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Genozid- und Diasporaforschung an der RUB

09.02.1998 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Bochum, 09.02.1998 Nr. 35

Von kollektiver Gewalt bis zum Völkermord In Deutschland gänzlich neue Forschungsperpektive RUB bekommt An-Institut für Diaspora- und Genozidforschung

Die einzige Forschungseinrichtung in Deutschland, die sich schwerpunktmäßig mit vergleichenden Fragestellungen des Völkermords und der Diaspora befaßt, wird neues An-Institut der RUB. Der Senat der RUB hat in seiner letzten Sitzung des Wintersemesters am 5. Februar dem Antrag des ,Instituts für Diaspora- und Genozidforschung" (IDG, Direktor: Dr. Mihran Dabag) auf Anerkennung als wissenschaftliche Einrichtung an der RUB nach § 36 UG (Universitätsgesetz NRW) stattgegeben; jetzt muß nur noch das Wissenschaftsministerium NRW zustimmen. An-Institute sind selbständige Einrichtungen mit Aufgaben, die nicht von der Hochschule ausgefüllt werden. Sie kooperieren eng mit der Hochschule in Forschung und Lehre. Für die RUB ist das IDG bereits das siebte An-Institut.

Die Moderne - ein Jahrhundert geprägt von Völkermord und Vertreibung

1915/16 hat der Genozid der jungtürkischen Regierung an der westarmenischen Gemeinschaft den ,Völkermord-Reigen" im 20. Jahrhundert eröffnet: ca. 1,5 Millionen Menschen fielen ihm zum Opfer. Den größten Völkermord im 20. Jahrhundert verübten die Deutschen an mehr als 6 Millionen Juden, Sinti und Roma während des 2. Weltkriegs. Ein Jahrhundert, das als Versprechen der Moderne begonnen hat, brachte Gewalt, Völkermord und Vertreibung: die Bereitschaft zur totalen Vernichtung und eine Gewalt, die spezifische tätermögliche Strukturen und Institutionen schuf.

Dem Trauma von Überlebenden auf der Spur

Mit dem Vergleich von Völkermorden, Vertreibungen, ihren Strukturen und spezifischen Ausprägungen beschäftigt sich das IDG. 1989 als Arbeitsschwerpunkt Armenische Studien an der Sektion für Sozialpsychologie und Sozialanthropologie der RUB entstanden (Lehrstuhl von Prof. Dr. Helmut Nolte, Fakultät für Sozialwissenschaft) realisierte es Projekte zeitgeschichtlicher, historischer sozialwissenschaftlicher und psychologischer Fragestellungen der Migrationsforschung, der Vergleichenden Diasporaforschung, der Genozidforschung und Traumaforschung bei Überlebenden von Genoziden. Forschungsprojekte des IDG befassen sich u.a. mit der ,Definition des Opfers im Prozeß des Völkermords", mit ,Krieg und Ideologie - Kriegsziele als ideologische Ziele und als `Deckmantel' genozider Prozesse", mit ,Nationenbildung und Gewalt im 20. Jahrhundert", mit Studien zum Überlebenstrauma wie ,Individuelle Erfahrung und kollektives Trauma", ,Transmission und Trauma in der Generationenfolge", der ,Armenischen Diaspora seit 1065" sowie mit ,Bild und Katastrophe - Die Erfahrung von Verfolgung und Vernichtung in den Bildmedien".

Kooperationen im In- und Ausland

Das IDG ist eine Einrichtung der Stiftung für Armenische Studien im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Essen). Diese Stiftung ist eine private, durch Spenden getragene Einrichtung, die die Arbeiten des Instituts sichert. Das IDG kooperiert mit Forschungseinrichtungen des In- und Auslands, darunter dem Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen, dem Copenhagen Peace Research Institut (Dänemark), dem Institute on the Holocaust and Genocide (Jerusalem, Israel), dem Montreal Institut for Genocide and Human Rights (Montreal, Kanada). Ein wissenschaftlicher Beirat, dem u.a. Prof. Aleida Assmann (Konstanz), Ralf Giordano (Köln), Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Knut Ipsen (Bochum), Prof. Dr. Wolfgang Mommsen (Düsseldorf), Prof. Dr. Marc Nichanian (New York), Prof. Dr. Lutz Niethammer (Jena) und Prof. Dr. Julius H. Schoeps (Potsdam) angehören, berät das IDG.

RUB kooperiert bald mit sieben An-Instituten

Das IDG ist bereits das siebte An-Institut der RUB, die Kooperationen pflegt mit: Institut für Arbeiterbildung (FIAB, Recklinghausen), Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI, Bochum), Berufsgenossenschaftliches Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin (BGFA, Bochum), Institut für Umwelthygiene und Umweltmedizin des Hygiene-Instituts des Ruhrgebiets (Gelsenkirchen), Institut für Kanalisationstechnik (IKT, Gelsenkirchen), Institut für Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung (InWIS, Bochum).

Weitere Informationen

Institut für Diaspora- und Genozidforschung, Universitätsstraße 142, 44799 Bochum, Tel. 0234/70 79 78, Fax: 0234/70 80 79, E-Mail: IdgBochum@aol.com


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