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Knappe Finanzen verhindern Innovation

15.01.1998 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Fraunhofer-Presseinformation Nr. 1 vom 16. Januar 1998 Knappe Finanzen verhindern Innovationen

Fraunhofer-Studie belegt: Viele Unternehmen benoetigen staatliche Foerderung, um in neue Technologiefelder einsteigen zu koennen.

Firmengruendungen und expandierende mittelstaendische Unternehmen brauchen Geld, meist sogar sehr viel Geld, um neue Produkte zu entwickeln und in den Markt einzufuehren. Deshalb legte der Bund vor einigen Jahren erstmals zinsguenstige Darlehensprogramme auf, die den Firmen helfen sollten, Innovationsvorhaben zu finanzieren. Im Auftrag des Bundesministeriums fuer Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) fuehrte das Fraunhofer-Institut fuer Systemtechnik und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe eine Wirkungsanalyse durch, die nun unter dem Titel "Innovationsdarlehen als Instrument zur Foerderung kleiner und mittlerer Unternehmen" im Physica-Verlag erschienen ist.

An der Studie beteiligten sich insgesamt 801 Unternehmen. Von diesen hatten 338 Unternehmen Gelder aus Foerdertoepfen erhalten, die Vergleichsgruppe von 463 Unternehmen nicht. Foerdermittel flossen entweder aus dem 1992 aufgelegten FuE-Darlehensprogramm fuer kleine Unternehmen oder aus dem zwei Jahre spaeter folgenden Innovationsprogramm der Kreditanstalt fuer Wiederaufbau KfW.

Das FuE-Darlehensprogramm fand wegen hoher Anforderungen an die Produkt- und Prozessinnovationen und den beschraenkten Adressatenkreis eine geringe Resonanz. Im Gegensatz dazu wurde das KfW-Innovationsprogramm mit seinen erheblich weiter gefassten Zugangskriterien, die bis zur Marktreife reichten, wesentlich staerker nachgefragt. Sein Programmvolumen von zwei Mrd. DM war innerhalb eines sehr kurzen Antragszeitraums von August 1994 bis Dezember 1995 ausgeschoepft. Etwa 1 000 Unternehmen erhielten Kredite. Beim Darlehensprogramm waren dagegen nur 200 Millionen beantragt worden. Dies ist ein Indikator, dass die Foerderung der Marktnaehe eher den Anforderungen der Zielgruppe entsprach. Die Studie bestaetigt, dass primaer knappe finanzielle Mittel die Innovationstaetigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen behindern. Eine geringe Selbstfinanzierungskraft und Probleme bei der externen Kapitalbeschaffung stehen bei allen 801 Unternehmen an erster Stelle, sind aber besonders ausgepraegt bei kleinen Unternehmen und Unternehmen in den neuen Bundeslaendern.

Fuer die Mehrheit der Darlehensnehmer - primaer fuer die kleinen - waere das Innovationsvorhaben ohne das Darlehen nicht realisierbar gewesen. Aber auch fuer die meisten der groesseren Unternehmen erweiterten sich die finanziellen Moeglichkeiten spuerbar. Das Foerderdarlehen fuehrte zu einer deutlichen Erhoehung der FuE-Aktivitaeten, wenn nicht gar zum Einstieg in ein neuartiges Technologiefeld. Etwa zwei Drittel der Foerdernehmer planten, mit dem gefoerderten Innovationsprojekt einen neuen Hauptumsatztraeger zu schaffen.

Die Untersuchung befragte die mittelstaendischen Unternehmen auch nach ihrem Innovationsmanagement. Dabei zeigten sich zwei bemerkenswerte Fakten: Eine Reihe von Unternehmen - vor allem die groesseren - haben noch erhebliche Defizite in der Planung und systematischen Vorbereitung von Innovationsvorhaben, besonders wenn diese relativ umfangreich sind und daher erhebliche Mittel und Kapazitaeten binden. Zudem ergab die Studie, dass kaum eine Firma - bis auf direkte Kundenvorschlaege - Anregungen von aussen aufnimmt. Dadurch besteht die grosse Gefahr, dass technologische Trends nicht rechtzeitig erkannt werden oder sogar Doppelentwicklungen erfolgen. Das ist umso bedenklicher, weil insbesondere die Foerdernehmer ihre Produkte als technisch hochstehend einschaetzen: Etwa die Haelfte stufte sich international, ein weiteres Viertel national in die Spitzengruppe ein. Fuer die Foerderdarlehen waren bankuebliche Sicherheiten zu stellen - fuer die meisten Unternehmen kein grosses Problem. Ausnahmen stellten jedoch kleine forschungsintensive Unternehmen und solche in den neuen Bundeslaender dar. Die Abwicklung der Foerderung ueber Hausbanken beurteilten die Unternehmen ueberwiegend positiv. Kritik richtete sich an die geringe Risikobereitschaft der Kreditinstitute bei der (Mit-) Finanzierung von Innovationsprojekten sowie deren fehlendes Know-how zur Bewertung der Chancen und Risiken.

Ueber das Hausbankenverfahren sollte das Kreditwesen staerker in die Innovationsfinanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen eingebunden werden. Fuer die 26 Banken, die das ISI in persoenlichen Gespraechen mit Firmenkundenberatern zu ihren Erfahrungen mit den beiden Darlehensprogrammen befragte, spielten Innovationsfinanzierung innerhalb des Firmenkundengeschaefts - bis auf Einzelfaelle - nur eine verschwindend geringe Rolle. Die Kreditinstitute fuehrten als Hauptgrund fuer ihre Zurueckhaltung die schwierige Bewertung von Innovationsvorhaben an. Die meisten Banken fuehlten sich dabei ueberfordert, da fuer solche Finanzierungszwecke die sonst ueblichen Instrumente der Risikobewertung ungeeignet sind.

Die beiden Darlehensprogramme haben aber bei den befragten Banken meist zu einer erhoehten Bereitschaft beigetragen, jungen, innovationsorientierten Unternehmen Kredite zu gewaehren. Aus der offensiven Vorgehensweise einiger weniger Hausbanken schliessen die Autoren zudem, dass noch ein deutlicher Spielraum zur Ausweitung der Foerderung marktnaher FuE-Aktivitaeten ueber Innovationsdarlehen besteht.

Die Schlussfolgerungen aus der Studie belegen sehr klar, dass Innovationsdarlehen eine geeignete Massnahme fuer etablierte kleine und mittlere Unternehmen sind. Diese generelle Einschaetzung gilt jedoch nicht fuer Unternehmen in den neuen Bundeslaendern, deren schwache Eigenkaptialbasis darlehensfinanzierte Innovationsprojekte kaum zulaesst.

Trotz der positiven Einschaetzung von Innovationsdarlehen wuerden die 801 Unternehmen ein anderes Foerderinstrument vorziehen: Nicht rueckzahlbare Zuschuesse fuer FuE-Arbeiten - ein hoechst plausibler Wunsch. Die haeufig von Wirtschaftsverbaenden erhobene Forderung nach Steuerverguenstigungen fuer Forschung und Entwicklung vertraten die befragten Unternehmen aber eher selten.

Die Ergebnisse der ISI-Studie veranlassten den Bund, nun das ERP-Innovationsprogramm in den Katalog zur Foerderung marktnaher Forschung und Entwicklung als permanentes Instrument aufzunehmen.

Ansprechpartner fuer weitere Informationen: Dr. Knut Koschatzky, Gerhard Samulat Telefon 07 21/68 09-1 84, oder 1 00, Telefax 07 21/68 09-1 76 Fraunhofer-Institut fuer Systemtechnik und Innovationsforschung ISI Breslauer Strasse 48, D-76139 Karlsruhe email: ko@isi.fhg.de, sam@isi.fhg.de


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