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Humboldt-Stipendiat erforscht Astrologiegeschicht

02.07.1997 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

upm-Pressemitteilung der Universitaet Muenster 230/97 - 02. Juli 1997

Wie der Widder die Geschicke Persiens lenkt

Humboldt-Stipendiat erforscht Astrologiegeschichte an der Universitaet Muenster

Wie der Widder die Geschicke Persiens oder der Steinbock die Spaniens lenkt, versuchten die Astrologen und Astronomen des Altertums mittels mehr oder weniger komplizierter Systeme vorherzusagen. Diese erforscht in Muenster derzeit Dr. Godefroid de Callataye, dem die Humboldt-Stiftung einen zunaechst einjaehrigen Forschungsaufenthalt an der Westfaelischen Wilhelms-Universitaet bezahlt. "Astrologische Geographie des Altertums: die Quellen und ihre Interpretation" lautet der Titel des Forschungsvorhabens des gebuertigen Belgiers, der bereits ueber Fragen der Astronomiegeschichte promoviert hat.

Gegenstand der Untersuchungen sind jene im Altertum entwickelten Systeme, die den Versuch darstellen, die verschiedenen Erdteile der damals bekannten Welt dem Einfluss der Himmelskoerper - Planeten und Tierkreiszeichen - zuzuordnen. Grundlegende Unterschiede zwischen den einzelnen Systemen traten auf, weil die Zuordnung zwischen Himmelskoerpern und Laendern vom jeweiligen Heimatland des Astrologen bestimmt wurde. Eines dieser heute bekannten Systeme ist beispielsweise auf Ptolemaeus, den beruehmtesten Astronomen des Altertums, zurueckzufuehren.

Die Fragen, die de Callataye, der von Prof. Dr. Wolfgang Huebner betreut wird, in Muenster anhand umfassender Literaturrecherchen klaeren will, beziehen sich auf die zum Teil sehr grossen Abweichungen der Systeme sowie auf deren gegenseitige Beeinflussung. De Callataye versucht, das aelteste System zu entdecken und damit den Ursprung der astrologischen Geographie. Bis dahin gilt es aber noch Berge von Texten und Abbildungen auszuwerten, die ueberwiegend in griechischer und lateinischer Sprache verfasst sind. Das bereitet dem Klassischen Philologen, der auch in den modernen Sprachen bewandert ist, nur wenig Kopfzerbrechen - Schwierigkeiten habe er dagegen bisher noch mit der deutschen Sprache, die er in einem zweimonatigen Intensiv- Kurs erlernen musste.

Dennoch will er die Ergebnisse seiner Arbeit in deutsch veroeffentlichen, da dies die fuehrende Sprache seines Faches sei. In seiner Freizeit spricht der Altertumsforscher am liebsten italienisch, da im Humboldt-Haus zur Zeit auch einige italienische Wissenschaftler untergebracht sind. Neben den Gespraechen mit seinen Kollegen schaetzt de Callataye am Humboldt-Haus besonders die Tennisplaetze, die er gerne in Anspruch nimmt, wenn er seine Buecher zur Seite gelegt hat.

Seine Einschaetzung von Muenster formuliert der ueber reichlich Auslandserfahrung verfuegende Stipendiat vorsichtig: "Es kann schon einmal etwas langsam hier sein". Aber obwohl ihm die Stadt manchmal etwas provinziell erscheint, fuehlt er sich hier wohl und hofft, dass sein Stipendium um ein weiteres Jahr verlaengert wird. Dann koenne er seine Forschungen auch auf die spaete arabische Literatur zum Thema ausweiten und damit die Arbeit abrunden. Muenster bietet fuer seine Forschungen ideale Moeglichkeiten, da die Bibliothek des Instituts fuer Altertumskunde, insbesondere im Bereich Astrologie- und Astronomiegeschichte, hervorragend ausgestattet sei. Dies gruendet sich auf eine lange Tradition in diesem Gebiet, die durch den Astrologiehistoriker Wilhelm Kroll Anfang des Jahrhunderts begruendet wurde.

Mit freundlichen Gruessen

Brigitte Nussbaum

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