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CeBIT: Das beamende Klassenzimmer

18.03.1997 - (idw) Gerhard-Mercator-Universität Duisburg (bis 31.12.2002)

CeBIT '97: Das beamende Klassenzimmer

Wie die Idee vom "elektronischen Klassenzimmer" verwirklicht werden kann, zeigt die Arbeitsgruppe COLLIDE (Collaborative Learning with Intelligent Distributed Environments) von der Universitaet Duisburg auf der CeBIT `97.

Beamer, Touchscreen und Multimedia heissen die elektronischen Hilfsgeraete, mit denen eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Hans Ulrich Hoppe von der Universitaet Duisburg den Schulunterricht modernisieren will. Mit Schuetzenhilfe der Europaeischen Union und eines deutschen Elektronikkonzerns haben die Wissenschaftler ein Lernsystem entwickelt, das im Prinzip aus einer beruehrungsempfindlichen elektronischen Wandtafel und einem computergesteuerten Projektionsgeraet besteht.

Keine Einzelarbeitsplaetze

Das Vorurteil, im elektronischen Klassenzimmer wuerden die Schueler sozial isoliert und dumpf vor ihren Bildschirmen brueten, ist Schnee von gestern. Die Arbeitsgruppe der Duisburger Mercator-Universitaet will die vorhandene Lernsituation im Klassenraum durch den Computer anreichern, ohne voellig neue Gruppensituationen zu definieren. Informatik-Professor Dr. Hans Ulrich Hoppe: "Wir wollen die Traditionen einer gewachsenen Lernkultur beibehalten, denn der vom Lehrer moderierte Unterricht stellt nach wie vor die haeufigste GruppenLernsituation dar. Ziel ist es, die Praesentations- und Kommunikationsmoeglichkeiten in der Unterrichtssituation qualitativ zu verbessern."

Computer im handlichen Format

Deshalb ist die Ausstattung der Schueler der Sekundarstufen I und II mit eigenen Laptops ein wichtiger Bestandteil der Idee vom "computerintegrierten Klassenraum". Mit diesem Mini- Computer, nur wenig groesser als ein Schulbuch, loggen sich Schueler in die grosse elektronische Schreibtafel ein, die nach wie vor Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens ist. Das Kernstueck des Klassenzimmers ist mit den Schuelerarbeitsplaetzen ueber ein lokales Netzwerk verbunden. Die Tafel dient zwar weiterhin als Schreib- und Zeichenflaeche fuer den Lehrer, mit seinem elektronischen Griffel kann er aber jederzeit Befehlsflaechen am Tafelrand anklicken, die der vertrauten Windows- Oberflaeche nachempfunden sind. Stift bzw. Finger uebernehmen dabei die bekannten Steuerfunktionen der Computermaus.

Online-Ressourcen nutzen

Ohne das klassische Arrangement der Wandtafel zu sprengen ist es dem Lehrer moeglich, vorgefertigtes Material wie etwa Schaubilder zur Kurvendiskussion oder Tabellen in Sekundenbruchteilen aus der Datenbank oder von der Diskette auf die Tafel zu "zaubern". Auch Videofilme lassen sich einfach praesentieren. Alle Tafelbilder koennen abgespeichert und als elektronische Kopien an die Schueler verteilt werden. Eine weitere Komplexitaetsstufe bieten Intra- oder Internet. Theoretisch koennte die Klasse 7b mit der 8a kommunizieren oder die Wochen-Speisekarte eines australischen Internats abrufen, um diese als Hausaufgabe zu uebersetzen. Die Moeglichkeiten des Internets haben natuerlich auch die Schulbuchverlage erkannt. Aktuelle Satelliten-Bilder oder Lehrbuchseiten abzurufen, ist fuer die Schueler weitaus anregender und komfortabler, als zu jeder Erdkundestunde den Weltatlas mitzuschleppen. Mit den Entwicklern und Anbietern von Geo-Informations-Systemen unterhalten die Duisburger darueber hinaus traditionell gute Forschungskontakte.

In die Zukunft investieren

Parallel zu diesen technischen und paedagogischen Innovationen hat die Lehrmittel- und Dienstleistungsbranche das Gemeinschaftsprojekt "bildung online" entwickelt, eine virtuelle Bildungsmesse mit staendig wachsendem Inhaltsspektrum. Alle Informationen und Dienstleistungen, Schulen und Schulprojekte sowie Anbieter und Produkte zum Thema Bildung sollen qualitativ hochwertig aufbereitet und allen Schulen zugaenglich gemacht werden.

Auch das Land Nordrhein-Westfalen ist nicht untaetig geblieben. Die paedagogische Nutzung der Telekommunikation hat mit der Freischaltung des neuen Bildungsservers aus dem Projekt "Schulen ans Netz" eine neue Dimension erhalten. Von den Kosten von ca. 5000 Mark fuer einen Multimedia- Arbeitsplatz mit Netzzugang uebernimmt der Schultraeger 800 Mark, das Land steuert 1200 Mark zu, waehrend die Industrie eine Unterstuetzung im Wert von 3000 Mark zugesichert hat.

Die Gesamtkosten des Equipments fuer das "elektronische Klassenzimmer" belaufen sich zur Zeit noch auf etwa 35.000 Mark, wobei der Loewenanteil auf den Beamer, den Projektor, entfaellt. Informatiker Frank Tewissen weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich dieses Geraet auch fuer die Video-Grossprojektion einsetzen laesst, z.B in der Schulaula. Zu den Anschaffungskosten fuer die Schuelerlaptops prognostiziert Tewissen: "Genau wie bei den PC´s werden die Preise auch dort fallen. Ausserdem wuerde ein spezielles Schueler- Laptop mit Basis-Ausstattung voellig ausreichen."

In der nun anlaufenden Testphase an verschiedenen Gymnasien soll das COLLIDE-Projekt seine Alltagstauglichkeit und damit den Stellenwert von Forschungsfoerderung und Forschungstransfer beweisen. Ein Erfolg ist wuenschenswert, denn in deutschen Schulen ist der Computerarbeitsplatz mit Internetanschluss - statistisch gesehen - noch eine Raritaet.


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