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Professor Schneider verunglückt

03.09.1997 - (idw) Universität Bayreuth

Medienmitteilung der Uni Bayreuth, Nr. 50/97, 3. September 1997

Beim Bergsteigen toedlich verunglueckt

TRAUER UM DEN MATHEMATIKER PROF. DR. MICHAEL SCHNEIDER

Beliebter Hochschullehrer und angesehener Forscher wurde nur 55 Jahre alt

Bayreuth (UBT). Trauer an der Universitaet Bayreuth um den Mathematiker Professor Dr. Michael Schneider. Der Wissenschaftler ist am vergangenen Freitag beim Bergsteigen - seiner zweiten grossen Passion neben der Mathematik - in den franzoesischen Alpen toedlich verunglueckt, wie jetzt bekannt wurde. Professor Schneider, der seit 1980 den Lehrstuhl fuer Algebraische Geometrie inne hatte, wurde 55 Jahre alt.

Professor Schneider galt wegen seines Engagements in Lehre und Forschung bei Studenten, Mitarbeitern und Kollegen als ein sehr beliebter Hochschullehrer. Die Lebhaftigkeit seines Vortrags und sein dynamischer Stil sprach die Studenten direkt an.

Als Forscher war Michael Schneider international angesehen. Er ist der Verfasser eines sehr bekannten Lehrbuches (Vector Bundles on Complex Projective Spaces) und hat - zum Teil in internationaler Kooperation mit Mathematikern z. B. aus den USA, Frankreich, Italien und Rumaenien - etwa 60 wissenschaftliche Publikationen veroeffentlicht.

Seine Bedeutung innerhalb der Mathematik wird auch dadurch unterstrichen, dass er Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) war, eine gewichtige Funktion im deutschen Wissenschaftsgefuege, denn die DFG-Fachgutachter werden aus den Reihen der Wissenschaftler selbst gewaehlt. Ausserdem gehoerte er dem wissenschaftlichen Beirat des Forschungszentrums Oberwolfach an, das als international geschaetztes und anerkanntes Tagungszentrum der Mathematiker gilt. Und weiterhin war er zwischen 1984 und 1995 Mitherausgeber des "Journal fuer Reine und Angewandte Mathematik", der aeltesten Zeitschrift der Mathematiker.

Das Fach, das Professor Schneider vertrat, beschaeftigt sich mit den Loesungen sehr komplizierter Gleichungssysteme. Deren Loesungsmengen bilden geometrische Objekte, sogenannte Mannigfaltigkeiten. Die wiederum spielen juengst auch in der Theoretischen Physik, z. B. bei Weltmodellen, eine Rolle.

Der gebuertige Muenchner studierte in seiner Heimatstadt Mathematik und promovierte auch dort. Habilitiert wurde er in Regensburg, wo er auch als Assistent taetig war. Spaeter ging er an die Universitaet Goettingen und wurde von dort an die Bayreuther Universitaet berufen. Dort half er damals mit, sein Fach zu etablieren und die Fakultaet fuer Mathematik und Physik mit aufzubauen und zu deren guten Ruf beizutragen, die sie in den Wissenschaften geniesst.

Professor Schneider war es auch, der wesentlich dazu beitrug, dass das Graduiertenkolleg "Komplexe Mannigfaltigkeiten" in Bayreuth etabliert wurde. Er war auch der erste Sprecher dieses Kollegs. Ziel solcher Graduiertenkollegs, die auch von der DFG eingerichtet werden. ist es, das Promotionsstudium effizienter zu gestalten.

Das letzte von Michael Schneider organisierte und vorbereitete internationale Kompaktseminar fuer Promotionsstudenten wird trotz seines tragischen Todes Ende Oktober stattfinden.

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