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GDCh- und ADUC-Preisverleihungen in Berlin

18.03.1997 - (idw) Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

GESELLSCHAFT DEUTSCHER CHEMIKER e. V.

Hohe Auszeichnungen für drei Münchener in Berlin

Drei hochrangige Auszeichnungen verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am 17. März 1997 in Berlin. Die Emil-Fischer-Medaille, der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis und der Preis der GDCh für Journalisten werden für besondere Arbeiten in der Chemie vergeben. Die Preisverleihungen finden während einer Festsitzung im Rahmen der diesjährigen Chemiedozententagung (16. bis 19. März 1997 an der Freien Universität Berlin) statt. Bei gleicher Gelegenheit vergibt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie (ADUC) die ADUC-Jahrespreise für Habilitanden und Habilitandinnen.

Emil-Fischer-Medaille

Die Emil-Fischer-Medaille, die seit 1912 für die jeweils besten Arbeiten auf dem Gebiet der organischen Chemie vergeben wird, geht 1997 an den 56-jährigen Chemiker Prof. Dr. Horst Kessler, der als Professor für organische Chemie an der Technischen Universität München tätig ist. Kessler ist einer der Pioniere und herausragenden Forscher auf dem Gebiet der Strukturaufklärung chemischer Verbindungen durch die sogenannte "kernmagnetische Resonanzspektroskopie" (NMR). Dieses analytische Verfahren, das die magnetischen Eigenschaften der Atomkerne nutzt, um Aussagen über die Zusammensetzung und Struktur von Molekülen zu machen, zählt heutzutage zum unverzichtbaren Repertoire der Chemiker. Kessler, der bereits mit 31 Jahren zum Professor ernannt wurde, entwickelte grundlegende neue Verfahren ("multidimensionale NMR") weiter und wendete diese insbesondere auf die Erforschung von Peptiden und Proteinen an. Die Strukturaufklärung dieser Substanzen gilt als besonders schwierig. Eines der herausragenden Ergebnisse seiner Arbeiten war die Strukturaufklärung des Immunsuppresivums Cyclosporin A. Durch das Studium der Integrine, Eiweißmoleküle mit Rezeptorfunktion, die an der Tumormetastasierung beteiligt sind, gelang ihm die gezielte Synthese eines aus fünf Aminosäurebausteinen bestehenden, ringförmigen Peptids, welches über 100 mal stärker an diese Rezeptoren bindet als das natürliche Substrat. Kürzlich wurde entdeckt, daß dieses Cyclopentapeptid menschliche Tumoren wirksam bekämpfen kann. Aufgrund ihrer leichten enzymatischen Abbaubarkeit eignet sich die Substanz noch nicht für einen Einsatz als Medikament, jedoch arbeitet Kessler zur Zeit daran, stabilere Varianten zu entwickeln.

Carl-Duisberg-Gedächtnispreis

Der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis ist seit seiner Stiftung 1936 zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Chemiebereich vorgesehen. 1997 geht die Auszeichnung an den 38-jährigen Dr. Carlo Unverzagt von der Technischen Universität München. Unverzagt hat in seiner kürzlich fertiggestellten Habilitationsschrift die chemische Synthese sogenannter "vollständig sialylierter N-Glycane" beschrieben. N-Glycane sind Ketten aus stickstoffhaltigen Zuckermolekülen und spielen eine große Rolle u. a. bei der Übermittlung von Signalen im Körper. Die gezielte Synthese galt bisher als eine der weltweit herausforderndsten Aufgaben der Synthesechemie, an der schon viele spezialisierte Arbeitsgruppen gescheitert waren. Diese Arbeiten haben Bedeutung für die Entwicklung von Diagnostika für tumorassoziierte Antigene, weil durch Isolierung natürlicher Glykane nur sehr geringe Mengen zur Untersuchung der Eigenschaften gewonnen werden können. Unverzagts Synthese erlaubt nun die gezielte Herstellung von Glycanen mit bis zu 20 Zuckerbausteinen in ausreichenden Mengen.

Preis der GDCh für Journalisten

Die GDCh ehrt mit dem Preis für Journalisten publizistisch tätige Persönlichkeiten, die "die Öffentlichkeit in hervorragender Weise über Probleme der Chemie und deren Lösungen aufgeklärt haben". Der Münchener Chemiker und Wissenschaftsjournalist Axel Fischer gehört mit der diesjährigen Auszeichnung nun ebenfalls zu diesem Kreis. Der erst 35-jährige Fischer ist ein Multitalent, der in den verschiedensten Medienbereichen tätig ist. Seine journalistische Ausbildung während und nach dem Chemiestudium erhielt er u. a. bei der Chemischen Rundschau, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Deutschen Presseagentur und bei Bild der Wissenschaft. Daneben lernte er auch die PR-Tätigkeiten in der chemischen Großindustrie kennen. Bei dpa war er zeitweilig verantwortlicher Redakteur der Wissenschaftsredaktion. Aber auch im Hörfunk- und Fernsehbereich ist Fischer zu Hause. Für den Bayerischen Rundfunk berichtet er von wissenschaftlichen Kongressen und moderiert und gestaltet das "Technikmagazin". Abgerundet wird sein vielfältiges Tätigkeitsspektrum durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die "Internationale Forschungsgemeinschaft Deinking-Technik" und durch mehrere Buchbeiträge sowie Broschüren für Industrie- und Forschungseinrichtungen. Seine Beiträge aus der Chemie zeichnen sich durch Genauigkeit, Kompetenz, Vorurteilslosigkeit, kritische Wertung und verständliche Darstellung aus. Fischer gehört zu den Journalisten, denen es gelungen ist, die Chemie aus der Skandal- und Katastrophenberichterstattung herauszuholen und wieder zu einem interessanten und spannenden Feld des Journalismus zu machen.

ADUC-Jahrespreise für Habilitanden und Habilitandinnen

Die ADUC verleiht ihre Habilitandenpreise an Dr. Markus Albrecht, Universität Karlsruhe, für die Entwicklung der metallgesteuerten Selbstorganisaton alkylverbrückter Brenzcatechin-Derivate, Dr. Roland Krämer, Universität Münster, für seine Arbeiten auf dem Gebiet der funktionellen Modellkomplexe für hydrolytische Metalloenzyme, und Dr. Martin Suhm, Laboratorium für Physikalische Chemie der ETH Zürich, für seine umfassenden spektroskopischen und theoretischen Arbeiten zur Struktur und Dynamik von HF-Aggregaten.

Anmerkung an die Redaktion: Fotos der Preisträger können bei der GDCh-Abteilung Öffentlichkeitsarbeit angefordert werden.

Diese Pressenotiz ist im Internet abrufbar unter: http://www.gdch.de


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