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Vergleichende Städtegeschichte

14.03.1997 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

upm-Pressemitteilung der Universitaet Muenster 75/97 - 14. Maerz 1997

Vergleichende Staedtegeschichte

Prof. Dr. Heinz Stoob starb im Alter von 77 Jahren

Prof. Dr. Heinz Stoob, ehemaliger Direktor des Historischen Seminars und der Abteilung fuer Westfaelische Landesgeschichte der Universitaet Muenster, ist am 13. Maerz im Alter von 77 Jahren gestorben. Internationales Ansehen erwarb sich der muenstersche Historiker insbesondere im Bereich der vergleichenden Landes- und Staedtegeschichte. Von 1969 bis 1979 leitete er das von ihm selbst gegruendete Institut fuer vergleichende Staedtegeschichte an der Universitaet Muenster.

Heinz Stoob stammte aus Hamburg. Das an der dortigen Universitaet 1942 aufgenommene, durch den Krieg unterbrochene Studium konnte er 1950 mit einer Promotion ueber "Die Dithmarischen Geschlechterverbaende" bei Hermann Aubin abschliessen. Neben Aubin hat der Staedteforscher Erich Kayser schon waehrend des Studiums auf seine wissenschaftliche Entwicklung entscheidend Einfluss genommen. An Kaysers "Forschungsstelle fuer Staedtegeschichte" in Marburg wurde Heinz Stoob seit 1952 neben der Archivausbildung an der Marburger Archivschule und im Archivdienst dere Hamburger Landeskirche taetig. 1958 habilitierte er sich an der Hamburger Universitaet mit einer Arbeit zur "Geschichte Dithmarschens im Regenten- Zeitalter".

1964 wurde Prof. Stoob an die Universitaet Muenster berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1985 die Leitung der Abteilung fuer Westfaelische Landesgeschichte des Historischen Seminars innehatte. In dieser Position versuchte er nach eigenem Bekenntnis stets, "historische Zusammenhaenge vom Rheindelta bis nach Daenemark, vom Saarland bis in das Elb-Saale-Gebiet aufzusuchen". In Westfalen sah er die Mitte eines so angelegten Forschungsplans.

Prof. Stoob hat Landesgeschichte, obwohl das Schwergewicht seiner Forschungen stets auf dem niederdeutsch-hansischen Raum lag, immer als vergleichende Landesgeschichte betrieben, wobei er in seinen Arbeiten auf alle deutschen Landschaften, ja oft genug ueber die deutschen Grenzen hinaus, ausgriff. Von dieser landesgeschichtlichen Basis aus stiess er in reichsgeschichtliche Zusammenhaenge vor, so in seinen Forschungen zur Geschichte Kaiser Lothars III. und Kaiser Karls IV.. Sein Hauptinteresse galt jedoch von jeher der Geschichte der abendlaendischen Stadt vom Hochmittelalter bis zum Ende des alten Reichs am Beginn des 19. Jahrhunderts. Diesem Thema widmete er eine Fuelle wissenschaftlicher Arbeiten, darunter eine Reihe bahnbrechender Aufsaetze, die die internationale Forschung zur Staedtegeschichte entscheidend beeinflusst haben. Dazu gehoeren vor allem auch seine Bemuehungen um die kartographische Darstellung des mittelalterlichen und neuzeitlichen Staedtewesens, insbesondere um den "Deutschen Staedteatlas". Seiner Initiative ist die Gruendung des "Instituts fuer vergleichende Staedtegeschichte" an der Universitaet Muenster zu verdanken, das vom "Kuratorium fuer vergleichende Staedtegeschichte" getragen wird. In enger Verbindung mit diesem seit 1969 bestehenden Institut stand der Sonderforschungsbereich 164 "Vergleichende Geschichtliche Staedteforschung", der von 1976 bis 1986 an der Universitaet Muenster Themen der Staedteforschung in interdisziplinaerer Zusammenarbeit untersuchte.

Das wissenschaftliche Ansehen von Prof. Dr. Heinz Stoob dokumentierte sich auch in der Mitgliedschaft in zahlreichen historischen Kommissionen des In- und Auslandes. Auch in den letzten Jahren ist der Historiker nicht untaetig geblieben: So publizierte er eine Biographie Karls IV. und eine Gesamtdarstellung zur Geschichte der Hanse.

Mit freundlichem Gruss

Norbert Frie


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