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Informations- und Kommunikationswirtschaft in Nordrhein-Westfalen

24.06.1998 - (idw) Institut Arbeit und Technik

Die Neuen Medien sind kein beschäftigungspolitisches Wundermittel, geben aber wichtige Impulse für die Erneuerung alter Branchen.

Die Neuen Medien sind kein beschäftigungspolitisches Wundermittel und auch kaum geeignet, strukturschwachen Regionen schnell auf die Beine zu helfen. In langfristiger Sicht jedoch bieten sie als wichtige Infrastrukturvoraussetzung gute Chancen, die eine regional differenzierte Industrie- und Dienstleistungspolitik für die Erneuerung alter Branchen nutzen sollte. Zu diesem Ergebnis kommen verschiedene Untersuchungen, die das Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) in jüngster Zeit zur Informations- und Kommunikationswirtschaft in Nordrhein-Westfalen durchgeführt hat. Erste Ergebnisse werden demnächst im neuen IAT-Jahrbuch 1997/98 veröffentlicht.

Nach der Studie stellt die nordrhein-westfälische IuK-Wirtschaft mit einem Gesamtumsatz von 130 Milliarden DM (1996) eine beachtliche Größe innerhalb der regionalen Wirtschaftsstruktur dar. 1996 waren rund 213.000 Mitarbeiter beschäftigt. Obwohl sich die IuK-Wirtschaft in NRW in den letzten Jahren besser entwickelte als im Bund, liegt das beschäftigungspolitische Gewicht der Branche mit rund 2,9 Prozent noch immer unter dem Bundesdurchschnitt. Allerdings hat NRW im Bereich der Telekommunikation inzwischen eine im Bundesvergleich überdurchschnittliche Position erreicht, die nicht nur aus der Präsenz der wichtigsten Mobilfunkanbieter, sondern auch aus einem breiten Spektrum von Telekommunikationsdienstleistungen resultiert. Ähnlich stellt das Land im Bereich der Multimedia-Dienstleister zusammen mit Bayern den wichtigsten Standort dar.

Den weiteren Boom der Branche könnten allenfalls Personalengpässe im Informatikbereich stoppen. Wie die betrieblichen Recherchen im Rahmen der Studie ergaben, stößt der starke Arbeitskräftebedarf der IuK-Wirtschaft auf ein zu geringes Angebot an qualifizierten Personen. Die Unternehmen scheinen sich dieser Herausforderung nur bedingt bewußt zu sein. Die Berufsbildungsstatistik weist für 1996 zwar mehr als 9400 Auszubildende in IuK-relevanten Berufen aus, im Ländervergleich engagieren sich die Unternehmen jedoch nur unterdurchschnittlich in diesen Ausbildungsbereichen, stellt die Studie fest. Die neuen informationstechnischen Ausbildungsgänge seit 1997 scheinen von den Unternehmen besser angenommen zu werden, ob sich hier eine grundlegende Trendwende abzeichnet, bleibt jedoch offen.

Die Unternehmen der IuK-Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen konzentrieren sich entlang einer Achse, die von Bonn über Köln und Düsseldorf bis Essen reicht, hinzu kommt Ostwestfalen-Lippe. Die starken Medienregionen haben sich jedoch sehr unterschiedlich entwickelt: Im Raum Köln hat sich aus dem Standort für audiovisuelle Medien (Sendeanstalten/Filmproduktion) inzwischen ein dynamischer Medienstandort entwickelt, der mit seinen Impulsen weit über den eigentlichen Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie hinausreicht und zur Entwicklung neuer Produktionscluster führte. Düsseldorf weist die größten Unternehmensanteile in den Sparten Medien-Hardware, Werbung und Telekommunikation/Software auf. Als Standort für ausländische Wirtschaftsaktivitäten, Verwaltungssitz vieler Großunternehmen und mit der Ansiedlung der neuen Telekommunikationsanbieter und -betreiber konnte sich die Region als Kommunikationsstandort profilieren. Im Raum Gütersloh ging die Entwicklung der neuen Medien demgegenüber nicht von einem Milieu wie in Köln oder Düsseldorf aus, sondern vom Aufbau der weltweiten Konzernstruktur der Bertelsmann AG.

Die Entwicklung der erfolgreichen NRW-Medienregionen zeigt, daß Neue Medien nicht aus dem Nichts entstehen, sondern sich offensichtlich nur im Zusammenspiel mit Wirtschaftsaktivitäten entwickeln, die "vor Ort" bereits eine lange Tradition haben. Sie garantieren auch keine schnellen Aufholprozesse in strukturschwachen Regionen - schließlich begann für das Medien-Cluster in Köln, dessen Wurzeln bis in die 50er Jahre zurückreichen, der Boom erst nach 30 Jahren. In allen bislang erfolgreichen Medienregionen begann die Entwicklung der Neuen Mendien damit, daß sie von den bereits etablierten Branchen genutzt wurden. Entsprechende Modernisierungen stehen auch im Ruhrgebiet an, etwa im Handel, in der Verkehrswirtschaft oder auch in der Industrie (etwa bei der Fernwartung von Anlagen). Neue Medien sind dann nicht selbst ein neuer Wirtschaftszweig, sondern zunächst einmal eine Infrastrukturvoraussetzung für die Erneuerung alter Branchen. Um die regionalen Potentiale wirksam auszuschöpfen, bedarf es einer regional differenzierten Industrie- und Dienstleistungspolitik, die Rahmenbedingungen setzt, eine unspezifische Konkurrenz aller um Alles verhindert und die den Regionen Raum gibt, eine ihren Potentialen entsprechende Politik der Anwendung von IuK-Technologien umzusetzen.


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