem 06. und 10. Dezember 1997 insgesamt 152 zufällig angetroffene Passanten in Bochum, Dortmund, Oberhausen und Kamp-Lintfort. In etwa 10-minütigen Leitfadeninterviews gaben die Befragten an, wann sie zum ersten Mal vom Studierendenprotest gehört hatten, welche der im Streik geäußerten Forderungen sie kannten, wie sie die Situation an den Universitäten einschätzen und ob sie die Aktionen der Studenten unterstützen. Auch sollten sie die Form der Protestaktionen bewerten.

Friedlich und demokratisch

Deutlich überwiegen positive Beurteilungen der verschiedenen Protestformen, etwa der Demonstrationen, öffentlichen Kundgebungen und Alternativveranstaltungen: ,originell", ,informativ", ,geordnet", ,anerkennenswert", ,demokratisch" und ,friedlich" waren sie nach Ansicht der Befragten, von denen nur wenige den Aktionen attestieren, sie seien ,langweilig", ,konfus" oder gar ,gewalttätig" gewesen. Allerdings gaben 35 Prozent der Befragten an, die Proteste seien ,nicht radikal genug", um die Forderungen durchzusetzen, und 16 Prozent hielten die während der Studentenunruhen 1968 praktizierten Formen für ,eindeutig besser".

"Die brauchen mehr Geld"

Was die Forderungen der Studierenden betrifft, und somit den Ist-Zustand an den Universitäten, zeigt sich, daß die Bevölkerung nur einen Teil der angeprangerten Mißstände wahrgenommen hat: ,bessere Bibliotheksausstattungen", ,mehr Bafög", ,keine Studiengebühren" und ,neue Stellen" gehören demnach zu den in der Öffentlichkeit bekannten Forderungen, basierend auf der Resolution der RUB-Vollversammlung vom 25.11.1997. Hingegen erwiesen sich die Punkte ,keine Zwangsexmatrikulation", ,Förderung von Frauen, Behinderten und Eltern", ,Demokratisierung der Hochschulgremien" sowie ,politisches Mandat für Studierende" als weniger bis gar nicht geläufig. Ergo antworteten viele Befragte mit Allgemeinplätzen wie ,die Zustände an den Universitäten sind schlecht" oder ,die brauchen mehr Geld". Außerdem benannten die Befragten Mißstände, die nicht Gegenstand der Bochumer Resolution waren: Weder forderten die RUB-Studierenden, größere Hörsäle müßten gebaut werden, noch, dass (sic!) die Rechtschreibreform verboten werden solle.

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