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Die (vorläufige) Summe eines überaus erfolgreichen Lebens

30.06.1998 - (idw) Technische Universität Clausthal

Professor em. Dr. -Ing. habil. Eberhard Schürmann feierte seinen 80. Geburtstag mit einer Metallurgischen Fachtagung.

Im Jahre 1946 kam Eberhard Schürmann an die Bergakademie Clausthal und hungerte sich durch sein Studium - in acht Semestern und selbstfinanziert durch Industriearbeit während der vorlesungsfreien Zeit. Und heute? 149 Doktoranden betreute Professor Schürmann, Forschungsergebnisse, die in über 300 Veröffentlichungen niedergelegt wurden, eine in Jahrzehnten gewachsene Partnerschaft mit der Universität Laibach (Ljubljana) in Slowenien, eine Stiftung, die seinen Namen trägt und Nachwuchswissenschaftler auszeichnet, gegründet aus seinem Privatvermögen und mit der großzügigen Unterstützung der Industrie und seiner ehemaligen Doktoranden und Diplomanden. Eberhard Schürmann zeigte Engagement für die Wissenschaft und die Menschen, die in ihr arbeiten. Die (vorläufige) Summe eines Lebens. Am 26. Juni feierte Professor em. Dr.-Ing. habil. Eberhard Schürmann mit einer Metallurgischen Fachtagung seinen 80. Geburtstag in der Aula der Universität.

Der Prorektor für Forschung und Hochschulentwicklung, Professor Dr.-Ing. Ulrich Draugelates würdigte die hervorragende Forscherpersönlichkeit, Schürmann sei ein Pfeiler der Universität. Mit seiner Grundlagenforschung, welche die Anwendung stets im Blick behielt, habe Schürmann Wesentliches zum heutigen Stand der Stahltechnologie in Deutschland beigetragen, sagte Dr.-Ing. E.h. Kurt Stähler, Vorsitzender des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute in seinem Grußwort. Als Dekan der Fakultät für Bergbau, Hüttenwesen und Maschinenwesen sprach Professor Dr. Claus Marx und berichtete von Schürmanns jüngster umtriebiger Idee, eine weitere Stiftung zu gründen. Dieses Mal speziell für junge Wissenschaftler aus Ljubljana, um ihnen unter wirtschaftlich und politisch schwierigen Umständen zu helfen. Den sportlichen Kampfgeist seines Doktorvaters erhellte Dr.-Ing. Ekkehard Schulz, Vorsitzender des Vorstandes der Thyssen Krupp Stahl AG und Vorsitzender des Vereins von Freunden der Technischen Universität Clausthal mit einer Anekdote. Nach seinem Rigorosum unterhielten sich - in seiner Gegenwart (!) - Professor Schürmann und der Korreferent über die Notenfindung. " Ich hatte den Eindruck, so schlecht sei es nicht gelaufen". Professor Schürmann plädierte für "Mit Auszeichnung". Der Korreferent wiegte sein Haupt. Für eine Arbeit auf einem neuen Forschungsgebiet, die Kristallisation erstarrender metallischer Schmelzen hatte Schulz bearbeitet, könne doch nicht sofort eine derart (siegesgewiße) Note erteilt werden? Schürmann argumentierte. Schließlich lenkte sein Gegenüber ein: "Um des lieben Friedens Willen." Daraufhin Schürmann: "Geschenkt woll'n wir nichts!". Und so blieb es bei "sehr gut". Schulz selber hatte (nur halb im Scherz ?) gegenüber einem Freund geunkt: "Komme ich Mit Auszeichnung raus, werde ich Wissenschaftler, komme ich mit sehr gut raus, werde ich Vorstand in der Stahlindustrie".

Dr.-Ing. Schulz: "Professor Schürmann förderte viel und er forderte." Tolerant, offen und nachsichtig sei er mit seinen Mitarbeitern gewesen. Sah die Versuchshalle bei seiner Rückkehr blitzblank aus, bestätigte dies seinen Verdacht: "Die Kerls haben wieder gegossen!" Die Ausrede seiner Doktoranden lautete: "Es mußten wieder Barbaras - als Gastgeschenke für Exkursionen - angefertigt werden." Mithin ein lebhaftes Forschungsinstitut - mit Pflaumenkuchen zum Plausch. Und mitunter eine mittelständische Gießerei.

Schwierigkeiten ging Schürmann nie aus dem Weg - und focht mit den Kollegen Professores. So beschrieb Schulz seinen ehemaligen Doktorvater und heutigen väterlichen Freund. Melancholische Elegien auf das Alter wollte Schulz nicht singen, nur eine zutreffende Skizze für Eberhard Schürmann: "Wenn man alt ist, kennt man alle Antworten, aber niemand stellt die Fragen. Solange deine Antworten noch gefragt sind, darfst Du dich noch jung fühlen. Ich gratuliere Dir zu deinem Alter und deinem jungen Herzen. Mit 50 hattest Du große gesundheitliche Sorgen. Du gabst das Rauchen auf und deine Frau stützte Dich, wie in all den Jahren. Goethe vollendete mit 82 seinen Faust, Adenauer begann mit 87 seine Memoiren. So wünsche ich Dir Lust auf Zukunft! Lebe noch lange weiter - so wie wir Dich kennen und lieben."

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