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Wie Frühgeborene sich weiterentwickeln

17.06.1998 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Wie wirkt sich eine zu frühe Geburt oder eine Erkrankung im frühen Kindesalter langfristig auf den Menschen aus? Um diese Frage beantworten zu können, wird nun eine Studie weitergeführt, die vor mehr als zehn Jahren begann. Wissenschaftler der Universität Würzburg sind daran beteiligt.

Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie IV der Universität Würzburg, und Prof. Dr. Dieter Wolke von der University of Hertfordshire in England führen diese Langzeitstudie mit finanzieller Förderung seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) weiter.

Die Untersuchung startete im Jahr 1985 unter der Federführung von Prof. Dr. Klaus Riegel von der Kinderklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital der Universität München. Ihr Ziel war es, die körperlichen und sozialen Folgen sehr früher Erkrankungen oder einer zu frühen Geburt möglichst langfristig zu beobachten. Zu diesem Zweck wurden in die Studie alle in Südbayern geborenen Kinder aufgenommen, welche die ersten zehn Tage ihres Lebens in der Intensivstation einer Kinderklinik verbrachten. Das waren in den Jahren 1985 und 1986 insgesamt 7.500 Kinder.

Mit finanzieller Unterstützung des damaligen Bundesministeriums für Forschung und Technologie untersuchten Wissenschaftler einen Großteil dieser Kinder bis zum Alter von acht Jahren im Hinblick auf ihre körperliche und psychische Entwicklung. Prof. Schneider war bis Anfang der 90er Jahre als methodischer Berater, Prof. Wolke von 1990 bis 1995 als Leiter der psychologischen Abteilung im Projekt tätig.

Die Forschungsarbeiten konzentrierten sich auf eine Untergruppe von Kindern mit besonders großem biologischem Risiko - das sind Kinder, die weniger als 32 Wochen im Mutterleib verbleiben und die bei der Geburt weniger als 1.500 Gramm wiegen. Bei diesen insgesamt 313 Kindern häuften sich bis zum Alter von acht Jahren Verhaltensprobleme und Verzögerungen bei der geistigen Entwicklung. Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe von 320 normalgeborenen Kindern schnitten die "Risikokinder" bei den meisten Untersuchungen zur sprachlichen Entwicklung, zur Gedächtnisleistung und zur allgemeinen Intelligenz deutlich schlechter ab. Besonders auffällig schien, so Prof. Schneider, daß ein erheblicher Prozentsatz dieser Kinder keine normale schulische Entwicklung nahm, sondern von Anfang an in Sonderschulen unterrichtet wurde.

In dem neuen Forschungsprojekt soll es darum gehen, die weitere schulische Laufbahn dieser Kinder genauer zu verfolgen und dabei insbesondere die Entwicklung beim Lesen und Rechtschreiben zu untersuchen. Denn nach Angaben von Prof. Schneider ist aus ersten Erhebungen deutlich geworden, daß die Risikokinder in diesem Bereich mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Der Vergleich mit Normalgeborenen soll nun zeigen, welche Besonderheiten bei den Risikokindern auftreten und welche Konsequenzen für die Schullaufbahn damit verbunden sind.

Kontakt: Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Telefon (0931) 888-4822, Fax (0931) 888-4891, E-Mail:
psy4020@mail.uni-wuerzburg.de
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