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Freiburger Studie untersucht Einfluß von Kirchen, Sekten und Okkultismus von Jugendlichen

24.06.1998 - (idw) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

23.06.98

Was Jugendlichen heilig ist!?

Freiburger Studie untersucht Einfluß von Kirchen, Sekten
und Okkultismus auf den Lebensentwurf von Jugendlichen - Arbeitsgruppe legt Präventionsordner für die Jugendarbeit vor


Die Jugendforschung zeigt unmißverständlich, daß die traditionelle Religion für Jugendliche kaum noch eine Orientierungsrolle spielt. Stattdessen prägt die weltliche Orientierung die Lebensentwürfe der Jugendlichen und viele sehen in den problematischen Sinn- und Heilsangebote des Okkultismus, der Esoterik und der sogenannten Sekten ein probates Mittel gegen die "Entzauberung der Welt".

Diese Situation war für Dr. Heiner Barz und sein Team vom Lehrstuhl II Er-ziehungswissenschaft der Universität Freiburg Anlaß, die Wünsche und Sehnsüchte junger Menschen wie z.B. Liebe, Erlebnisorientierung, Glücksan-sprüche und Musik aufzugreifen, um von hier aus die Angebote und den Einfluß von Kirchen, Sekten und Okkultismus auf den Lebensentwurf von Jugendlichen zu thematisieren und in einer Loseblattsammlung Materialien für die konkrete Jugendarbeit zu entwickeln.
Wie die jüngste Kontroverse um den am 19. Juni im Bundestag vorgestellten "Sektenbericht" der Bundestags-Enquete-Kommission zeigt, bergen die ak-tuellen Veränderungen der religiös-weltanschaulichen Verfassung unserer Gesellschaft erhebliche Brisanz. Dabei ist der Gedanke der Prävention ent-scheidend: In Fachkreisen ist unstrittig, daß "Sektenprävention" nicht bei der Abschreckung stehenbleiben darf.

Dies versuchen von dem Freiburger Pädagogenteam entworfene Materialien in Form einer Loseblattsammlung erstmals zu realisieren. Wie in der Sucht-prävention mittlerweile unbestritten, müssen Ichstärke und selbständiges Denken an erster Stelle stehen, will man junge Menschen in die Lage verset-zen, den vielfältigen Gefährdungen auch im weltanschaulich-religiösen Be-reich selbstbewußt gegenüber zu treten.

Dr. Heiner Barz hat bereits mit seiner vom Bundesjugendministerium geför-derten dreibändigen Studie "Jugend und Religion" (1992/93) eine in Wis-senschaft und pädagogischer Praxis vielbeachtete Bestandsaufnahme zum Thema vorgelegt.


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Anknüpfend an der damaligen Untersuchung geht es in der neuen Studie neben der Empirie auch um konkrete Handlungsmodelle für eine zukunfts-orientierte Jugendarbeit. Der Schwerpunkt liegt auf Sinnfragen, Heilsverspre-chen, Patchwork-Religion und Okkultismus. Kurze Problemskizzen unter Berücksichtigung der neuesten Forschungsergebnisse führen in das jeweilige Thema ein. Fertig ausgearbeitete Vorschläge, wie die Themen in Jugendar-beit und Schule praktisch umgesetzt werden können, bilden den zweiten, zentralen Bestandteil jedes der 12 Kapitel.

Die vorgelegten Materialien sind eigens als Arbeitsordner für die praktische Verwendung in Schule und Jugendarbeit konzipiert. Und sie behandeln mit dem Thema Prävention im religiös-weltanschaulichen Bereich ein Feld, das trotz seiner aktuellen Brisanz bisher unbearbeitet war. Bewußt werden die Themen im Umkreis des Religiösen hier aus einer weltanschaulich neutralen Perspektive behandelt, die von vielen Praktikern als Hindernis empfundene amtskirchliche Ausrichtung vieler religionspädagogischer Arbeitshilfen wird vermieden.

Die grundlegende Intention der Bausteine für die pädagogische Praxis läßt sich zusammenfassend in drei Stichworten bündeln: Alltagsnähe Neutralität und Auseinandersetzung. Die Materialien setzen an der heutigen Alltagswelt junger Menschenan, sie betreiben keine Werbung für eine Kirche, eine reli-giöse Gruppe oder einen weltlichen "Kult" und regen dazu an, einen eige-nen Standpunkt zu entwickeln.

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