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Molch prüft Pipelines auf feinste Risse

29.10.1997 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Sonderausgabe: Fraunhofer-Preise 1997

Thema 6 Molch prüft Pipelines auf feinste Risse

Schäden an Öl- oder Gas-Pipelines können zu Umweltkatastrophen und erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führen. Echte Prävention war bisher nicht möglich, weil kleine Risse nicht erkannt werden konnten. Ein neuer Rißprüfmolch sorgt nun für höchste Sicherheit.

Mehr als drei Millionen Kilometer Hochdruckpipelines sind weltweit verlegt, und jährlich kommen 25 000 Kilometer hinzu. Doch je älter diese Rohrleitungen werden, um so größer wird die Gefahr von Leckagen. Umweltkatastrophen und enorme wirtschaftliche Schäden sind die Folge. Bisherige Prüfmolche erkennen Schadstellen durch Sichtprüfung, Geometrie- und Wanddickenmessung. Das reicht für eine echte Prävention nicht aus. Gerade in älteren Rohrleitungen treten aufgrund von Korrosion und permanenter Belastung Risse auf, die wegen ihrer geringen Größe bisher nicht erkannt werden konnten. Ein neuer Rißprüfmolch, den das Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP gemeinsam mit der Fraunhofer-Technologie-Entwicklungsgruppe TEG und dem Forschungszentrum Karlsruhe im Industrieauftrag des Pipeline-Service-Unternehmens Pipetronix entwickelt und gebaut hat, sorgt jetzt für Sicherheit. Die Fraunhofer-Ingenieure und Projektleiter Harald Egner von der TEG sowie Rudolf Neumann und Werner Bähr vom IZFP erhalten für diese Leistung den Fraunhofer-Preis 1997.

Der mehr als acht Meter lange und über vier Tonnen schwere High-Tech-Rißprüfmolch besteht aus zwei hermetisch dichten Behältern für Batterien und Elektronik sowie dem Sensorträger. Der Molch muß bei seiner bis zu 250 Kilometer langen Inspektionsfahrt extrem hohe Drücke bis 120 MPa, Beschleunigungen bis zum 20fachen der Erdanziehung und heftige Vibrationen aushalten. Er muß in Sibirien bei minus 40 Grad C genauso funktionieren wie im Golf von Mexiko bei plus 60 °C. "Diese extremen Anforderungen lösten wir", so Rudolf Neumann, "durch gezielte Auswahl von robusten Bauelementen und Elektronikschaltungen, das Design der Mechanik und die geschickte passive Kühlung der Elektronik." Maximal 896 Ultraschallsensoren können die Rohrwand auf feinste Risse kleiner 1 mm Tiefe und 30 mm Länge untersuchen. Entwicklung und Bau dieses Prüfgerätes kosteten zwar viele Millionen, doch nun bringt es dem weltweit aktiven Pipeline-Service-Unternehmen die Investitionen zurück. Denn mit dieser Molchtechnik hat die Karlsruher Firma Pipetronix eine Alleinstellung am Weltmarkt erreicht. Nach mehreren Fahrten in Europa und Kanada zieht der Rißprüfmolch nun durch die Pipelines der Welt und sorgt für Sicherheit.

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen: Dipl.-Ing. Rudolf Neumann Telefon 06 81/3 02-38 90, Telefax 06 81/3 30 54 Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP Universität, Gebäude 37, D-66123 Saarbrücken email: neumann@izfp.fhg.de

Die Fraunhofer-Preise

Seit 1978 verleiht die Fraunhofer-Gesellschaft alljährlich Preise für herausragende wissenschaftliche Leistungen ihrer Mitarbeiter zur Lösung anwendungsnaher Probleme. Entsprechend der Kernkompetenzen der 47 Fraunhofer-Institute können Bewerbungen in folgenden vier Forschungsgebieten eingereicht werden: - Mikroelektronik und Physikalische Technologie - Informationstechnik und Computer-unterstützte Techniken, Produktionsautomatisierung - Werkstoffe und Bauteile, Fertigungstechnologien - Verfahrenstechnik inklusive Biotechnik, Energie- und Bautechnik, Umwelt und Gesundheit Für Arbeiten, die aus fachlichen Gründen nicht in diese Kategorien fallen, ist ein Sonderpreis möglich.

Ein Preiskomitee - bestehend aus vier Mitgliedern der Fraunhofer-Gesellschaft und bis zu vier externen Mitgliedern aus Universitäten, anderen Forschungseinrichtungen oder Industrieunternehmen - entscheidet über die Vergabe von maximal zwei Preisen je Forschungsgebiet. Das Gremium beurteilt die eingereichten Arbeiten, die nicht älter als zwei Jahre sein sollten, nach der Neuartigkeit ihres wissenschaftlich-methodischen Ansatzes, nach dem Erkenntnisfortschritt und nach dem Erfolg bei der Umsetzung in industrielle Anwendungen. Die mit jeweils 10 000 Mark dotierten Preise werden den Gewinnern auf der jährlichen Mitgliederversammlung der Fraunhofer-Gesellschaft vom Präsidenten überreicht.


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