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Die "Goethezeit" wird neu verortet

06.07.1998 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Sonderforschungsbereich "Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800"

Jena - Ein großer Erfolg für den Wissenschaftsstandort Thüringen: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert einen breit angelegten transdisziplinären Sonderforschungsbereich (SFB) der Friedrich Schiller Universität Jena. Sein Titel: Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800.

Damit sind die Thüringer Wissenschaftler ihrem Ziel ein entscheidendes Stück näher gekommen, ein neues Verständnis des für die gesamte europäische Kulturgeschichte bedeutsamen Epochenwandels zu entwickeln, der sich im Doppelzentrum Weimar-Jena um 1800 vollzog. An dem Forschungskolleg beteiligen sich fünf Fakultäten der Friedrich Schiller Universität Jena, eine Fachgruppe der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg und die Stiftung Weimarer Klassik. Mittelfristig ist auch an eine Einbeziehung der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar gedacht. Die Leistung des Projekts liegt bei den Jenaer Professoren Prof. Dr. Klaus Manger als Sprecher und seinen Stellvertretern Prof. Dr. Georg Schmidt und Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach als Vorstand.

Ziel des SFB ist es, das "Ereignis Weimar-Jena", in dem sich Aufklärung, Klassizismus, Klassik, Idealismus und Romantik überlagern, aus historischer, ästhetischer, naturwissenschaftlicher Sicht und in seiner Gesamtkonstellation neu zu bestimmen. Aus der Zusammenarbeit von Natur- und Geisteswissenschaftlern heraus sollen so die wesentlichen Aspekte der Kulturverdichtung in Weimar und Jena um 1800 erschlossen werden. Die wissenschaftliche Spezialisierung hat die Forschung bisher auf Teilaspekte des überaus vielschichtigen Kulturgefüges in Weimar und Jena beschränkt. Die Gesamtkonstellation von Weimarer "Musenhof" und Jenaer Universität wurde daher nie zum Thema. Die erklärte Absicht des Sonderforschungsbereichs ist es nun, aus den fachlichen Perspektiven auszubrechen, dabei aber nicht einfach eine Vielzahl von Fragestellungen anzuhäufen, sondern auf eine auch methodologische Synthese der unterschiedlichen Ansätze hinzuarbeiten und damit die Kultur von Weimar-Jena in ihrer exemplarischen Bedeutung zu verstehen.

In transdisziplinären Studien sollen daher Voraussetzungen, Triebkräfte und Leistungen dieses Ereignisses geklärt und in ihrer Bedeutung für die heutige Kulturdiskussion bestimmt werden. Grundvoraussetzung ist die Bereitschaft zur Kommunikation und Offenheit bei allen Teilnehmern des SFB für die Fragestellungen der anderen Teilprojekte: Arbeitsgruppen, regelmäßige Colloquien und die gemeinsame Nutzung von Dateien dienen dazu, Zwischenergebnisse nutzbar zu machen und in ständigem Austausch zu bleiben. Mit der Beteiligung von Gastwissenschaftlern wollen die Initiatoren unterstreichen, daß die Bedeutung ihres Projekts keineswegs an Landesgrenzen endet, sondern von übergreifendem kulturgeschichtlichem Interesse ist. Über den wissenschaftlichen Ertrag hinaus dürfte das Vorhaben so auch die Chance bieten, (gemeinsam mit der "Europäischen Kulturhauptstadt Weimar 1999") die wichtige Rolle Thüringens für die europäische Kultur neu bewußt zu machen.

Mit der Zusage der DFG stehen in den nächsten drei Jahren 5,2 Millionen DM für den SFB bereit. Eine Fortführung des Projekts in den Jahren 2001 bis 2004 ist bereits in Planung. Vorerst sind etwa 50 Wissenschaftler in 12 Teilprojekten beteiligt. Die Friedrich Schiller Universität, die Stiftung Weimarer Klassik und die Martin Luther Universität Halle-Wittenberg stellen 26 Planstellen für die Grundausstattung zur Verfügung, die DFG trägt 24 zusätzliche Stellen und 800.000 DM ergänzende Haushaltsmittel.

Für den Rektor der Friedrich Schiller Universität Jena, Prof. Dr. Georg Machnik, ist die Bewilligung des SFB durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ein "großer Erfolg" bei der heute für die Universitäten so notwendigen Drittmitteleinwerbung. Die Universität Jena werde dadurch, nach Ansicht des Rektors, in den nächsten Jahren die Chance nutzen können, sich zu einem Zentrum wissenschaftlicher Kommunikation zwischen den Fakultäten und mit den anderen beteiligten Institutionen zu entwickeln, das zahlreiche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen einbeziehen werde. Zudem erwarte er, daß sich das Profil der Universität Jena durch die in Aussicht stehenden Forschungsergebnisse als Beiträge zu einem historisch fundierten, neuen Verständnis von Kultur und Wissenschaft auch über die Landesgrenzen Thüringens hinaus weiter schärfen werde.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Klaus Manger, Tel.: 03641/944200
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