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Wald im 18. Jahrhundert: eine unersetzliche Zentralressource

26.06.1998 - (idw) Universität Trier

Entwicklung des Waldes in Hunsrück und Eifel im 18. Jahrhundert - Dissertation eines Trierer Historikers befaßt sich mit der

Wald war im 18. Jahrhundert eine unersetzliche Zentralressource, das zeigt die Dissertation von Dr. Christoph Ernst "Den Wald entwickeln. Ein Politik- und Konfliktfeld in Hunsrück und Eifel im 18. Jahrhundert (Kurtier, Kröver Reich, Hintere Grafschaft Sponheim)", die im Fach Neuere Geschichte an der Universität Trier im Jahr 1998 fertiggestellt worden ist. Die Arbeit befaßt sich mit den Landschaftszügen Hunsrück und Eifel, rechts und links der Mosel.

Im Zentrum der Arbeit stehen die kulturellen und gesellschaftlichen Ansprüche, welche die Menschen in vorindustrieller Zeit an den Wald stellten. Der Wald lieferte erstens die bis weit ins 19. Jahrhundert unersetzliche Zentralressource Holz. Zweitens diente die Waldfläche zu Viehzucht und Ackerbau. Drittens jagte man im Wald. Aus diesen An-sprüchen entstanden drei Waldtypen unter-schiedlicher Beschaffenheit: Holzproduktionswald (hoher Holzvorrat), Landwirtschaftswald (Weide- und Ackerfläche), Jagdwald (hoher Wildstand).
Welcher der Waldtypen wo vorherrschen sollte, war eine Frage, die alle Waldnutzer anging. Die Kommunikation zwischen Landesherren, ländlicher Bevölkerung, Städten und Klöstern konstituierte ein eigenes Politik- und Konfliktfeld. Die bestimmende Frage lautete: Nach welchen Maßgaben soll der Wald entwickelt werden? Auszuhandeln war, wer seine finanziellen, naturalen, hoheitlichen und immateriellen Interessen in welchem Maße durchsetzen konnte. Bevölkerungswachstum und Holzkonjunktur verschärften die Auseinandersetzungen. Die finanziell lukrative Holzproduktion gewann für die Landesherren eine immer größere Bedeutung. Dahinter mußten zunehmend nicht nur die eigenen jagdlichen Ziele im Wald und insbesondere die agrarische Nutzung des Waldes durch die Landbevölke-rung zurückstehen. Selbst die von der zeit-genössischen Forstpublizistik und vom lan-desherrlichen Forstamt propagierten Ziele einer nachhaltigen Bewirtschaftung gerieten dadurch ins Hintertreffen. Die obrigkeitliche Rede von Nachhaltigkeit und Holznot - also einer Verknappung der Ressource - war deshalb zwar nicht grundlos. Es handelte sich jedoch zugleich um eine Rhetorik, mit der man die eigenen geschäftlichen Ziele kaschieren wollte.

Weitere Informationen:
Dr. Christoph Ernst
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Neuere Geschichte
Frankenwolfstr. 3/I
80802 München
Telefon: (0 89) 21 80-29 60


PRESSEMITTEILUNG - UNIVERSITÄT TRIER
Herausgegeben von der Pressestelle - Redaktion: Heidi Neyses
54286 Trier - Telefon: 06 51/2 01-42 39
Fax: 06 51/2 01-42 47

161/1998 25. Juni 1998
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