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Benefiz-Spiel: Der einzige, der getreten wird, ist der Ball

03.07.1998 - (idw) Technische Universität Chemnitz

Der einzige, der getreten wird, ist der Ball
Chemnitzer Uni-Fußballer kicken für französischen Polizisten

Wer genau die Täter waren, die am vergangenen Montag mit Stiefeln auf den bereits wehrlos am Boden liegenden französischen Polizisten Daniel Nivel eintraten, weiß man noch nicht. Sicher ist nur eins: es waren Deutsche. Seitdem liegt der 43jährige, der zwei Kinder hat, im Koma. Ob er jemals wieder wird arbeiten können, ist unklar.

Was solche grölenden, pöbelnden, saufenden Schläger dem Sport und der Völkerverständigung damit antun - sie wissen es wohl selbst nicht. Denn dazu sind sie zu dumm. Mit Fairness, mit Sport jedenfalls hat ihr Verhalten nichts, aber auch gar nichts zu tun. Sich selbst stilisieren sie zu harten, unbeugsamen Kämpfern, die niemals weichen - dabei sind sie in Wirklichkeit unmenschlich und feige und weinerlich dazu. Als etwa ein 21jähriger Darmstädter für seine Beteiligung an den Schlägereien und Zerstörungen in Lens von französischen Richtern zu drei Monaten Knast verurteilt wurde, fing er hemmungslos zu heulen an - Minuten zuvor war er noch ganz Großmaul gewesen.

Wenigstens die Angehörigen des französischen Polizisten sollen nicht unter der sinnlosen Gewalttat solcher deutscher "Fans" leiden. Das finden jedenfalls die Kicker der Chemnitzer Uni. Deshalb treten die Fußballer am Mittwoch, dem 8. Juli 1998, 18.45 Uhr, auf dem Sportplatz des Uni-Campus, Chemnitz, Thüringer Weg zu einem Benefiz-Spiel gegen die Spieler des sächsischen Landesligisten Altchemnitzer BSC 97 an. Der Eintritt beträgt drei Mark, alle Einnahmen werden der Familie Daniel Nivels zugute kommen. Auch sonst ist für die Fußballfans gesorgt: Im Anschluß an das Chemnitzer Spiel können sie sich im eigens aufgebauten Biergarten vor den Wohnheimen Vettersstr. 64/66 die Übertragung der Halb-Finalspiele um die Weltmeisterschaft ansehen, die am gleichen Tag stattfinden. Für dieses Nach-Spiel haben die Brauer der Firma Braustolz - die auch sonst der Chemnitzer Uni öfter mal als Sponsor unter die Arme greift - 100 Liter Bier spendiert. Wer außer Durst auch noch Hunger hat, kann sich an den Grillwürstchen gütlich tun. Auch der Erlös hieraus wird dem verletzten Polizisten zugute kommen. Geholfen haben auch die Mitarbeiter von Ströer City Marketing, Hähnlein Concert Logistik und Otto Messebau: Sie hängten in der ganzen Stadt Plakate mit der Spielankündigung aus - am Thüringer Weg ist schließlich Platz genug für die Zuschauer.

Übrigens: Die Veranstalter suchen noch weitere Sponsoren für dieses verdienstvolle Vorhaben. Für fairen Sport hat man eben in Chemnitz schon immer etwas übrig gehabt - schließlich leben und starten hier viele frühere und jetzige (und ganz sicher auch künftige) Weltmeister, Olympiasieger und sonstige deutsche Spitzensportler.

Weitere Informationen: Technische Universität Chemnitz, Diplom-Sportlehrer Ekkehard Bleidistel,
Tel. (03 71) 5 31-27 02,
Fax (03 71) 5 31-29 58.
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