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Neu an der Universität Augsburg: Interdisziplinäres Institut für Informatik

03.07.1998 - (idw) Universität Augsburg

Die modernen Computer- und Informationstechnologien führen zu grundlegenden Veränderungen der Arbeits- und Lebenswelt. Damit sind neue Herausforderungen an nahezu alle Wissenschaften in Forschung und Lehre verbunden. Mit der Gründung eines "Interdisziplinären Instituts für Informatik" (I.I.I.) hat die Universität Augsburg aus dieser Entwicklung die Konsequenzen gezogen. Ziel dieser neuen fakultätsübergreifenden Einrichtung, in der Informatiker, Mathematiker, Natur-, Wirtschafts-, Sozial-, Rechts- und Geisteswissenschaftler vertreten sind, ist es, fachübergreifende Anwendungen der Computer- und Informationstechnologien in der Universität zu fördern und in Forschung und Lehre zum Ausdruck zu bringen.

Seiner Zusammensetzung entsprechend ergeben sich für das neue Institut eine Reihe aktueller Forschungsthemen, die Prof. Dr. Klaus Mainzer, Inhaber des Augsburger Lehrstuhls für Philosophie und Wissenschaftstheorie und Geschäftsführender Direktor des I.I.I., folgendermaßen umreißt:

"In den Naturwissenschaften führen die gesteigerten Rechenkapazitäten von Computern (z. B. Parallelrechner, Supercomputing) zum verstärkten Einsatz von numerischen Verfahren, Computermodellen und 3D-Visualisierungen ("Virtual Reality"). Computerexperimente werden sogar in der reinen Mathematik bei der Problem-, Beweis- und Lösungsfindung angewendet. In der Physik werden z. B. komplexe Materialstrukturen oder Strömungsdynamik computergestützt modelliert. Komplexe Molekülstrukturen können durch CAMD ("Computer Aided Molecular Design")-Verfahren anschaulich visualisiert werden. Damit ergeben sich neue Perspektiven etwa für technische Anwendungen der Materialforschung. Umweltfragen lassen sich in Computermodellen untersuchen, die aufgrund umfangreicher Datenerhebungen erstellt wurden.

In den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sind mathematische Verfahren ohne Computereinsatz kaum noch denkbar. In Augsburg tragen Wirtschaftmathematik und Wirtschaftsinformatik dieser Entwicklung Rechnung. Die Herstellung von Kontakten zur Computer- und Informationsindustrie, aber auch zu Banken mit ihrem umfangreichen informationstechnologischen Einsatz ist ein erklärtes Ziel des I.I.I. Computer- und Informationstechnologien führen zur weltweiten Vernetzung von Wirt-schaft und Gesellschaft im "World Wide Web". Die Rede ist bereits von Teleworking, Telebanking und Teleshopping in virtuellen Märkten, Firmen, Banken und Kaufhäusern. Multimedia macht erst Globalisierung möglich. Die Trends der Multimedia-Gesellschaft werfen neue und schwierige Rechtsfragen auf.

In den Kulturwissenschaften werden Computer- und Informationstechnologien nach der gesprochenen und gedruckten Sprache zur neuen Kulturtechnik. Im PC läßt sich Wissen aus Literatur, Geschichte und Kunst als computergestützter Hypertext multimedial erschließen. Der Leser navigiert nach seinen Interessen durch einen Informationsraum, dessen Daten-, Ton- und Videodokumente durch "Hyperlinks" verbunden sind. Multimedia-Datenbanksysteme erlauben navigierenden Zugriff auf gespeichertes Bildmaterial und bildinhaltliche Recherchen.

Die computergenerierte ("virtuelle") Realität dieser Netzwelten wird bereits in der Philosophie diskutiert. So beschäftigt sich der Autor mit den Grundlagen von künstlichen Software-Agenten, die im World Wide Web selbstständig Literaturrecherchen nach den Wünschen eines Nutzers vornehmen können. Fragen der "Künstlichen Intelligenz" und des "Künstlichen Lebens" führen in das Zentrum moderner Erkenntnistheorie. Angesichts des Sieges der Maschine Deep Blue über den Schachspieler Garri Kasparow hat "Spektrum der Wissenschaft" diesem Thema ein aktuelles Sonderheft "Kopf oder Computer" (Dossier 4/97) gewidmet, in dem der Autor zu den Unterschieden maschineller und menschlicher Intelligenz Stellung nimmt.

Neben der Forschung engagiert sich das I.I.I. auch für den verstärkten Einsatz von Multimedia in der Lehre. Traditionelle Frontal-Vorlesungen in den Massenfächern könnten durch multimediale Hypertext-Systeme ergänzt werden, die von einzelnen StudentInnen oder kleinen Studiengruppen am PC interaktiv genutzt werden. Auf dem Internet erhöhen solche Lehrangebote die Attraktivität und Wett-bewerbschancen einer Universität. Teleworking in virtuellen Universitäten wird in wenigen Jahren zum lebenslangen Lernen in der Informationsgesellschaft gehören. Am Ende ist klar: Im Computer-zeitalter ist Know-How im Umgang mit den Informationstechnologien unverzichtbar. Das I.I.I. dringt daher darauf, Zusatzqualifikationen aus dem Computer- und Multimedia-Bereich in allen Fakultäten anzubieten, um die Arbeitsplatzchancen aller Universitätsabsolventen zu erhöhen. Technisches Know-How ersetzt aber nicht soziale und kommunikative Kompetenz: Die Erziehung zum verantwortungsbewußten Umgang mit den Computer- und Informationstechnologien ist eine neue ethische Herausforderung."

Neben dem Geschäftsführenden Direktor Prof. Dr. Klaus Mainzer und seinem Stellvertreter Prof. Dr. Werner Kießling, dem Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Informatik (Datenbanken und Informationssysteme), gehören dem Leitungsgremium des I.I.I. folgende Professoren an: Prof. Dr. Günter Bamberg, Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl, Prof. Dr. Bernhard Fleischmann, Prof. Dr. Helmut Giegler, Prof. Dr. Peter Hänggi, Prof. Dr. Horst Hanusch, Prof. Dr. Wolff Heintschel v. Heinegg, Prof. Dr. Ronald H. W. Hoppe, Prof. Dr. Dieter Jungnickel, Prof. Dr. Klaus Kienzler, Prof. Dr. Bernhard Möller, Prof. Dr. Otto Opitz, Prof. Dr. Friedrich Pukelsheim, Prof. Dr. Hans-Joachim Töpfer, Prof. Dr. Antony Unwin und Prof. Dr. Walter Vogler.

Kontakt:

Prof. Dr. Klaus Mainzer, Institut für Interdisziplinäre Informatik, Universität Augsburg, 86135 Augsburg, Tel. 0821/598-5568 oder -5577, Fax -5584, e-mail: klaus.mainzer@phil.uni-augsburg.de
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