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Fit für Leitungsaufgaben im Gesundheitswesen

04.06.1998 - (idw) Universität Mannheim

An den Universitäten Mannheim und Heidelberg startet zum Wintersemester das Aufbaustudium "Gesundheitsmanagement". Ziel des neuen Angebots ist es, Ärzten die Kenntnisse in BWL, VWL und Jura zu vermitteln, die sie für Leitungsaufgaben in Kliniken und zum wirtschaftlichen Betrieb einer Praxis benötigen. Träger des Aufbaustudiums ist die Akademie für Weiterbildung an den Universitäten Heidelberg und Mannheim e.V.

Kein Arzt, keine Ärztin kommt heute ohne betriebswirtschaftliche Kenntnisse aus. Als niedergelassener Arzt ohnehin nicht, aber auch im Dienstleistungsunternehmen Krankenhaus werden vom ärztlichen Führungspersonal Managementqualitäten erwartet. Fähigkeiten also, deren Vermittlung im Medizinstudium keine Rolle spielt. Diese Lücke will die Akademie für Weiterbildung an den Universitäten Heidelberg und Mannheim e.V. schließen. Sie bietet vom Wintersemester 1998/99 an ein zweisemestriges berufsbegleitendes Kontaktstudium "Gesundheitsmanagement" an. Ziel ist es, Ärzte in Kliniken und Praxen sowie Akademiker anderer Fachrichtungen, die im Ge-sundheitswesen tätig sind, mit dem betriebswirtschaftlichen Sach-verstand auszustatten, der für Leitungsaufgaben unabdingbar ist.

Im Jahr 1995 waren in den 2.325 deutschen Krankenhäusern 101.590 Ärzte tätig. Ihr Studium sah durchwegs keine Vermittlung von betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen vor. Spätestens bei der Übernahme von Positionen im mittleren Management, als Leiter von Leistungscentern und als Budgetverantwortliche ist es jedoch für Ärzte erforderlich, nicht nur medizinische, sondern auch betriebswirtschaftliche Aufgaben zu lösen. Gleiches gilt für das pflegerische Führungspersonal. Mancher mag sich im Eigenstudium mit Kosten, Wirtschaftlichkeit, Erfolgsrechnung, Steuern und EDV befaßt haben, um zumindest ansatzweise die diesbezüglichen Ausbildungslücken zu verringern. "Systematisches und exemplarisches betriebswirt-schaftliches Wissen lassen sich aber", da ist sich Prof. Dr. Peter Eichhorn sicher, "besser in einem geordneten Studiengang erler-nen." Eichorn ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebs-wirtschaftslehre, öffentliche Verwaltung und öffentliche Unterneh-men, insbesondere Krankenhauswesen an der Universität Mannheim sowie Initiator und Studienleiter des neuen Kontaktstudiums "Gesundheitsmanagement".

Der Aufbaustudiengang ist für Eichhorn eine logische Folge der Entwicklung im Gesundheitswesen. "Der Kostendruck auf die Kranken- und Pflegekassen wächst immer weiter. Gleichzeitig steigen die medizintechnisch bedingten Aufwendungen und auch die Ansprüche der Patienten. Da stellen sich Wirtschaftlichkeitsfragen, auf die Mediziner in ihrem Studium in keiner Weise vorbereitet werden."

Basierend auf einem medizinischen, pflegerischen oder sonstigen nichtökonomischen Hochschulstudium soll das neue Studienangebot Managementkenntnisse vermitteln und vertiefen. Das berufsbegleitende zweisemestrige Aufbaustudium soll die Studierenden mit den Anforderungen vertraut machen, die in Krankenhäusern und anderen Institutionen des Gesundheitswesens an Führungskräfte gestellt wer-den. Dazu gehören neben dem betriebswirtschaftlichen know-how gesundheitsökonomische und gesundheitsrechtliche Zusammenhän-ge. Leitbild ist also nicht der Spezialist, sondern der fachübergreifen-de Generalist mit betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt. Die Ziel-gruppe des Kontaktstudiums sind in Krankenhäusern arbeitende und niedergelassene Ärzte, Zahnärzte und Apotheker, andere im Gesundheitswesen tätige Akademiker sowie Ärzte im Praktikum.

Das Aufbaustudium startet erstmals im Wintersemester 1998/99. Die Lehrveranstaltungen finden sowohl in der Vorlesungszeit als auch in der vorlesungsfreien Zeit statt, hier dann als Blockseminare. An das zweite Semesters schließt sich ein Managementseminar an, das der wissenschaftlichen Reflexion dient. Da die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Regel berufstätig sind, finden die Veranstaltungen jeweils mittwochs und freitags von 16 Uhr bis 21 Uhr statt. Ohne die Arbeitsstunden zur Vor- und Nachbereitung des Stoffes, für Hausarbeiten und Exkursionen beträgt das Stundenvolumen 420 Unterrichtsstunden.

Der Studienplan gliedert sich in die drei fachlichen Blöcke Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft, wobei die Veranstaltungen aus der BWL den größten Raum einnehmen. Ein vierter Block besteht aus Veranstaltungen zu Epidemiologie und Gesundheitsforschung, Ethik und Medizin sowie einer Kommunikationswerkstatt und dem Managementseminar. Der be-triebswirtschaftliche Block behandelt die Themen Praxismanagement, Krankenhausbetriebswirtschaftslehre, Führung, Finanzierung und Rechnungswesen. In der Volkswirtschaftslehre wird in erster Linie die Gesundheitsökonomie behandelt, wobei auch Ziele der Gesundheitspolitik und verschiedene internationale Gesundheitssysteme thematisiert werden. Der rechtswissenschaftliche Block beschäftigt sich mit Medizinrecht (zum Beispiel Arzthaftung, Arzneimittelgesetze, Organisationsrecht) sowie Arbeits- und Sozialrecht (Krankenversicherungsrecht, Arbeitsvertragsrecht, Mittbestimmungs- und Personalvertretungsrecht). Im Managementseminar präsentieren die Teilnehmer die Ergebnisse von Fallstudien, die sie während des zweiten Semesters in kleinen Gruppen bearbeiten müssen. In Medizinrecht sowie Arbeits- und Sozialrecht werde je eine, in Rechnungswesen und Gesundheitsökonomie je zwei Klausuren geschrieben. Die Ergebnisse ergeben die Gesamtnote für das Zertifikat, mit dem die erfolgreiche Teilnahe am Kontaktstudium Gesundheitsmanagement bestätigt wird.

Für das Kontaktstudium Gesundheitsmanagement werden Gebühren in der Höhe von 7.500 Mark erhoben, Ärztinnen und Ärzte im Praktikum zahlen eine reduzierte Gebühr von 4.500 Mark. Über die Zulassung zum Studium, die bei der Akademie für Weiterbildung an den Universitäten Heidelberg und Mannheim beantragt werden muß, entscheiden der Studienleiter und zwei prüfungsberechtigte Dozenten. Die Kontakte zur Praxis nimmt ein Beirat wahr, dem Repräsentanten aus Institutionen des Gesundheitswesens im Rhein-Neckar-Dreieck angehören.

Kontakt:

Akademie für Weiterbildung an den Universitäten Heidelberg und Mannheim, Friedrich-Ebert-Anlage 22-24, 69117 Heidelberg, Tel. 06221/54-7817, Fax 06221/54-7819

Universität Mannheim, Koordinierungsstelle für die wissenschaftliche Weiterbildung, Josef Kaiser, L 9, 7, 68131 Mannheim, Tel. und Fax 0621/292-5444, e-mail: kaiser@verwaltung.uni-mannheim.de
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