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Diaspora- und Genozidforschung als RUB-An-Institut

29.06.1998 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Die einzige Forschungseinrichtung in Deutschland, die sich schwerpunktmäßig mit vergleichenden Fragestellungen des Völkermords und der Diaspora befaßt, ist jetzt offziell neues An-Institut der RUB. Das NRW-Ministerium für Schule, Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung hat dem Antrag der RUB zugestimmt und das "Institut für Diaspora- und Genozidforschung" (IDG, Direktor: Dr. Mihran Dabag) als wissenschaftliche Einrichtung an der RUB nach § 36 UG (Universitätsgesetz NRW) anerkannt.

Bochum, 29.06.1998
Nr. 139

Von Völkermord und dem Trauma der Überlebenden
"Strukturen kollektiver Gewalt" - Herausforderung an Forschung
Diaspora- und Genozidforschung als RUB-An-Institut anerkannt


Die einzige Forschungseinrichtung in Deutschland, die sich schwerpunktmäßig mit vergleichenden Fragestellungen des Völkermords und der Diaspora befaßt, ist jetzt offziell neues An-Institut der RUB. Das NRW-Ministerium für Schule, Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung hat dem Antrag der RUB zugestimmt und das "Institut für Diaspora- und Genozidforschung" (IDG, Direktor: Dr. Mihran Dabag) als wissenschaftliche Einrichtung an der RUB nach § 36 UG (Universitätsgesetz NRW) anerkannt. An-Institute sind selbständige Einrichtungen mit Aufgaben, die nicht von der Hochschule ausgefüllt werden. Sie kooperieren eng mit der Hochschule in Forschung und Lehre. Das IDG ist bereits das siebte RUB-An-Institut.

Erste gemeinsame Tagung

Lang ist die Liste der Länder, in denen Verfolgung, Völkermord, Barbarei an der Tagesordnung ist oder bis vor kurzem war. Mit "Strukturen kollektiver Gewalt" (1. bis 4. Juli im Museum Bochum, Kortumstr. 147, 44777 Bochum) befaßt sich die erste gemeinsame Tagung des IDG mit Partnern in der RUB. Mitveranstalter ist der Lehrstuhl für Praktische Philosophie, Prof. Dr. Bernhard Waldenfels, RUB, sowie das Bochum-Wuppertaler Graduiertenkolleg "Phänomenologie und Hermeneutik". Gäste und Medien sind herzlich willkommen.

Themen mit internationalen Experten

Auf der Tagung mit international ausgewiesenen Wissenschaftlern geht es um eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit Formen von Gewalt, Verfolgung, Krieg und Genozid. Prof. Dr. Bernhard Giesen (Gießen), Prof. Dr. Jens Halfwassen (Köln) und Prof. Dr. Bernhard Waldenfels (RUB) erörtern den Zusammenhang von Ordnung und Gewalt aus soziologischer und philosophischer Perspektive; Prof. Dr. Jacques Rancière und Prof. Dr. Bert-rand Ogilvie (Paris) nähern sich der Gewalt unter besonderer Berück-sichtung jüngster Ansätze der französischen Philosophie und Soziologie an; Prof. Dr. Moshe Zimmermann (Jerusalem), Prof. Dr. Lutz Niethammer (Jena) und Dr. Mihran Dabag (IDG) setzen sich kritisch mit wissenschaftlichen Deutungsansätzen zu Völkermorden auseinander; Prof. Dr. Hans Joas (Berlin), Dr. Ulrich Bröckling (Freiburg) und Dr. Antje Kapust (RUB) stellen sich den unterschiedlichen Gewalten des Krieges; Prof. Dr. Krikor Beledian (Paris) und Dr. Stefan Hesper (RUB) gehen den Spuren von Gewalterfahrung und Trauma in Erzählmustern und literarischen Bildern nach. Der öffentliche Vortrag über "Barbarei und Genozid" von Prof. Dr. Hans Mommsen (RUB), Donnerstag, den 3. Juli, 20.00 Uhr, bietet der breiten Öffentlichkeit die Gelegenheit bieten, sich an den Diskussionsergebnissen zu beteiligen.

Die Moderne - ein Jahrhundert geprägt von Völkermord und Vertreibung

1915/16 hat der Genozid der jungtürkischen Regierung an der westarmenischen Gemeinschaft den "Völkermord-Reigen" im 20. Jahrhundert eröffnet: Ca. 1,5 Millionen Menschen fielen ihm zum Opfer. Den größten Völkermord im 20. Jahrhundert verübten die Deutschen an mehr als 6 Millionen Juden, Sinti und Roma während des 2. Weltkriegs. Ein Jahrhundert, das als Versprechen der Moderne begonnen hat, brachte Gewalt, Völkermord und Vertreibung: die Bereitschaft zur totalen Vernichtung und eine Gewalt, die spezifische tätermögliche Strukturen und Institutionen schuf.

Dem Trauma der Überlebenden auf der Spur

Mit dem Vergleich von Völkermorden, Vertreibungen, ihren Strukturen und spezifischen Ausprägungen beschäftigt sich das IDG. 1989 als Arbeitsschwerpunkt Armenische Studien an der Sektion für Sozialpsychologie und Sozialanthropologie der RUB entstanden (Lehrstuhl von Prof. Dr. Helmut Nolte, Fakultät für Sozialwissenschaft) realisierte es Projekte zeitgeschichtlicher, historischer sozialwissenschaftlicher und psychologischer Fragestellungen der Migrationsforschung, der Vergleichenden Diasporaforschung, der Genozidforschung und Traumaforschung bei Überlebenden von Genoziden.

Zahlreiche Forschungsprojekte

Forschungsprojekte des IDG befassen sich u.a. mit der "Definition des Opfers im Prozeß des Völkermords", mit "Krieg und Ideologie - Kriegsziele als ideologische Ziele und als 'Deckmantel' genozider Prozesse", mit "Nationenbildung und Gewalt im 20. Jahrhundert", mit Studien zum Überlebenstrauma wie "Individuelle Erfahrung und kollektives Trauma", "Transmission und Trauma in der Generationenfolge", der "Armenischen Diaspora seit 1065" sowie mit "Bild und Katastrophe - Die Erfahrung von Verfolgung und Vernichtung in den Bildmedien".

Kooperationen im In- und Ausland

Das IDG ist eine Einrichtung der Stiftung für Armenische Studien im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Essen). Diese Stiftung ist eine private, durch Spenden getragene Einrichtung, die die Arbeiten des Instituts sichert. Das IDG kooperiert mit Forschungseinrichtungen des In- und Auslands, darunter dem Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen, dem Copenhagen Peace Research Institut (Dänemark), dem Institute on the Holocaust and Genocide (Jerusalem, Israel), dem Montreal Institut for Genocide and Human Rights (Montreal, Kanada). Ein wissenschaftlicher Beirat, dem u.a. Prof. Aleida Assmann (Konstanz), Ralf Giordano (Köln), Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Knut Ipsen (Bochum), Prof. Dr. Wolfgang Mommsen (Düsseldorf), Prof. Dr. Marc Nichanian (New York), Prof. Dr. Lutz Niethammer (Jena) und Prof. Dr. Julius H. Schoeps (Potsdam) angehören, berät das IDG.

RUB kooperiert mit sieben An-Instituten

Das IDG ist bereits das siebte An-Institut der RUB, die Kooperationen pflegt mit: Institut für Arbeiterbildung (FIAB, Recklinghausen), Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI, Bochum), Berufsgenossenschaftliches Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin (BGFA, Bochum), Institut für Umwelthygiene und Umweltmedizin des Hygiene-Instituts des Ruhrgebiets (Gelsenkirchen), Institut für Kanalisationstechnik (IKT, Gelsenkirchen), Institut für Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung (InWIS, Bochum).

Weitere Informationen

Institut für Diaspora- und Genozidforschung, Universitätsstraße 142,

44799 Bochum, Tel. 0234/70 79 78, Fax: 0234/70 80 79,
E-Mail: IdgBochum@aol.com
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