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Heute: Karl Heinz Beckurts-Preis 1997 wird verliehen

12.12.1997 - (idw) Max-Planck-Institut für Plasmaphysik

KARL HEINZ BECKURTS-STIFTUNG

12.12.1997

Heute: Karl Heinz Beckurts-Preis 1997 wird verliehen

Vier Wissenschaftler werden heute mit dem Karl Heinz Beckurts-Preis ausgezeichnet. Die drei Preise in Hoehe von insgesamt 180.000 DM werden fuer herausragende wissenschaftlich-technische Leistungen vergeben, von denen Impulse fuer industrielle Innovationen ausgegangen oder zu erwarten sind.

Die von der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren eingerichtete Karl Heinz Beckurts-Stiftung will mit diesem Preis die Partnerschaft zwischen Wissenschaft und Wirtschaft foerdern. Die Preise werden heute abend im Rahmen einer Festveranstaltung in der Muenchner Residenz von Dr. Fritz Schaumann, Staatssekretaer im Bundesministerium fuer Bildung und Wissenschaft, Forschung und Technologie, den folgenden Wissenschaftlern ueberreicht:

Prof. Dr. Wilhelm Barthlott (Universitaet Bonn) fuer die Untersuchung des Anti-Haftmechanismus an pflanzlichen Oberflaechen und ihre Anwendung in der Entwicklung neuer unverschmutzbarer Werkstoffe

Prof. Dr. Karl Joachim Ebeling (Universitaet Ulm) fuer die Erforschung und Entwicklung neuartiger Vertikallaserdioden zur optischen Datenuebertragung

Prof. Dr. Brigitte Wittmann-Liebold und Dipl.-Ing. Christian Wurzel (Max-Delbrueck-Centrum fuer Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch, sowie WITA GmbH, Teltow) fuer die Entwicklung eines neuartigen Analysesystems fuer kleinste Mengen von Proteinen, das zur Diagnose von Krankheiten benutzt werden kann

Prof. Dr. Wilhelm Barthlott (Universitaet Bonn) erhaelt den Karl Heinz Beckurts-Preis 1997 fuer die Untersuchung des Anti-Haftmechanismus an pflanzlichen Oberflaechen und ihre Anwendung in der Entwicklung neuer - unverschmutzbarer - Werkstoffe: Pflanzliche und andere biologische Oberflaechen sind selten glatt, sondern weisen meist mikroskopisch feine Muster auf. Deren Anti-Haftmechanismus zur Abwehr von Verschmutzung wurde bisher uebersehen: Die Blaetter der Lotusblume zum Beispiel sind nicht nur vollkommen unbenetzbar mit Wasser, sondern an ihnen koennen auch keinerlei Schmutzpartikel festhaften - seien es Staub, Pilzsporen oder Diesel-Russ. Solche unverschmutzbaren Oberflaechen hat Barthlott nachgebaut. Die Ergebnisse botanischer Grundlagenforschung wurden technologisch umgesetzt und erste Prototypen mit gleichen Eigenschaften entwickelt. Raue Oberflaechen bleiben dabei erstaunlicherweise sauberer als glatte, wenn man bestimmte Strukturen beibehaelt. Die Verfahren sind inzwischen patentiert; enge Kooperationen mit drei Unternehmen der Lackindustrie, Fassadenbeschichtung und Dachbedeckung haben begonnen. Ziel ist die Entwicklung von unverschmutzbaren biomimetischen Werkstoffen, z. B. Autolacke und Gebaeudefassaden.

Prof. Dr. Karl Joachim Ebeling (Universitaet Ulm) erhaelt den Karl Heinz Beckurts-Preis 1997 fuer die Entwicklung neuartiger Vertikallaserdioden fuer die optische Datenuebertragung und den Transfer der Forschungsergebnisse in die industrielle Nutzung: Zur Datenuebertragung sind optische Systeme in vielen Bereichen elektrischen Verbindungen ueberlegen. Ideale Lichtquellen hierfuer sind neuartige Laserdioden mit Vertikalresonator. Anders als uebliche Laserdioden senden diese Vertikallaserdioden das Laserlicht nicht seitlich, sondern aus der Oberflaeche heraus. Damit sind sie einfacher handhabbar, billiger und ermoeglichen neue Anwendungen. Ebelings Arbeitsgruppe beschaeftigte sich mit Vertikallasersystemen von der Modellierung und dem Design der Laserdioden ueber die Herstellung und Charakterisierung der Bauelemente bis zur Daten-Uebertragung durch optische Fasern. Dabei konnte die Arbeitsgruppe bisher unuebertroffene internationale Bestmarken erzielen. Sie hat die weltweite Entwicklung der Vertikallaserdioden massgeblich mitbestimmt und ist inzwischen eng in die Entwicklung eines Prototyps in einem Industrieunternehmen eingebunden. Ihre Arbeiten werden die deutsche Industrie in die Lage versetzen, konkurrenzfaehige Produkte mit Vertikallaserdioden anzubieten.

Prof. Brigitte Wittmann-Liebold und Dipl.-Ing. Christian Wurzel (Max-Delbrueck- Centrum fuer Molekulare Medizin, Berlin-Buch, sowie WITA GmbH, Teltow) erhalten den Karl Heinz Beckurts-Preis 1997 fuer die Entwicklung eines Analysesystems, mit dem kleinste Mengen von Proteinen und Peptiden untersucht werden koennen. Koerpereigene Proteine - die Bau- und Betriebsstoffe des Lebens -koennen bei bestimmten Krankheiten, etwa bei Stoffwechselstoerungen oder Tumorerkrankungen, veraendert sein. Deshalb ist es mit Hilfe der Proteinanalyse schon jetzt moeglich, Krankheiten und ihre verschiedenen Stadien zu erkennen. Wittmann-Liebold und Wurzel haben dazu ein technisch neues Analysesystem entwickelt, das mit geringsten Mengen an Gewebeproben auskommt: Statt bislang 30 bis 150 Milligramm genuegen schon Mikrogramm (millionstel Gramm) fuer eine Untersuchung. Die beiden Wissenschaftler konnten die Arbeitsablaeufe der Proteinanalyse in einem einzigen winzigen Geraet unterbringen. Herzstueck ist ein zwei Millimeter duenner Mikrochip, den Wittmann-Liebold und Wurzel entwickelt und patentiert haben und nun zur Marktreife bringen wollen.


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