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Krillforschung: Wale halfen Wissenschaftlern

29.04.1996 - (idw) Biologische Anstalt Helgoland

B I O L O G I S C H E A N S T A L T H E L G O L A N D

PRESSE-INFO NR.: 3/1996

Sieben Wale bringen Forscher auf die Spur des Nordischen Krill

Die Meeresbiologen an Bord des Forschungsschiffs "Heincke" entdeckten in der vergangenen Woche den bisher groessten Krillschwarm im Mittelmeer. Sieben ausgewachsene, 20 Meter lange Finn-Wale fuehrten die Wissenschaftler auf seine Spur. Unter einer Flaeche von rund einem Quadratkilometer fanden die Forscher in der Ligurischen See in einem Liter Seewasser zehn Exemplare des 34 Millimeter langen Nordischen Krills - eine enorme Menge.

Begleitet von den Walen konnte die internationale Besatzung der "Heincke" den Schwarm, sein Wanderverhalten und die physiologischen Leistungen der Tiere im Mittelmeer ueber mehrere Tage und Naechte eingehend studieren. Besonders interessierte die Wissenschaftler die taegliche Vertikalwanderung der Tiere, die im Mittelmeer bis in 1.000 Meter tauchen - hinab wie hinauf. Auf den Menschen uebertragen wuerde das einer taeglichen Klettertour von 53 Kilometern gleichkommen.

Das Wort "Krill" stammt aus dem Altnorwegischen und bedeutet "Was der Wal frisst". Lange bevor der Antarktische Krill in den suedpolaren Gewaessern entdeckt wurde, kannten die norwegischen Fischer den Nordischen Krill. Er gehoert zur Familie der Leuchtgarnelen und lebt nur in der offenen See. Im marinen Nahrungsgefuege des Atlantiks spielt er eine entscheidende Rolle als Naehrtier fuer grosse Fische und nicht zuletzt die Wale, die davon profitieren, dass er grosse Schwaerme bildet.

Im Gegensatz zu seinen recht gut bekannten, fast doppelt so grossen suedpolaren Verwandten wurde der Nordische Krill bisher kaum beachtet. Dabei ist einzigartig, dass er ueber einen riesigen geographischen Bereich verbreitet ist - von den arktischen Gewaessern des Nordatlantik bis zu den Kanarischen Inseln und im gesamten Mittelmeer.

Das Forschungsschiff "Heincke" der Biologischen Anstalt Helgoland ist seit dem 6. April 1996 auf den Spuren dieses aussergewoehnlichen Tieres im Mittelmeer unterwegs. Die Untersuchungen sind Teil des von der EU mit 2,5 Millionen DM gefoerderten Projekts "Einfluss eines klimatischen Gradienten auf die physiologische Oekologie eines im freien Wasser vorkommenden Krebses" (PEP).

Die Projektkoordination liegt bei Prof. Dr. Friedrich Buchholz von der Biologischen Anstalt Helgoland, die in diesem Projekt schwerpunktmaessig die Krillschwaerme im Kattegat untersucht, in dem die Wassertemperaturen staendig wechseln. Weitere Teilnehmer des Projektes sind das franzoesische Observatoire Oceanologique (Villefranche sur mer), das sein Wissen ueber den Nordischen Krill im staendig warmen Mittelmeer beitraegt, und die Scottish Association for Marine Science (Oban), die die Populationen im staendig kalten Atlantik erforscht.

Prof. Buchholz und sein Team werden am 3. Mai wieder zurueck und in der Meeresstation Helgoland erreichbar sein (Tel.: 04725-819-322/353).

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