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12 000 Pflanzenarten für Lehre und Forschung

08.05.1998 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Der Botanische Garten der Martin-Luther-Universitaet Halle-Wittenberg wird 300 Jahre alt

Der Botanische Garten der Martin-Luther-Universitaet feiert im Fruehjahr dieses Jahres sein 300jaehriges Bestehen. Mit einer Urkunde vom 11. 4. 1698 wurde ein Teil des Kurfuerstlichen Kuechengartens der Universitaet uebereignet, damit dort auf zunaechst 4000 Quadratmetern ein "Hortus medicus" eingerichtet werden konnte. Dieser diente anfangs vor allem der Ausbildung der Medizinstudenten und war auf dem Territorium des damaligen Preussen der erste seiner Art.Im Laufe der Jahrhunderte hat der Botanische Garten seine Aufgaben immer mehr erweitert: Zur Demonstration im Universitaetsunterricht kamen Fragestellungen der botanischen Grundlagenforschung und in neuerer Zeit die Erschliessung fuer die breite OEffentlichkeit sowie fuer den planmaessigen Biologie- unterricht der Schulen.Schliesslich wurden in ihm sehr frueh und erfolgreich Methoden zur Erhaltung gefaehrdeter Arten erprobt. Inzwischen werden 12 000 Pflanzenarten sorgsam kultiviert und wissenschaftlich genutzt.

Vorbildlich ist der Garten mit seinem Angebot von rund 4 000 Nummern fuer den internationalen Samentausch. Jedes Jahr wird zu diesem Zweck ein umfassender Katalog erarbeitet. Aber auch die Spezialsammlungen und ihre wissenschaftliche Bearbeitung begruenden seinen internationalen Ruf: Sukkulenten und winterharte Kakteen, 850 Arten von Orchideen, 120 der fleischfressenden Pflanzen und die vollstaendige Erfassung von Gattungen, die als Forschungsobjekte auf Progressionen im Wuchsverhalten untersucht werden, wie die Gold- und Silberdisteln, Nieswurz-, Fingerhut- oder Kugelblumen-Arten.

Auf Grundlagen der Populationsbiologie gefaehrdeter Pflanzenarten ist auch der Berggarten auf dem Brocken, der sogenannte Brockengarten",spezialisiert, der gemeinsam mit der Universitaet Goettingen und dem Nationalpark Hochharz" verwaltet wird. Eine Besonderheit fuer die Erforschung der regionalen Flora ist die Kupfer- schieferanlage. Hier arbeiten die Botaniker eng zusammen mit den Biochemikern, die beispielsweise die Mechanismen der Resistenz gegen Schwermetalle untersuchen. Im Alpinum wachsen u.a. Hochgebirgspflanzen aus dem Himalaja, aus Nordamerika, dem Kaukasus und Neuseeland. Beeindruckend ist auch der lebende Ausschnitt eines tropischen Regenwaldes im Grossen Tropenhaus.

Die wissenschaftliche Produktivitaet der Direktoren des Botanischen Gartens war in den 300 Jahren seines Bestehens beachtlich: Allein die international bekannten Botaniker Kurt Sprengel, Dietrich Schlechtendal, Wilhelm Troll und Hermann Meusel haben ueber 15 000 Druckseiten fundamentaler Lehr- und Handbuecher zur Systematik, Pflanzengeographie und vergleichenden Morphologie verfasst! Aus neuerer Zeit existieren eine Reihe sehr attraktiv und anschaulich gestalteter Fuehrer durch den Garten und durch die einzelnen Spezialsammlungen. Auch ein europaeischer Gartenfuehrer wurde herausgegeben. So entstand im Laufe der Jahrhunderte ein Botanischer Garten von internationalem Rang. Alljaehrlich besuchen ihn ca 20 000 Interessierte aus dem In- und Ausland.

Aus Anlass des Jubilaeums laedt das Institut fuer Geobotanik und Botanischer Garten der Martin-Luther-Universitaet am 6. Juni 1998 um 10.00 Uhr zu einem Festsymposium in den Hoersaal des Instituts fuer Pflanzen- und Zellphysiologie am Kirchtor 1 (direkt neben dem Botanischen Garten) ein. Neben wissenschaftlichen Vortraegen, so aus der morphologisch-oekologischen, der taxonomischen und der systematischen Forschung, wird auch die Ausstellung "300 Jahre Botanischer Garten Halle" eroeffnet, und man kann an einer thematische Fuehrung durch den Garten teilnehmen.

Ansprechpartner:

- Prof. Dr. Eckehart Johannes Jaeger (Direktor des Instituts fuer Geobotanik und Botanischer Garten der Martin-Luther-Universitaet Halle-Wittenberg), Tel.: 0345/55 26210/11, Fax.: 0345/55 27094, e-mail: jaeger@botanik.uni-halle.de

- Dr. Friedrich Ebel (Kustos des Botanischen Gartens), Tel.: 0345/55 26228, e-mail: ebel@botanik.uni-halle.de


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