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Euro mindert die Bedeutung des Dollar nicht

24.06.1998 - (idw) HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung Hamburg

Der Euro wird die internationale Bedeutung des Dollar nicht wesentlich ver-ringern. Der Einfluß, den die Vereinigten Staaten oder die amerikanischen Finanzinstitutionen auf den internationalen Märkten haben, ist nicht allein auf den Dollar zurückzuführen. Diese Auffassung vertritt der amerikanische Na-tionalökonom, Peter B. Kenen, Princetown University, in einem Diskussi-onspapier des HWWA (Diskussionspapier Nr. 60 "EMU and Transatlantic Economic Relations, von Peter B. Kenen, zu beziehen beim HWWA, Öffent-lichkeitsarbeit, Neuer Jungfernstieg, 21, 20347 Hamburg, Telefon 040 35 62 355).

Europäer und Amerikaner hätten jeweils eine eigene Betrachtungsweise, wenn es um den Einfluß der Europäischen Währungsunion (EWU) in der Welt ginge. Die Amerikaner ließen sich leicht dazu hinreißen, die EWU im Lichte ihrer eigenen Vorurteile zu bewerten. Da sie zu wiederholten Malen gehört hätten, daß es sich bei der EWU um ein politisches Projekt handele - um ein Instrument, mit dem man die politische Integration Europas voran-treiben wolle - haben sie daraus geschlossen, daß die EWU nicht ökonomisch fundiert sei. Die Europäer seien zum Teil für diese Interpretation selbst ver-antwortlich. Auf der einen Seite habe Helmut Kohl einige übertriebene For-derungen mit der EWU verbunden, die auf der anderen Seite des Atlantiks zu ebenso übertriebenen Entgegnungen geführt hätten, bis hin zu der Warnung von W. Feldstein, daß die EWU in Europa nicht zu dauerhaftem Frieden sondern im Gegenteil zum Krieg führen könne. Europäer und Amerikaner hätten es gemeinsam versäumt, betont Kenen, zwischen zwei grundsätzlich verschiedenen Möglichkeiten der Stellungnahmen zu unterscheiden: dem normativen Urteil, daß die EWU insoweit von Nutzen sein wird, als sie zur politischen Integration beiträgt und dem weniger kontroversen positiven Ur-teil, daß die Durchsetzung der EWU mehr dem politischen Engagement eini-ger europäischer Politiker zuzurechnen sei als einem mehr von innen herrüh-renden ökonomischen Zwang. Jedenfalls sei Europa alles andere als eine op-timale Währungszone; dafür gäbe es zu wenig Lohnflexibilität, zu wenig grenzüberschreitende Mobilität von Arbeitskräften und keine fiskalischen Mechanismen, mit denen man endogene Transfers schaffen könnte, die die Wirkungen asymmetrischer Schocks linderten. Und in der Tat sei es schwer zu glauben, daß die EWU die europäischen Regierungen dazu bringen werde, sich mit diesen Mängeln wirklich auseinanderzusetzen.

Auch werde die EWU nicht zu Veränderungen in der wirtschaftlichen Zu-sammenarbeit zwischen den führenden Industrienationen führen, so der ame-rikanische Wirtschaftswissenschaftler weiter. Es gäbe dafür drei Gründe. Erstens werden die G 7 Länder auch in Zukunft mit " externen" Problemen zu tun haben, wie z.B. der Bewältigung der Asienkrise, und die EU-Mitgliedsländer seien weder bereit noch verpflichtet, bei diesen Fragen mit einer Stimme zu sprechen. Zweitens werden die Vereinigten Staaten und Europa sich nicht mehr so sehr auf das alte "interne" Thema, das Wechsel-kursmanagement konzentrieren. Der Dollar-Euro-Kurs werde für die Verei-nigten Staaten politisch wie ökonomisch eine geringere Bedeutung haben als der Dollar-Yen-Kurs, und er werde für Europa eine geringere Bedeutung haben als der alte Dollar-DM-Kurs. Drittens habe der Europarat die Unter-scheidung bestätigt, die im Maastricht-Vertrag zwischen Wechselkurs und Geldpolitik auf der einen Seite und Wirtschaftspolitik auf der anderen Seite gemacht wird. Europa werde mit einer Stimme im Bereich der Wechselkurs- und Geldpolitik sprechen, aber die einzelnen Regierungen der Mitgliedslän-der werden im Bereich der Wirtschaftspolitik einschließlich der Fiskalpolitik natürlich nur für sich selbst sprechen. Und obwohl der Ecofin Council die Fiskalpolitik im Geltungsbereich des Euro koordinieren wird, wird er nicht einmal als Sprecher dieser Politik in den internationalen Gremien auftreten.

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