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Universitätsklinikum Freiburg eröffnet Ambulanz für Naturheilverfahren und Umweltmedizin

17.06.1998 - (idw) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

15.06.1998

Universitätsklinikum Freiburg eröffnet Ambulanz für Naturheilverfahren und Umweltmedizin

Wer noch glaubt, daß Universitätskliniken Bollwerke der konventio-nellen Medizin sind, irrt sich: Am Universitätsklinikum Freiburg hat eine Ambulanz für Naturheilverfahren und Umweltmedizin ihre Pforten geöffnet. Die Einrichtung dieser Ambulanz geht auf die Initiative von Professor Hubert Blum, dem Ärztlichen Direktor der Inneren Medizin II, und Professor Franz Daschner, dem Leiter des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Klinikum zurück.

Für die Ärzte der Ambulanz, Dr. Roman Huber, Medizinische Klinik, und Dr. Michael Lacour, Institut für Umweltmedizin und Kranken-haushygiene, ist die Naturheilkunde nicht einfach nur die Anwen-dung von Mitteln, die aus der Natur kommen. Sie bezwecken viel-mehr die kritische Überprüfung (Evaluation) verschiedener Therapie-verfahren im Rahmen von klinischen Studien. Ziel der Therapie ist im Prinzip eine Stabilisierung und Stärkung des Patienten und seiner Widerstandskraft von innen heraus. Ein wichtiger Punkt dabei ist, daß man den Patienten in die Lage versetzt, sich selbst zu helfen.

Motiv für die Gründung der Ambulanz war zum einen das gestiegene Bedürfnis nach komplementären Behandlungsmethoden. Der Ge-danke der Komplementärmedizin sollte auch an einer Universitäts-klinik repräsentiert und für die Patienten in die Praxis umgesetzt werden. Zum Anderen sehen die Ärzte gerade im Rahmen der Uni-versitätsklinik die Möglichkeit, die Wirksamkeit komplementärer Therapieverfahren wissenschaftlich zu überprüfen und in diesem Bereich Grundlagenforschung zu betreiben.

Da Naturheilkunde ein sehr weit gefaßter Begriff ist, mußte eine kritische Auswahl der zur Anwendung kommenden Therapieformen stattfinden. Außenseitermethoden wie Bioresonanz-Therapie, Elek-troakupunktur oder Bachblüten kommen nicht zur Anwendung. Der Schwerpunkt liegt in Verfahren, die wissenschaftlich zumindest auf der Schwelle der Anerkennung stehen. Dazu gehören die klassi-schen Naturheilverfahren wie Phytotherapie, Physikalische Therapie und Ernährungsmedizin inklusive Fasten und die Akupunktur. Dane-ben gibt es die Neuraltherapie, die Misteltherapie als Element der anthroposophischen Medizin und die Homöopathie. Alle Verfahren werden vorwiegend innerhalb wissenschaftlicher Studien bzw. kontrollierter Bedingungen eingesetzt und untersucht.
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Bei allem Engagement für die Komplementärmedizin, stehen die Mitarbeiter der Ambulanz voll auf dem Boden der konventionellen Medizin, um als Grundlage in jedem Fall eine fundierte medizinische Diagnostik und gegebenenfalls auch Therapie durchzuführen. Das Angebot der Ambulanz umfaßt sowohl eine Konsiliartätigkeit für sta-tionäre Patienten der Uniklinik als auch die Behandlung ambulanter Patienten. Am Standort Institut für Umweltmedizin liegt dabei der Behandlungsschwerpunkt in der Akupunktur und chinesischen Medizin. Am Standort Medizinische Klinik II werden insbesondere die klassischen Naturheilverfahren angewendet.

Für die naturheilkundliche Diagnostik und Therapie ist die Konstitu-tion des Patienten bedeutsam, die durch eine verfeinerte Anamnese und Untersuchung herausgearbeitet wird. Die Behandlung ist deswe-gen zumeist individuell. Die konventionelle medizinische Behandlung wird dabei allerdings nicht einfach ersetzt, sondern durch das natur-heilkundliche Angebot ergänzt und unterstützt. Wenn es gelingen sollte, in bestimmten Fällen Medikamente einzusparen, wären wohl alle Beteiligten zufrieden; es ist aber nicht das Ziel, die Naturheilkun-de an die Stelle der konventionellen Medizin zu setzen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Aus- und Weiterbil-dung. Beim medizinischen Personal bestehen positive wie negative Vorurteile, die es abzubauen und durch sachlich kompetenten Um-gang mit dem Thema zu ersetzen gilt. Fernziel wäre, daß von Ärzten und Pflegenden die Indikationen für Naturheilverfahren aus dieser Sachkompetenz gestellt werden.
Da die Naturheilverfahren auch Teil des Ausbildungskataloges der Medizinstudenten geworden sind, werden ab dem Wintersemester auch Vorlesungen zur Naturheilkunde gehalten, die schon bald mit praktischen Kursen ergänzt werden sollen.

Die Karl- und Veronica-Carstens-Stiftung übernimmt die Finanzie-rung der Ambulanz für die nächsten zwei Jahre. Bis dahin wird sich zeigen, ob es möglich ist, sie als Institution des Universitätsklinikums zu integrieren.

Kontakt:_______________________________________________

Ambulanz für Naturheilverfahren und Umweltmedizin

Hugstetterstr. 55, 79106 Freiburg
Dr. Huber, Sekretariat: Frau Höhn-Weiler von 10 - 14 Uhr
Tel.: 0761 / 270-3261, Fax: 0761 / 270-3259
Dr. Lacour: Tel.: 0761 / 270-5484 von 8 - 10 Uhr
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