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Infektionsforschung in Würzburg

02.12.1997 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Im Vorfeld einer Tagung haben Wissenschaftler der Universitaet Wuerzburg in der vergangenen Woche den aktuellen Stand der Forschung ueber das Darmbakterium Escherichia coli bei einem Pressegespraech vorgestellt. Dabei kam auch die Zukunft des Wuerzburger "Zentrums fuer Infektionsforschung" zur Sprache.

Escherichia coli, kurz E. coli genannt, besiedelt den Darm des Menschen und nimmt dort eine herausragende Stellung ein. Bestimmte Typen dieser Mikrobe koennen aber auch Krankheiten verursachen - erinnert sei an die Todesfaelle bei Kindern durch EHEC. Mit den oekologischen, physiologischen und therapeutischen Aspekten des Darmbakteriums setzten sich am Freitag und Samstag, 28. und 29. November, die Teilnehmer eines Symposiums in Ansbach auseinander. Veranstalter war die Alfred Nissle-Gesellschaft mit Sitz in Hagen, die sich der Grundlagenforschung ueber die Darmflora widmet.

Die Wuerzburger Professoren Dr. Joerg Hacker (Vorstand des Instituts fuer Molekulare Infektionsbiologie) und Dr. Helge Karch vom Institut fuer Hygiene und Mikrobiologie hatten das Symposium wissenschaftlich mit vorbereitet. Neben ihnen nahm an dem Pressegespraech auch Prof. Dr. Volker ter Meulen in seiner Funktion als Sprecher des "Zentrums fuer Infektionsforschung" der Universitaet Wuerzburg teil.

Das Ansbacher Symposium ueber E. coli wartete mit einer Besonderheit auf: Am ersten Tag dieses wissenschaftlichen Treffens jaehrte sich zum 140. Mal der Geburtstag von Theodor Escherich, der das spaeter nach ihm benannte Darmbakterium im Jahr 1885 entdeckte. Der gebuertige Ansbacher verbrachte einen Teil seines Studiums und seiner Ausbildung an der Universitaet Wuerzburg. Als Kinderarzt war er an der Universitaetsklinik im Juliusspital taetig und legte hier die Grundlagen fuer seine spaeteren Arbeiten.

Zum einen sollte die Tagung, zu der rund 300 Teilnehmer erwartet wurden, E. coli als das "Arbeitspferd" der Molekularbiologie vorstellen, sagte Prof. Hacker. Er veranschaulichte die enorme Bedeutung des Bakteriums mit dem Hinweis, dass in den vergangenen 30 Jahren allein 14 Nobelpreise auf Arbeiten entfielen, die auf E. coli fussten. Dennoch sei sehr wenig ueber die OEkologie und Physiologie des Darmbewohners bekannt - dies war der zweite Schwerpunkt der Tagung.

Schliesslich stand E. coli als Krankheitserreger zur Debatte. Den Worten von Prof. Hacker zufolge verursachen die krankmachenden Vertreter der Mikrobe zum Beispiel 80 Prozent aller Harnwegsinfektionen. Manche von ihnen - fuenf Gruppen sind mittlerweile bekannt - entfalten ihre Wirkung aber auch im Darm, so wie die EHEC genannten Vertreter. Eine Infektion mit diesen kann toedlich enden. Seit 1. April 1996 besteht in Bayern eine Meldepflicht fuer solche Infektionen: Bis 21. November 1997 seien 526 Faelle bekannt geworden, wie EHEC-Spezialist Helge Karch sagte. Von einem Anstieg der Faelle koenne aber nicht geredet werden.

Prof. Karch erforscht die krankheitsausloesenden E. coli-Varianten im Rahmen des an der Universitaet Wuerzburg etablierten Zentrums fuer Infektionsforschung. Daran sind verschiedene Kliniken der Universitaet sowie einschlaegige Institute und Lehrstuehle beteiligt.

1992 gegruendet, werden in dem Zentrum vor allem Pilzerkrankungen und Parasiten erforscht, weil beide Bereiche in Deutschland als unterentwickelt gelten, so der Sprecher des Zentrums, Prof. ter Meulen. Zu diesem Zweck wurden vier Nachwuchsgruppen eingerichtet, in denen rund 30 Wissenschaftler taetig sind. Seit 1994 hat das Bundesministerium fuer Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) fuer einen Zeitraum von fuenf Jahren 13,5 Millionen Mark fuer diese Gruppen zur Verfuegung gestellt. Die Idee: In Wuerzburg soll, so Prof. ter Meulen, ein junger Kader ausgebildet werden, der "die Fackel dann weitertraegt" und so nach und nach das Defizit bei der Infektionsforschung in Deutschland beseitigt.

Dieses Ansinnen ist offensichtlich bestens verwirklicht: Kuerzlich habe der Wissenschaftsrat festgestellt, dass Wuerzburg bei der Infektionsforschung nicht nur eine Pilotfunktion fuer Deutschland habe, sondern auch international fuehrend arbeite, informierte Prof. ter Meulen. Da die Foerderung durch das BMBF im kommenden Jahr auslaeuft, seien zur Zeit Verhandlungen im Gange, wie die Nachwuchsgruppen finanziell weitergefuehrt werden koennen. Dabei gehe es um eine Groessenordnung von zwei Millionen Mark pro Jahr.

Kontakt: Prof. Dr. Joerg Hacker, Inhaber des Lehrstuhls fuer Molekulare Infektionsbiologie, Telefon (0931) 31-2576, E-Mail: j.hacker@mail.uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Volker ter Meulen, Sprecher des Zentrums fuer Infektionsforschung, Telefon (0931) 201-5954, E-Mail: termeulen@vim.uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Helge Karch, Professor am Institut fuer Hygiene und Mikrobiologie, Telefon (0931) 201-5162, E-Mail: hkarch@hygiene.uni-wuerzburg.de


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